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Kölner AkademieTelemann-Preis für Michael Alexander Willens

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Der Dirigent Michael Alexander Willens

Der Dirigent Michael Alexander Willens

Mexikanische Weihnachtslieder und Musik zur Geburt eines Prinzen spielt Michael Alexander Willens auf CD ein

Es ist wieder die Zeit, in der die festlichen Kantaten und Oratorien von Johann Sebastian Bach oder Georg Friedrich Händel gespielt werden und das Publikum sehr empfänglich für diese alte Musik ist, die eng mit Europa in Verbindung gebracht wird. In der Entstehungszeit waren aber auch in den Kathedralen der lateinamerikanischen Welt zahlreiche Komponisten, Ensembles und Chören musikalisch unterwegs, die Weihnachtsoratorien in der ihnen eigenen Art zur Aufführung brachten.

Mexikanische Weihnachtslieder

Dirigent Michael Alexander Willens und seine auf Alte Musik spezialisierte Kölner Akademie haben in Sachen mexikanischer Barock recherchiert. Herausgekommen ist die neue CD „Feliz Navidad!“ (cpo) mit mexikanischer Weihnachtsmusik. Willens stieß auf Werke von teilweise in Vergessenheit geratenen Komponisten, die in der Barockzeit ihren Weg nach Nordamerika fanden.

Einer von ihnen war der Italiener Ignacio de Jerusalem (1710-1769), der an der Kathedrale von Mexiko-Stadt wirkte. „Er war zudem ein super Geiger“, sagt Willens. Jerusalems Musik macht gleich den Auftakt der CD: Beschwingte, festliche Klänge spielen das Ensemble und der Chor in dem Stück „Rompa la esfera“ (Reiß auf das Himmelszelt) in einem Dialog voller Lebensfreude.

Jerusalems Musik stellt Willens die Arbeiten von mexikanischen Eigengewächsen wie Manuel de Sumaya sowie zwei spanischen Musikern zur Seite, die man im Lande der Azteken noch heute liebt. Die musikalische Brücke nach Europa ist indes unüberhörbar. Beliebt waren das sogenannte „Matutin“, ein sakrales Stück, das den Motetten oder kleinen Kantaten ähnelt. Sie wurden mit folkloristischen „Villancicos“ (Weihnachtslieder) verbunden, die Craig H. Russel im Beiheft zur CD als eigentliche „kulturelle Beiträge und Vermächtnisse der lateinamerikanischen Tradition“ bezeichnet. Von festlichem Glanz zeugt die Musik.

Festliche Hörner

Von Jose de Nebra (1702-1768) spielte die Akademie auf der CD sogar eine ganze Messe ein. Schon gleich das Kyrie erhält durch gezupfte Töne folkloristischen Charakter, Die größte Neuheit der damaligen Zeit besteht nach Einschätzung Russells „in der Betonung der zwei Hörner, angesichts derer man beinahe ein Doppelkonzert zu hören vermeint.“

Auch hier gibt es Parallelen zur europäischen Weihnachtsmusik, in der die Komponisten in der Darstellung der Krippe ebenfalls Hörner einsetzten. Willens und die Akademie wählten für ihre CD also Stücke, die unseren Ohren vertraut sind, aber gleichzeitig Neues entdecken lassen. Dabei tauchen die Gesangssolisten Elena Harsáni (Sopran), Carolin Marçot (Mezzosopran), André Cruz (Tenor) und Thomas Bonni (Bass) mit Verve in die Musik ein, deren Ursprünglichkeit sie kongenial herüberbringen.

Die Kölner Akademie feiert im kommenden Jahr den 30. Geburtstag. Mit Konzerten und Tonträger-Einspielungen insbesondere weitgehend unbekannter und groß besetzter Vokalkompositionen setzt sich Willens für die Vertonung wiederentdeckter herausgehobener Telemann-Werke ein. Seine historisch geschulte Interpretation gilt als wegweisend für die internationale Telemann-Rezeption. Viele seiner Aufnahmen haben Referenzcharakter und verleihen eher unbekannten Schaffensbereichen des Komponisten Konturen.

Besondere Auszeichnung im Frühjahr

Für Willens gibt es im Frühjahr in diesem Kontext eine besondere Auszeichnung. Für seinen Einsatz für die Interpretation und Pflege des Werks Georg Philipp Telemanns (1681-1767) wird der US-Amerikaner am 14. März während eines Festaktes in Magdeburg, der Geburtsstadt des Barockmusikers, mit dem Telemann-Preis 2026 geehrt.

„Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt Magdeburg den eindrucksvollen Umgang des gebürtigen US-amerikanischen Dirigenten mit dem künstlerischen Werk Telemanns“, begründet Oberbürgermeisterin Simone Borris die Entscheidung zur Verleihung des nächsten Telemann-Preises an Michael Alexander Willens. „Seine Interpretationen sind von Entdeckerfreude, Enthusiasmus und Faszination gegenüber den Kompositionen des gebürtigen Magdeburgers getragen.“

Auf Einladung der Magdeburger Telemann-Festtage war Willens mit dem Orchester Kölner Akademie erstmals 2012 in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts zu Gast, um die Lukaspassion des Komponisten von 1728 aufzuführen. Das bildete den Beginn eine Reihe mit Telemann-Einspielungen von Michael Alexander Willens beim Label cpo Georgsmarienhütte.

Musik zu Friedensschlüssen

Mittlerweile hat die Akademie unter ihrem künstlerischen Leiter sechs Aufnahmen mit Telemann-Kompositionen veröffentlicht. Anfang Dezember — ebenfalls beim Label cpo — erschien die CD unter dem Titel „Auf, Christenheit! Begeh ein Freudenfest“ (TWV 12:a/b) und strahlt den festlichen Glanz der Barockkomposition aus.

Es handelt sich um die Ersteinspielung der „Frankfurter Festmusiken“ 1716, die Telemann anlässlich der Geburt eines kaiserlichen Prinzen komponierte. Im Rahmen eines ganztägigen Festaktes wurde das Werk im Mai 1716 auf dem Frankfurter Römerberg beziehungsweise in der Barfüßerkirche aufgeführt. Temporeich, mit Pauken und Trompeten wurde der kleine Prinz gefeiert. Die Akademie und die Sopranistinnen Elena Harsáni und Hanna Herfurtner sowie Tenor Georg Poplutz vermitteln mit Arien wie „Ein Prinz ist da“ den Eindruck, live dabei zu sein.

Außerdem nahm die Akademie die Serenata „Deutschland grünt und blüht im Friede“ (TWV 12:1c) auf. Mit den Friedensschlüssen von Utrecht und Rastatt 1713/14 fand die leidvolle Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, der seit 1701 in Europa gewütet hatte, den Abschluss. Telemann fasste die hoffnungsfrohe Stimmung in „Der Süße Friede blühet“ zusammen.

Von Leonard Bernstein gelernt

1952 wurde Michael Alexander Willens in Chevy Chase, im US-Bundesstaat Maryland geboren. Er erhielt seine Ausbildung an der Juilliard School in New York bei John Nelson. Nach seinem Abschluss als Master of Music setzte er sein Studium bei Jaques-Louis Monod, Harold Farberman, Paul Vorwerk und Leonard Bernstein fort. Er ist firm in Aufführungspraxis alter Musik bis zur Interpretation von Werken der Gegenwart einschließlich des Jazz und Pop.

Willens gastiert bei internationalen Festivals und leitet Konzerte in ganz Europa sowie in Südamerika, Asien, Island, Aserbaidschan, Israel, der Türkei und den Vereinigten Staaten. 1996 gründete er die Kölner Akademie. Mit dem Ensemble musizierte er Werke aus dem Kanon der klassischen Musik, aber auch weniger bekannter Kompositionen.