Die Schlüsselübergabe am 22. März 2024 ist abgesagt, das Haus soll nun in Etappen bezogen werden und am 28. Juni fertig sein.

Kommentar zu den BühnenSelbst für Kölner Verhältnisse ist dieses Scheitern spektakulär

Die Visualisierung zeigt, wie die Oper und der Offenbachplatz aussehen sollen.
Copyright: Förrder Landschaftsarchitekten
Das große Drama bieten die Bühnen schon bevor sich der Vorhang öffnet. Seit über elf Jahren wird am Offenbachplatz mehr oder weniger zielgerichtet abgerissen, montiert, verlegt — und teilweise wieder von vorne angefangen. Selbst für Kölner Verhältnisse hat dieses Scheitern spektakuläre Dimensionen erreicht. Bernd Streitberger ist 2016 als Chefsanierer angetreten, um einen Bauprozess zu retten, den er als Baudezernent selbst aufgesetzt hatte.
Dieser Prozess ist nicht gescheitert, aber er hat einen neuen, erheblichen Dämpfer bekommen. Die Schlüsselübergabe am 22. März 2024 ist abgesagt, das Haus soll nun in Etappen bezogen werden und am 28. Juni fertig sein. Das Schlimmste am Desaster vom Offenbachplatz: Viele Kölnerinnen und Kölner verfolgen solche Zielsetzungen nur noch kopfschüttelnd, sie haben sich innerlich abgewendet von dem Sanierungsvorhaben. Von Vorfreude in der Stadt auf das Ende der Arbeiten ist herzlich wenig zu spüren.
Das liegt vor allem an den Horrorzahlen des Projektes: unfassbare 686 Millionen Euro kostet die Neuaufstellung der Bühnen – nach immer noch vorläufiger Prognose. Kommende Woche protestieren die Wohlfahrtsverbände, sie schließen Kitas und Jugendbüros, fordern Hilfen, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Kultur und soziale Leistungen sollte man nicht gegeneinander ausspielen. Aber schwer zu erklären ist es schon, dass Geld auf der einen Seite fehlt und andernorts im Sanierungsfass ohne Boden verschwindet.
In den nächsten Wochen wollen die Bühnen einen Eröffnungstermin nennen. Doch bis zu den Abnahmen im Frühjahr wird dieser ohnehin auf wackeligen Füßen stehen. Will sich die Stadt diese Zitterpartie ein halbes Jahr lang antun? Die Bürgerinnen und Bürger dürften an die Rückkehr ohnehin erst glauben, wenn sie die Eingangstür passiert haben. Die Stadt muss sich möglichst früh festlegen, ob eine Eröffnung 2024 im Zentrum möglich und sinnvoll ist. Und nicht die Fehler von 2015 wiederholen.

