Stoffe, Borten, Orden, Ketten, Knöpfe, Nähmaschinen und noch viel, viel mehr müssen die Mitarbeitenden der Kostümabteilung von Oper und Schauspiel vom Carlswerk zum Offenbachplatz umziehen - da ist strikte Ordnung überlebensnotwendig.
KostümabteilungPerfektion bis zum kleinsten Knopf

Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Und schon gar nicht dem Chaos. Kostümdirektorin Manuela Martinez-Besse mit perfekt sortierten Schubladen für Orden und Wappen.
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Ein paar Zimmerpflanzen, Schränke, Küchenkram, Bücher und ein Bettgestell – das reicht meistens schon für Umzugsstress. Aber wenn die Kostümabteilung von Oper und Schauspiel umzieht, ist das ein Umzug auf dem nächsten Level. Zum Beispiel der „Rosenkavalier“, mit dem die Oper die Spielzeit starte: Da gibt es die Feldmarschallin samt Haushofmeister und Lakaien, drei „adlige Waisen“, einen Polizeikommissar, einen Baron, einen Tierhändler... - knapp 30 Namen stehen in der Besetzungsliste. Die alle Kostüme brauchen. Nicht zu vergessen der Kinderchor und der Chor der Kölner Oper.
Und der „Rosenkavalier“ ist nur eine von vielen Produktionen an Oper und Schauspiel, die alle so ziemlich zeitgleich starten. Während die Nähmaschinen also auf Hochbetrieb laufen, muss gleichzeitig der gesamte Umzug organisiert und durchgezogen werden. Eine Alptraum-Aufgabe: Das Korsett der Feldmarschallin ist kurz vor der Premiere unauffindbar und der Kinderchor muss in Unterwäsche auf die Bühne.

Arbeiten inmitten von Umzugskartons: Modistin Daphne van der Griten mit Teresa Schimmels.
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Aber das wird nicht passieren, Kostümdirektorin Manuela Martinéz Besse hat alles im Griff. Das strahlt sie aus und das glaubt man ihr nach einem Besuch in den alten Räumen am Carlswerk in Mülheim auch sofort. Bis auf jeden einzelnen Knopf ist hier alles tipptopp geordnet, sortiert und etikettiert: „Knöpfe Silber“ gibt es zum Beispiel in „gekörnt“, „Halbkugel“ und „gekörnt Halbkugel“. Es gibt eine Schachtel für „Ankermotive silber“, eine für „Uniformknöpfe“ - mehrere Schränke voll, nur Knöpfe. „Früher waren die Knöpfe alle in Schubladen. Und immer hat man gesucht und wusste nicht: Wie viel gibt es da von?“, erzählt sie. „Dann haben Praktikanten bei uns ein, zwei Tage Knöpfe sortiert und wir haben alles in Boxen geordnet, damit man einen genauen Überblick hat.“ Alle Mitarbeitenden sollen sich hier blind zurechtfinden können, auch wenn die Verantwortlichen für Borten, Hosenträgerstäbchen oder Stoffe gerade mal nicht da sind.
Wo Manuela Martinéz Besse ist, herrscht strikte Ordnung – das spart Ressourcen und Zeit, sagt sie. Schließlich müssen sie und ihr Team alles selber packen und auspacken. So haben sie auch für den Umzug alles minuziös geplant. Sollten trotz der ganzen ausgeklügelten Zeitpläne und Grafiken noch Fragen offen bleiben, gibt es eigens ein „Umzugsglossar“ von E wie „EDV“ bis Z wie „Zimmerpflanzen“. Unter P wie „Puppen“ steht dort beispielsweise: „sollen auseinander geschraubt und aufrecht in Wannen transportiert werden“.
Ohne die akribische Organisation ihrer Kolleginnen Teresa Schimmels und Flavia Stein, betont Manuela Martinéz Besse, hätte dieser Umzug überhaupt nicht stattfinden können. Schon gar nicht in nur zwei, anstatt der ursprünglich angesetzten drei Wochen. Denn es geht um viel mehr als nur ein paar Schränke voller Knöpfe. Schneiderei und Gewandmeisterei müssen umziehen - jeweils für Herren und Damen, inklusive Profi-Nähmaschinen, Bügelanlagen und Arbeitstischen. Dazu noch die Putzmacherei für Hüte und Kopfbedeckungen aller Art, Waschcenter, Kostümmalerei, Schuhmacherei, Stofflager, eine eigene Färberei und der Schuhfundus im Keller mit etwa 7000 Exemplaren.

Blick in die Schneiderei der Frauen.
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Mehr als hundert Menschen arbeiten hier, um die 3800 maßgeschneiderte Kostüme entstehen pro Spielzeit für Schauspiel und Oper. Und so überwältigend das ist: Die eigentliche Masse an Kostümen lagert gar nicht hier: Der Fundus ist seit zwei Jahren in Marsdorf – um die 100 000 Stück, schätzt die Kostümdirektorin. Die können zum Glück dort bleiben.
Vielleicht ist Manuela Martinéz Besse auch so entspannt, weil es nicht ihr erster Umzug mit der Kostümabteilung ist. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie bei den Bühnen der Stadt Köln und hat schon den Umzug 2010 vom Neumarkt begleitet. Die Kostümabteilung zog als allererstes ins Carlswerk und ganz alleine - weil sie schon auf gepackten Kisten saß, als beschlossen wurde, doch noch eine Spielzeit länger in den Altbauten zu bleiben.
Gerade am Anfang sei es nicht ganz leicht gewesen, die Schauspielerinnen und Sänger davon zu überzeugen, ins Rechtsrheinische zur Anprobe zu kommen, erzählt sie. Aber es sei auch eine „gute Feuerprobe“ für das Vagabunden-Leben gewesen, das das Schauspiel und vor allem die Oper dann führen mussten. Die Oper spielte im Oberlandesgericht, in der Universität, in Kirchen und im Palladium, bevor sie endlich ins Interim im Staatenhaus ziehen konnte. Und das Schauspiel war erstmal in der „Expo“ im Agnesviertel untergebracht.
Das Pendeln hat ein Ende
„Bei allen Anfangsschwierigkeiten hat man damals gesehen, wie gut das Team aufgestellt ist“, sagt die Kostümdirektorin. Es musste so viel von einem Ort zum anderen transportiert werden – unmöglich ohne gute Kommunikation. Und ganz nebenbei habe man dabei auch gelernt, wie man sicher und nachhaltig verpackt. Und zum Beispiel aus alten Werbetransparenten für Schauspiel-Aufführungen Überzüge für die Kleiderständer genäht. Oder große Transporttaschen, nachdem die Exemplare eines großen schwedischen Möbelhauses sich als nicht besonders haltbar erwiesen.
Nach den Umzugs-Strapazen wird alles entspannter – da ist sich Manuela Martinéz Besse sicher. Vor allem weil die langen Wege wegfallen, die viele Überstunden gekostet haben. Etwa acht Monate wird in der Kostümabteilung beispielsweise an einer Opernproduktion gearbeitet. Bei der Klavier-Hauptprobe ist dann die erste Gelegenheit das Gesamtergebnis zu sehen. „Der Gewandmeister, die Putzmacher, die Schuhmacher – alle überprüfen dann vor Ort auf der Bühne nochmal ihre Arbeit“, erklärt die Kostümdirektorin. Und wenn dann das Kleid zu weit ist oder die Kostümbildnerin eine etwas andere Farbe wünscht, muss alles wieder in die Werkstätten transportiert werden. Das geht so lange hin- und her, bis zur Premiere schließlich alles perfekt ist.
Am Offenbachplatz müssen die Schneider oder die Putzmacherinnen dann nur noch kurz von ihrem Schreibtisch aufstehen, um auf der Bühne zu sehen, ob alles passt. Trotz der mehr als tausend Kisten, die sie gerade packen, seien sich deswegen alle einig, sagt Manuela Martinéz Besse: „Wir freuen uns endlich weniger zu organisieren und mehr handwerklich zu arbeiten! “
