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Nähe zu PutinWie es zum Rauswurf des Chefdirigenten in München kam

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Gergijew dirigent in aktion

Dirigent Waleri Gergijew 

München – Es sind deutliche Worte, die der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstag wählt: „Ich hätte mir erwartet, dass er seine sehr positive Einschätzung des russischen Machthabers überdenkt und revidiert. Das hat er nicht getan.“

Das Schweigen von Waleri Gergijew hat Konsequenzen. Nun ist Schluss für den russischen Star-Dirigenten als Chef der Münchner Philharmoniker.

Gergijew dirigent

Der russische Präsident Wladimir Putin mit dem damaligen künstlerischen Leiter des Mariinsky-Theaters, Waleri Gergijew

„Es wird damit ab sofort keine weiteren Konzerte der Münchner Philharmoniker unter seiner Leitung geben“, teilte Reiter mit. Seine Nähe zu Wladimir Putin – bislang nur ein latentes Imageproblem – wird dem 68-Jährigen nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine endgültig zum Verhängnis.

Weltweite Absagen

Nicht nur in München – weltweit sagen renommierte Häuser seine Auftritte ab. Reiter hatte Gergijew am Freitag ein Ultimatum gestellt. Doch der Dirigent habe sich trotz der Aufforderung, „sich eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt“, nicht geäußert, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Erklärung gegen den Krieg

Auch Anna Netrebko steht wegen ihrer Nähe zu Putin in der Kritik und sagte ihre nächsten Auftritte ab. „Es ist nicht die richtige Zeit für mich aufzutreten und zu musizieren. Ich hoffe, dass mein Publikum diese Entscheidung verstehen wird“, ließ die Starsopranistin über den Veranstalter River Concerts am Dienstag mitteilen. Sie hatte 2021 im Kremlpalast mit einer Gala, bei der Glückwünsche Putins verlesen wurden, ihren 50. Geburtstag gefeiert. Im Gegensatz zu Gergijew erklärte sie öffentlich, dass sie gegen den Krieg sei, betonte aber auch, keine „politische Person“ zu sein. (dpa)

„In der aktuellen Situation wäre aber ein klares Signal für das Orchester, sein Publikum, die Öffentlichkeit und die Stadtpolitik unabdingbar gewesen, um weiter zusammenarbeiten zu können. Nachdem dies nicht erfolgt ist, bleibt nur eine sofortige Trennung.“ Gergijews Vertrag liefe eigentlich noch bis Juli 2025. Seit 2015 war er Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Die Freundschaft mit dem russischen Machthaber Putin brachte ihm schon seit Jahren immer wieder Kritik ein. Im Jahr 2014 unterschrieb er einen Künstler-Appell zur Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland und bekannte sich damit offiziell zur Politik Putins.

Waleri Gergijew sieht sich selbst als unpolitisch an

Gergijew hatte sich – wenn er in der Vergangenheit wegen seiner Nähe zu Putin kritisiert wurde – immer wieder unpolitisch gegeben und betont, er sei nur Musiker und Künstler.

Am Wochenende schon hatte sich Gergijews Münchner Künstleragentur von ihm getrennt. Auch andere Institutionen wollen nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten: Die Hamburger Elbphilharmonie ab, wie das Konzerthaus am Dienstag mitteilte. Zu Ostern waren dort zwei Konzerte mit Gergijew und dem Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters geplant. Auch die Pariser Philharmonie strich am Dienstag geplante Konzerte mit Gergijew im April.

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In Edinburgh trat Gergijew nach erheblichem Druck am Montagabend als Ehrenpräsident des renommierten Edinburgh International Festivals zurück. Das Kuratorium des jährlichen Festivals in Schottland hatte die Aufforderung zum Rücktritt mit „Sympathie und zur Unterstützung“ der Bürger von Kiew begründet – Kiew und Edinburgh sind Partnerstädte.

Auch die New Yorker Metropolitan Opera kündigte an, vorerst nicht mehr mit Künstlern oder Institutionen zusammenarbeiten zu wollen, die Putin unterstützen. Das solle gelten, bis „die Invasion und das Töten zu Ende sind, Ordnung wieder eingeführt wurde und Restitutionen vorgenommen wurden.“