Köln – Gereon Rath ist nicht totzukriegen – in jeder Hinsicht. 15 Jahre nach dem Debüt „Der nasse Fisch“ erscheint mit „Transatlantik“ der nunmehr neunte Roman der Reihe, die unter dem Titel „Babylon Berlin“ auch überaus erfolgreich fürs Fernsehen adaptiert wurde. Anfangs fokussierte der in Köln lebende Autor Volker Kutscher sich noch ganz auf die Sichtweise des in der Zeit zwischen Weimarer Republik und Nationalsozialismus in Berlin ermittelnden Kriminalkommissars. Mittlerweile schreibt er aus der Position des allwissenden Erzählers, der das Geschehen aus wechselnden Perspektiven schildert.
Alte Feinde und neue Identitäten
Neben Gereon Rath sind das seine Frau Charlie, ihr einstiger gemeinsamer Pflegesohn Friedrich „Fritze“ Thormann und einige Nebenfiguren. Eine davon, Raths alter Kripo-Weggefährte Reinhold Gräf, kennt ein brisantes Geheimnis, dessen Bekanntwerden für mehrere Menschen sehr gefährlich werden könnte.
Zur Person
Volker Kutscher wurde 1962 in Lindlar im Bergischen Land geboren. Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte arbeitete er als Redakteur für die „Rundschau“, bevor er sich ab 1996 dem Schreiben von Krimis zuwandte. 2007 erschien der erste Roman um Kommissar Gereon Rath, der wie auch die folgenden Bände zum Bestseller avancierte und als TV-Serie adaptiert wurde. Volker Kutscher lebt in Köln und Berlin. (EB)
Wer den Vorgängerband „Olympia“ gelesen hat, weiß: An dessen Ende kam Rath bei einer Schießerei ums Leben – so die offizielle Version. Tatsächlich aber überlebte er den Angriff und nutzte die Möglichkeit, unterzutauchen und unerkannt ein neues Leben zu beginnen. In Berlin fühlte er sich, der sich unter den Nazis bereits einige mächtige Feinde gemacht hatte, im Jahr 1936 nicht mehr sicher.
Zu Beginn von „Transatlantik“, das im Frühjahr und Sommer 1937 spielt, lebt er unter neuer Identität in Wiesbaden und arbeitet bei einem Weinhändler. So weit, so gut – oder eben nicht. In Berlin werden nämlich einige Herren langsam unruhig. Grund ist, dass aus dem Landwehrkanal, in den Rath nach dem Schusswechsel stürzte, immer noch keine Leiche geborgen werden konnte. Man beschließt, Nachforschungen anzustellen und beauftragt damit ausgerechnet Reinhold Gräf, der Rath nach dessen vermeintlichem Tod half, unterzutauchen. Doch auch Wiesbaden empfindet Rath nicht mehr als sicheren Hort und ergreift dankbar die Chance, mit dem Zeppelin „Hindenburg“ in die USA zu flüchten.
Das könnte Sie auch interessieren:
Den Absturz des Luftschiffs beim Landeanflug überlebt er, hat dafür aber gleich ein neues Problem: In New York trifft er auf seinen alten Berliner Gegenspieler Johann Marlow. Dieser nennt sich mittlerweile John Marlowe und hat sich in der neuen Heimat eine Existenz als Nachtclubbesitzer aufgebaut, die jedoch nur seine Drogengeschäfte tarnt. Und auch im fernen Berlin sind Raths Widersacher mehr und mehr davon überzeugt, dass er überlebt hat und setzen alles daran, ihn aufzuspüren. Charlie in Berlin kann unterdessen nur ahnen, dass Gereon noch lebt. Kontakt zu ihr aufzunehmen, wäre zu gefährlich für beide. Charlie hat ohnehin gerade genug eigene Probleme. So kämpft sie um das Sorgerecht für ihren Pflegesohn Fritze, den das Gericht besser in der Familie des linientreuen HJ-Führers Wilhelm Rademann aufgehoben sieht.
Auch Charlies kriminalistischer Spürsinn ist gefragt. Während ihre Arbeit in einem Detektivbüro sich im Beschatten vermeintlich untreuer Ehepartner erschöpft, wird ihre beste Freundin Greta zur Verdächtigen in einem Mordfall. Mithilfe alter Kontakte aus ihrer Zeit als Kriminalbeamtin setzt Charlie alles daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Das wird ihr schließlich gelingen, und auch ein paar weitere Handlungsfäden werden in „Transatlantik“ auserzählt. Doch zum Schluss gelingt Kutscher ein spektakulärer Cliffhanger. Auch wenn dieser aus nicht mehr als ein paar vagen Andeutungen besteht, dürfte er dafür sorgen, dass Fans der Reihe mit Beendigung des Buches auf Band zehn hinfiebern.
Volker Kutscher: Transatlantik. Roman, Piper, 592 S., 26 Euro


