24 Jahre nach ihrem letzten Album, knap 30 Jahre nach ihrem Hit „Missing“ bringt das britische Duo Everything But The Girl nun ihr Album „Fuse“ heraus.
Neues AlbumWarum Everything But The Girl 24 Jahre Pause machte

Everything But The Girl - das sind Tracey Thorn und Ben Watt.
Copyright: Virgin
„And I miss you like the deserts miss the rain...“ Im Sommer 1995 tanzte die ganze Welt zu den Beats, über die eine melancholische Frauenstimme davon sang, jemanden zu vermissen „wie die Wüsten den Regen“. 13 Jahre war das Duo Everything But The Girl zu diesem Zeitpunkt im Geschäft, Erfolg hatten Tracey Thorn und Ben Watt bis dahin vor allem in ihrer Heimat Großbritannien.
Nach dem Welthit erschienen zwei weitere Alben, seit 1999 herrschte Funkstille. Nun erscheint Freitag mit „Fuse“ (bei Buzzin’ Fly/Virgin) ihre erste Platte seit 24 Jahren. Die gemeinsamen Zwillinge seien der Hauptgrund gewesen erzählt Tracey Thorn im Gespräch mit der Rundschau. „Wir gingen kurz nach ihrer Geburt auf Tournee und nahmen die Mädchen mit.“
Corona-Zeit als Wendepunkt für Everything But The Girl
Aber diese Kombination aus Popstar und Mutter habe ihr keinen Spaß gemacht. „Als ich dann mit unserem dritten Kind schwanger wurde, wusste ich, dass wir eine Zeit aussetzen sollten.“ Es gab nie einen Plan, wie lange das sein sollte. „Dann ging das Leben mit unseren unterschiedlichen Projekten weiter.“ Beide veröffentlichten Soloalben, Ben gründete ein Label, arbeitete als DJ, Tracey schrieb Kolumnen und Bücher.
Wie so viele brachte Corona Zeit zum Nachdenken. Viele Fragen kamen auf, darunter: „Was haben wir lange nicht gemacht?“ Klare Antwort: Zusammen Musik gemacht. „Ich dachte, dass wenn wir es jetzt nicht machen, haben wir vielleicht den Moment verpasst, es zu tun“, sagt Thorn auch im Hinblick auf die Tatsache, dass sie beide letztes Jahr 60 wurden. „Und mir wurde bewusst, dass es traurig wäre.“
Doch man ging es gelassen an: „Wir haben versucht, nicht darüber nachzudenken, was wir da machen“, sagt Ben Watt. Erst etwa nach der Hälfte der Arbeit habe man sich wirklich der Herausforderung gestellt, ein neues Everything But The Girl-Album zu schreiben. Zunächst seien ruhigere Stücke wie „When you mess up“ oder „Interior space“ entstanden – ihres Zeichens ein vorsichtiges Herantasten, ein behutsames Wiederaufnehmen alter Fäden. „Nach und nach haben wir das Tempo angelegt, mehr Beats eingesetzt“, erzählt Tracey. Die erste Single, das extrem tanzbare „Nothing left to lose“ sei als allerletztes entstanden.
Auch wenn sie ihr persönliches musikalisches Rad nicht neu erfunden haben, so muss man sich doch erst einmal in „Fuse“ einhören. Tracey Thorns Stimme hat zwar keinen Deut an Melancholie eingebüßt. „Aber schon bei meinem letzten Soloalbum vor fünf Jahren ist mir aufgefallen, dass meine Stimme sich verändert hat. Doch anstatt gegen die Veränderungen anzuarbeiten, oder eine große Anstrengung zu unternehmen wie früher zu klingen, hatte ich großen Spaß daran.“
Und ihr Ehemann setzte dem Ganzen noch die Krone auf, in dem er mehr diverse elektronische Verfremdungseffekte einsetzte. Doch spätestens bei Zeilen wie „Kiss me while the world decays“ in „Nothing left to lose“ ist einfach klar: Niemand kann wie Tracey Thorn so musikalisch eindringlich darum bitten „geküsst zu werden, während die Welt zerfällt“...
