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Interview

Stadtkonservator
„Ich habe immer daran geglaubt, dass die Kölner Oper fertig wird“

2 min
Ein Mann gestikuliert mit seiner linken Hand.

Sieht die Sanierung der Kölner Oper als das wichtigste Projekt seiner Amtszeit: Stadtkonservator Thomas Werner (Archivbild)

Im Gespräch mit dieser Zeitung zeigt sich Stadtkonservator Thomas Werner begeistert vom sanierten Operngebäude.

Herr Werner, was ist das Besondere am Kölner Opernhaus?

Das Opernhaus ist der erste große Opernbau in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Städtebaulich ist es wichtig für Köln, weil es eine neue „Herzkammer“ für die Stadt bildet und ein kulturelles Zentrum schafft. Das Gebäude ist nicht nur technisch und akustisch auf aller höchstem Stand, sondern bietet mit der Kinderoper und dem Kleinen Haus auch ein ganz neues Theater- und Opernkonzept – es ist ein demokratisches Haus, das gesellschaftlich keine Unterschiede im Foyer- und Zuschauerbereich macht.

Und das alles im Stil der 1950er-Jahre. Welchen Stellenwert hat diese Ära für den Denkmalschutz?

Köln ist eine Hochburg für die qualitative Baukunst der 50er Jahre. Es gab hier große Architekten mit nationaler Strahlkraft. Nicht nur die Oper, sondern die ganze Stadt erlebte in den 50er Jahren eine Hochzeit des Wiederaufbaus und seiner Architekturgeschichte mit hervorragenden Gebäuden. Das Opern-Ensemble ist sicherlich dabei ein wichtiger Zeuge dieser Periode.

Können Sie nachvollziehen, dass mancher keinen Zugang zu dieser Architektur finden mag?

Ja, das kann ich nachvollziehen. Heute haben wir spektakuläre Vorbilder wie die Oper in Sydney oder die Elbphilharmonie in Hamburg, weshalb das Kölner Ensemble manchmal in diesem Vergleich nicht zeitgemäß wirken kann. Deshalb ist es so wichtig, diese Architektur zu erklären, damit man ihren Wert versteht. Beim Denkmalschutz geht es nicht darum, dass ein Gebäude Up to date für das 21. Jahrhundert ist, sondern dass es ein Zeitdokument ist – ein Zeugnis für unsere Identität und die 50er Jahre. Jedes Denkmal spiegelt einer kommenden Generation wider, wie sich Kultur und Architektur entwickelt haben. In 50 Jahren wird auch die Elbphilharmonie ein Zeitdokument sein. Daher kann man diese Denkmäler nicht vergleichen – jedes hat seinen Platz in der Kette herausragender Bauten.

Welche Freude haben Sie als Konservator bei den Ergebnissen der denkmalgerechten Sanierung?

Das Zusammenspiel der Materialien und des vierten Baustoffs – des Lichts – ist besonders bemerkenswert. Nach der Sanierung ist mir das bewusster geworden, so kannte ich das aus normalen Gebäuden der 50er-Jahre gar nicht. Auch die Farbwahl, die über die Jahrzehnte verloren gegangen war, ist wiederhergestellt. Nicht jeder wird bewusst wahrnehmen, was neu ist, aber emotional werden die Menschen es spüren. Viele werden sagen: „Mir gefällt das“ oder „Ich bin begeistert von dem Farbrausch“ – das ist der große Gewinn dieser Sanierung.

Was ist Ihr Lieblingsort im Gebäude?

Das Oberfoyer ist mein Lieblingsort. Dort kommt alles zusammen: Licht, Farbe, Materialien und Raumwirkung. Das Foyer fließt über die großen Fensterflächen nach außen und holt so den Außenraum ins Innere – man sieht den Verkehr und die Menschen über den Platz. Das ist ein besonderer, atmosphärischer Punkt.

War die Oper das wichtigste Projekt in Ihrer Amtszeit?

Ja, auf jeden Fall.

Und Sie haben immer daran geglaubt, dass es fertig wird?

Ja.


Thomas Werner ist seit 2012 Stadtkonservator und damit Köln oberster Denkmalschützer.