Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“ war die Vorlage für Giuseppe Verdis Oper „Luisa Miller“. Darin geht es um verblendete Väter und eine verhinderte Liebe. Die Sänger Mané Galoyan (Sopran) und Krzysztof Bączyk (Bass) im Gespräch mit der Rundschau.
Verdis „Luisa Miller“ feiert Premiere in Köln„Ich liebe die Oper, sie ist wundervoll“

Sopranistin Mané Galoyan und Bass Krzysztof Bączyk singen in "Luisa Miller" von Giuseppe Verdi.
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Wer ist Luisa Miller?
Mané Galoyan: Sie ist hübsch, jeder liebt sie. Sie ist sehr schlau, sehr religiös und couragiert – ein sehr starker Charakter. In der ersten Szene der Oper feiert sie ihren 16. Geburtstag, ist also noch ein wirklich junges Mädchen.
Krzysztof Bączyk: Auf der Torte sind aber nur vier Kerzen…
Mané Galoyan: (lacht) Sie trifft Rodolfo, und für beide ist es ist Liebe auf den ersten Blick. In dem Drama spielt sie Schach und Cembalo, ist sehr kultiviert.
Wer ist Wurm?
Krzysztof Bączyk: Als Person ist er – ich will nicht psycho sagen. Nun, er ist in große Liebe zu Luisa verfallen, will alles für sie tun. Aber er ist dabei nicht in der Lage zu erkennen, dass er ihr schlimme Dinge antut. Als Charakter ist er sehr kompliziert.
Mané Galoyan: Aber er ist nicht der Bösewicht. Alles was er will, ist Luisa. Aber er ist mit dem Übeltäter des Stücks, Rodolfos Vater, befreundet – so werden sie zur Vereinigung des Bösen.
Sie sind nicht das Traumpaar in Verdis Oper, wie würden sie ihre Beziehung beschreiben?
Mané Galoyan: Nun, Wurm kennt Luisas Vater. Sie sind keine engen Freunde, aber sie sind bekannt. Sie sieht ihn daher immer wieder, aber sie setzen sich zum Beispiel nicht hin, um sich was zu erzählen. Sie gehen keine Verbindung ein. Luisa hat daher überhaupt keine Vorstellung davon, dass er für sie aus lauter Liebe brennt.
Wie eignen man sich die Rolle des Fieslings an?
Krzysztof Bączyk: Ich mag es, man hat nicht so viele Möglichkeiten, diese Art von Charakter zu spielen. In der Inszenierung von Christof Loy ist es ein sehr spezieller Typ, Wurm ist etwas anders als die originale Rolle. Ich mag das.
Würde er heute leben, was wäre er ein Banker, Bandit, Künstler?
Mané Galoyan: Ein Banker.
Krzysztof Bączyk: Genau.
Er hat aber keine eigene Arie. Warum?
Krzysztof Bączyk: Wegen des Geldes. Wirklich. Verdi wollte, dass der Librettist eine Arie für Wurm anlegt. Aber Salvatore Cammarano machte das nicht, weil es nicht eine konkurrierende Arie zu der des Conte Di Walter geben sollte. Das war eine Geldfrage.
Hätte er aber eine Arie verdient?
Krzysztof Bączyk: Das wäre großartig gewesen!
Luisa Miller ist ein frühes Werk, Verdi setzte damit aber den Grundstein für spätere Rollen wie zum Beispiel in Aida.
Mané Galoyan: Ja, Verdi schrieb die Oper bereits 1849. Man kann auch in La Traviata vieles aus Luisa Miller hören, zumindest Teile davon. Ich liebe die Oper, sie ist wundervoll.
Und wie zeitgemäß ist der Stoff, immerhin geht es um Intrigen, Macht, verblendete Väter…
Mané Galoyan: Ja, diese Dinge passieren jederzeit. In unserer Zeit, vielleicht nicht auf diese Art und Weise. Aber Intrigen, unerfüllte Liebe, das ist immer aktuell. Das ist zeitlos, das ist das Leben.
Sie beide waren mit der Produktion bereits beim britischen Glyndebourne Festival dabei. Wie fügt sich das nun in das Staatenhaus ein?
Krzysztof Bączyk: Meiner Meinung nach ist es hier besser, da haben wir in einigen Szenen den Chor auf der Bühne. Es sind mehr Musiker. Die Bühne ist zwar kleiner, aber ich ziehe Köln vor. Auch blöken keine Schafe vor der Tür wie in Sussex.
Mané Galoyan: Ich finde, es läuft sehr gut im Staatenhaus. Eine Herausforderung ist allerdings, dass das Orchester auf der Seite ist und wir nie Roberto Rizzi Brignoli, den Dirigenten, sehen. Wir schauen stattdessen auf die Monitore, die immer etwas verzögert sind. Das ist schwer zu koordinieren. Der Chor ist aber wundervoll, ich mag es, wenn sie in unserer Nähe singen. Im Finale werde ich immer an Verdis Requiem erinnert.
Und wie reagierte das Publikum in Glyndebourne?
Mané Galoyan: Sie liebten es, aber aufgrund Corona galt ein Abstand von zwei Metern.
Krzysztof Bączyk: In England ist es Brauch, dass sie den Bösewicht generell ausbuhen. Keiner hat mich vorher gewarnt, dabei habe ich bei der Premiere wirklich fein gesungen.
Luisa Miller ist selten im Programm, warum?
Mané Galoyan: Es ist sehr schwer zu casten – vor allem Wurm (lacht). Alle Rollen der Oper sind sehr schwierig. Für den lyrischen Sopran ist es eine der härtesten Rollen.
Krzysztof Bączyk: Und das Libretto ist kein Meisterstück.
Am Ende stirbt Luisa Miller. Wie ist das darzustellen?
Mané Galoyan: Schwierig. Aber in dieser Oper geht es schneller als in anderen Opern, wie zum Beispiel in La Traviata. Oder bei Gilda in Rigoletto. Sie stirbt einfach nicht. Luisa wird vergiftet und stirbt in zehn Minuten. Das ist einfacher zu spielen.
Abschließende Frage. Wie ist ihr Eindruck von der Stadt?
Krzysztof Bączyk: Es ist meine zweite Zeit in Köln. Vor einigen Monaten war ich in der Philharmonie mit Norma und dem Ensemble Resonanz. Ich mag die Stadt, aber die Lage meiner Wohnung war zuletzt schwierig – sie liegt direkt an den Dominikanern beim Dom. Und Karneval hat es immer Bumbumbum gemacht. Aber ich mag die Stadt. Die Leute sind immer lustig.
Mané Galoyan: Ich habe in Berlin gelebt. Aber die Leute in Köln sind viel netter.
Hochdramatische Oper
Giuseppe Verdi komponierte „Luisa Miller“ als hochdramatische Oper in drei Akten. Uraufführung war 1849 in Neapel. Librettist Salvadore Cammarano erzählt basierend auf Friedrich Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ von der bürgerlichen Luisa, die den adeligen Rodolfo liebt. Der soll sich auf Wunsch seines Vaters, Graf von Walter, mit der standesgemäßen Federica verheiraten. Der Graf und sein Schlossverwalter Wurm schmieden eine Intrige, um das junge Glück zu zerstören und sich Macht zu sichern.
Premiere am 4. März, 19.30 Uhr, Staatenhaus, Saal 2.