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Wallraf-Richartz-Museum in KölnJunge Menschen kuratieren neue Schau zum Thema „MeToo“

3 min
Junge Menschen kuratierten die Schau „Susanna & Du“ und brachten sich auch künstlerisch ein.

Junge Menschen kuratierten die Schau „Susanna & Du“ und brachten sich auch künstlerisch ein. 

Zu „Susanna – Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo“ rief das Museum dazu auf, eigene Beiträge einzureichen. Die Werke verblüffen.

Hände, die grapschen, Hände, die abwehren – blutbesudelt geht es in den meisten Bildern der neuen Ausstellung „Susanna & Du“ im Wallraf-Richartz-Museum (WRM) zu. In Reaktion auf die große Resonanz, welche die Sonderschau „Susanna – Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo“ lud das Museum engagierte Jugendliche – Schüler und Studenten – ein, eigene Beiträge einzureichen.

Das künstlerische Echo wurde von den jungen Kuratorinnen und Kuratoren Jule Büchter, Lisa Happe, Amalia Kizewski, Béla Schätzmüller, Dorothea Scheerer und Charlotte Zens in demokratischer Abstimmung gesammelt, gruppiert und inszeniert.

48 Werke sind in der Schau zu sehen

48 Werke sind nun unter dem Motto „Junge Menschen zwischen Kunst und MeToo“ zu sehen. „Im Video zeigen wir alle Einsendungen“, erklärt Charlotte Zens. Sie und Dorothea Scheerer sind immer noch verblüfft, welche Ausdruckskraft in den Werken liegt, wie unterschiedlich und divers die Herangehensweise ist.

Im vergangenen Jahr feierte das WRM Weltpremiere mit seiner Ausstellung zur biblischen Susanna und griff darin auf, wie Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt schon seit Jahrhunderten in Malerei und Graphik verhandelt werden. Die biblische Erzählung von der Nötigung der Susanna durch zwei alte Spanner ist schon seit der Spätantike ein wiederkehrendes Thema in der Kunst.

Die aktuelle Schau zeigt 48 Werke.

Die aktuelle Schau zeigt 48 Werke.

Die Geschichte handelt von einer jungen Frau, welche von zwei Richtern im Garten ihres Mannes beim Baden beobachtet wird. Die Richter belassen es nicht nur beim Zusehen, sondern üben Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt Susanna gegenüber aus.

Das WRM zeigte dazu Bilder von Artemisia Gentileschi, Anthonis van Dyck, Rembrandt, Eugène Delacroix, Édouard Manet und Lovis Corinth sowie Zeitgenössisches von Kathleen Gilje, Heike Gallmeier und Zoe Leonard.

„Wir reden erst seit kurzer Zeit über das Thema sexualisierte Gewalt. Aber es ist schon sehr lange ein Thema“, sagt Charlotte Zens. Die jüngsten Ereignisse zeigten, wie relevant es sei. Ihr eigener Beitrag ist ein Frauenporträt mit verschränkten Händen. Alles drückt Anspannung aus, angeschlagen wirkt die Physiognomie. Für Kunstlehrer Björn Föll ist frappierend, wie viel die jungen Besucher der Susanna-Schau von der Bildsprache der Alten Meister intuitiv erfasst und in ihren Bildern zum Ausdruck gebracht haben.

Hände, ganz ausdrucksstark, sind immer wiederkehrende Motive in den Beiträgen von Schülern und Studenten, die sich mit der biblischen Geschichte der Susanna befasst haben.

Hände, ganz ausdrucksstark, sind immer wiederkehrende Motive in den Beiträgen von Schülern und Studenten, die sich mit der biblischen Geschichte der Susanna befasst haben.

Doch anders als früher, sind Charlotte Zens und Dorothea Scheerer überzeugt, braucht man Susanna heute nicht mehr als Weiße darzustellen. Die Diversität war allen am Projekt Beteiligten wichtig. Stalking thematisieren die jungen Kunstschaffenden. Auch der Krieg und Gewalt gegen Frauen wird gezeigt. Eine Collage mit Zeitungsausschnitten greift Begriffe wie „Kriminalität“, „Vermisste“, „tot“ und „Kampf für Gleichberechtigung“ auf. Björn Föll erzählt vom Austausch mit den Schulen und wie viele junge Menschen auch von der Aggressivität in den sogenannten sozialen Medien betroffen seien. Anmache im Internet, Sexismus in der Gaming-Szene – manche Büchse der Pandora tut sich in modernen Medienwelten auf.

Föll erfuhr, dass „Susanna“ einen Nerv traf,   den Wunsch nach Austausch weckte. „Da ist ein enormer Bedarf.“ Die Schau soll Plattform für einen diskursiven Austausch zum Thema sein: Wie werden die Bilder der biblischen Susanna und die geschilderten Situationen, in die sie gerät, heute verstanden und in unsere Zeit übersetzt?

Bis 15. Oktober, Di bis So 11 – 18 Uhr, Obenmarspforten 40.


Ausgezeichneter Blockbuster

70.000 Besucher zählte die Susanna-Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum und weckte als „Blockbuster“ bundesweite Aufmerksamkeit. Das Angebot, das Museum auch an Montagen zu öffnen, die ansonsten Ruhetage sind, war schon bald ausgebucht. An diesen Tagen konnten Schülergruppen ohne Lehrer sich austauschen.

Das Feedback der jungen Besucherinnen und Besucher bestätigte die Ausstellungsmacher, dass Fragen dazu, was geht, und was ist übergriffig, sich aktuell mit den Bildern alter Meister verbinden lassen. Anja Sevcik und Roland Krischel, die die Schau kuratierten, wurden im Mai mit dem Kölner Kulturpreis ausgezeichnet. „Dies war die emotionalste Ausstellung für uns“, erklärten beide. (jan)