Die Stadt soll das Objekt zur Unterbringung von Geflüchteten kaufen, die Verhandlungen stocken aber.
Villa SchützenstraßeStadt Leichlingen und Eigentümer sind sich nicht einig

Ende des Monats läuft der Mietvertrag zwischen Stadt und den Eigentümern der Immobilie an der Schützenstraße aus. Wie es dann weitergeht, ist ungewiss.
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Die Beschlusslage ist klar: Der Rat hat die Stadt Leichlingen beauftragt, die Immobilie an der Schützenstraße zu kaufen, um dort Geflüchtete unterzubringen und das Gebäude, sollte es dafür irgendwann einmal nicht mehr genutzt werden müssen, anderweitig zu verwenden. Im Grunde haben die Ratsmitglieder das sogar zweimal getan. Einmal im Herbst vergangenen Jahres und ein weiteres Mal vor wenigen Monaten, als man einen CDU-Antrag über die Rücknahme des Kaufbeschlusses mehrheitlich ablehnte.
Das wollte die Stadt dann in Wege leiten und die Absprachen mit den Gebäudeeigentümern, den Gebrüdern Schürmann, sollten beginnen. Doch es gibt Probleme, wie aus einem Schreiben der Brüder hervorgeht, das an die Fraktionen von SPD, Grünen, Volt sowie die Vertreter von FDP und Linken – also den Kaufbefürwortern – gerichtet ist: Denn die Stadt habe bei einer Besprechung am Mittwoch, 17. Juni, im Rathaus mitgeteilt, weitere 130.000 Euro für kurzfristige Sanierungsarbeiten in den vereinbarten Kaufpreis von 1,4 Millionen Euro einpreisen zu wollen. Die Schürmanns schreiben aber: „Das Amt für Gebäudewirtschaft hatte in den Preisverhandlungen im Sommer 2025 schon den Betrag für kurzfristigen Sanierungsaufwand mit 100.000 Euro benannt und in den Kaufpreis eingepreist.“
Grundlage sei die Bewertung eines Gutachters, der sich am 27. Mai Haus und Grundstück angeschaut habe. Bürgermeister und weitere Verwaltungsmitarbeiter seien dabei gewesen. Das Gutachten haben die Brüder nach eigenen Angaben bis heute nicht gesehen. Bürgermeister Maurice Winter sei beim Treffen am Mittwoch im Rathaus nicht dabei gewesen, schreiben die Brüder. Und Verhandlungsvollmacht hätten die Verwaltungsvertreter auch nicht gehabt, hätten sie auf Nachfrage mitgeteilt: „In der Besprechung sollten die Erkenntnisse des Gutachtens, das uns inhaltlich nicht eröffnet wurde, zur Minderung des vereinbarten Kaufpreises verwendet werden.“
Es ist bedauerlich und uns unverständlich, wie sich unser Angebot an die Stadt entwickelt hat.
Dem stimmten die Brüder aber nicht zu, sie bleiben bei den vereinbarten und vom Rat abgesegneten 1,4 Millionen. „Es ist uns wohl bewusst, dass die Liegenschaft einen Wert darstellt, der nicht unerheblich ist: Allein die Bewertung des Grundstückes ist annähernd gleich dem verhandelten Kaufpreis“, sagen sie. Ohnehin waren die Brüder schon von ihrer ursprünglichen Forderung von 1,6 Millionen Euro abgerückt.
Sie sagen: „Es ist bedauerlich und uns unverständlich, wie sich unser Angebot an die Stadt entwickelt hat.“ Die Brüder hatten, nachdem die Stadt im Sommer 2023 nach Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete aus der Ukraine gesucht hatte, Kontakt zum Sozialamt aufgenommen, um die leer stehende Villa „für die vorübergehende Unterbringung von Flüchtlingen anzubieten und zu nutzen“. Bedingungen waren, dass die Räume für Familien genutzt werden – „und dies zu einem vergleichsweise günstigen Mietzins“.
Über ihre Intention schreiben die Schürmanns: „Der wesentliche Grund für unser Angebot war die von uns gefühlte soziale Verantwortung um Not und Tragödie der Flüchtlingsfamilien – die zeitliche Begrenzung der Vermietdauer auf zwei Jahre erschien uns, hinsichtlich unserer Verkaufsabsicht, als akzeptabel.“
Auch Wiese ist bebaubar
Als die Stadt in der Folge ihr Interesse am Kauf der Villa bekundet habe, habe man sich mit Maklern getroffen und die amtlichen Bodenrichtwerte des entsprechenden Registers (Boris) zurate gezogen und sei so auf einen Kaufpreis von 600 Euro pro Quadratmeter gekommen. Zum Grundstück gehört neben der Immobilie auch eine Wiesenfläche, die – so habe es eine Bauvoranfrage inzwischen ergeben – auch bebaut werden könnte. Die Fläche gehört nicht zum Mietvertrag mit der Stadt.
Die Stadt habe wiederum in den Verhandlungen diverse Abschläge – zum Beispiel für Sanierungen und Investitionen und weil man die Fläche hinter dem Haus nicht benötige – geltend gemacht. Herausgekommen sind bei den Verhandlungen die 1,4 Millionen Euro. Ein Preis, „der deutlich unter unserer Einschätzung lag“, so die Schürmanns. Aber „die Vorstellung, dass wir sowohl der Kommune als auch den Flüchtlingen helfen würden, hat uns motiviert zuzustimmen.“ Den Vorwurf, sich nur bereichern zu wollen, weisen die Brüder also vehement zurück. Denn angefragte Makler, so stellen es die Brüder dar, hätten den Wert der innenstadtnahen Villa auf 15 bis 25 Prozent über den 1,4 Millionen Euro beziffert.
Inzwischen ist der Kauf zum Politikum geworden. Die Eigentümer sehen ihre Immobilie als „despektierlich“ bewertet. Die CDU hatte bezugnehmend auf einen nicht genannten Insider davon abgeraten, das Gebäude zu kaufen, und unter anderem behauptet, im Inneren schimmele es. Davon war bei einem Besuch der Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“ aber nichts zu sehen. Und auch der Gutachter habe das am 27. Mai nicht feststellen können, sagen die Schürmanns. Wer dieser Insider ist, habe ihnen ein Amtsleiter inzwischen mitgeteilt. Dazu sagen sie: „Wir werten seine Motive als selbstsüchtig und ignorant, vor allem hinsichtlich der Not der geflüchteten Familien und deren Wunsch nach Unterkunft und Wohlbefinden.“
Fakt ist jedenfalls: Am 30. Juni endet der Mietvertrag, die Geflüchteten müssen erst einmal ausziehen. Wie es weitergehen soll, wolle die Stadt bis zum 24. Juni mitteilen.
