Vor dem Angriff in einem ICE bei Köln stufte die Polizei den 20-Jährigen zweimal als Prüffall ein – eine Einstufung als „PeRiskoP“ (Person mit Risikopotenzial) blieb aber aus.
Nazi-Literatur und Manifeste gefundenICE-Attentäter war vor Tat Prüffall als möglicher Amokläufer

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)
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Die Polizei in NRW hatte den mutmaßlichen Attentäter aus einem ICE bei Köln bereits vor der Tat auf dem Schirm: Der Mann wurde 2024 erstmals als mögliche Risikoperson im landeseigenen Programm „PeRiskoP“ überprüft, 2025 dann erneut. Ein Ergebnis gab es bis zu dem Vorfall im Zug Anfang April 2026 aber nicht. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Papier des Innenministeriums für den Landtag hervor.
Laut der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD, die der dpa vorliegt, hatte der 20-Jährige am 2. April „nach vorheriger Versendung eines selbst verfassten Manifests an diverse Empfänger zwei Sprengkörper (Softair Granaten) in den Wagen 23 des ICE geworfen“. Durch umherfliegende Plastikkugeln seien zehn bis elf Personen „zumeist oberflächlich verletzt worden“. Ein Fahrgast habe den Mann mit einem Bahn-Mitarbeiter in der Toilette eingeschlossen.
Fahrgast und DB-Mitarbeiter schlossen Mann in Toilette ein
Der Beschuldigte habe unter anderem „ein Messer mit sich geführt, welches er im Anschluss an den Einsatz der Sprengkörper gegen Personen in dem Zug in Tötungsabsicht habe einsetzen wollen“, so Innenminister Herbert Reul (CDU) in dem aktuellen Papier. Er hatte sich bereits bei den beiden Männern in einem Brief dafür bedankt, dass sie Schlimmeres verhindert hätten.

Polizeieinsatz am Bahnhof Siegburg Anfang April. Ein Mann hatte laut Bundespolizei in einem ICE in Nordrhein-Westfalen mit einem Anschlag gedroht und mehrere Menschen leicht verletzt. (Archivbild)
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In der Antwort auf die Kleine Anfrage der AfD listet Reul mehrere Fälle auf, wegen der der Verdächtige bereits polizeibekannt gewesen sei: Diebstahl, Schwarzfahren, Bedrohung, Vortäuschen von Straftaten, Betrug und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten.
Der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit auch „Gegenstand eines polizeilichen Prüffalls im Phänomenbereich der politisch motivierten Kriminalität-Rechts“ gewesen, so Reul. Es hätten sich beim ersten Mal aber „keine belastbaren Hinweise“ ergeben: „Eine Einstufung als Gefährder oder die Vergabe eines sonstigen besonderen polizeilichen Status erfolgte nicht.“ Auch das „PeRiskoP“-Programm, durch das zum Beispiel potenzielle Amokläufer identifiziert werden sollen, erbrachte demnach zunächst kein Ergebnis.
„Mein Kampf“ ebenso wie Koran gefunden
„Nach einer weiteren Tat im Jahr 2025 wurde das Prüfverfahren erneut aufgenommen“, so Reul. Die Einstufung sei nach dem Vorfall im ICE nun erfolgt. Das Ergebnis steht in dem Papier allerdings nicht.
Nach dpa-Informationen wurde der Mann grundsätzlich als Risikoperson eingestuft, allerdings ist unklar, ob er politisch motiviert ist. Bei den Ermittlungen fand man demnach ebenso Nazi-Literatur wie auch religiöse Schriften oder wirre Manifeste aus dem Internet.
Der Deutsche soll in Aachen an Bord des ICE gegangen sein und nach einem Zwischenstopp in Köln-Deutz die Sprengsätze gezündet haben. In Siegburg stoppte der Zug und die Polizei nahm den Mann fest. Er sitzt in Untersuchungshaft. (dpa)
