Während eines Arztbesuchs sollen zwei Männer einem Häftling in Essen zur Flucht verholfen haben. Jetzt läuft eine Öffentlichkeitsfahndung.
Großeinsatz in NRWHäftling bei Arztbesuch befreit – Polizei jetzt mit Foto-Fahndung

Absperrband hinter einem Polizeimotorrad in der Nähe eines Tatorts. Einsatzkräfte stehen auf einem Parkplatz. Zwei Unbekannte haben mitten in Essen zwei Justizbeamte angegriffen und einen 34 Jahre alten Häftling befreit.
Copyright: Justin Brosch/dpa
Zwei Unbekannte haben mitten in Essen zwei Justizbeamte angegriffen und einen 34 Jahre alten Häftling befreit. Die beiden Justizbediensteten, die den Gefangenen in eine Arztpraxis bringen sollten, wurden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur überwältigt und gefesselt. Der Häftling und seine beiden Helfer flüchteten anschließend in unterschiedliche Richtungen.
Die Polizei hat jetzt ein Foto des entwichenen Strafgefangenen veröffentlicht (hier zu sehen). Demnach handelt es sich um D. Gündüz, der auf einem E-Scooter flüchtete. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums saß der 34-Jährige wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in der JVA Essen in Untersuchungshaft.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Essen an der Krawehlstraße, Außenansicht.
Copyright: Christoph Reichwein/dpa
Die Polizei war in der gesamten Essener Innenstadt im Großeinsatz. Die Beamten mahnten die Bevölkerung zur Vorsicht. „Sollten Sie eine verdächtige Person bemerken, sprechen Sie sie nicht an! Rufen Sie umgehend die 110 an. Derzeit kann eine Bewaffnung der Täter nicht ausgeschlossen werden“, schrieb die Polizei auf der Online-Plattform X.
Verdächtiger Fund stellt sich als Handgranaten-Attrappe heraus
Außerdem untersuchten die Ermittler einen möglichen Sprengstoff-Fund ganz in der Nähe. Ein Zeuge habe den Hinweis auf einen Gegenstand gegeben, der wie eine Handgranate aussehe, sagte eine Polizeisprecherin.
Ein Entschärfer-Team des Landeskriminalamts rückte an. Doch die Experten konnten schnell Entwarnung geben: Die Handgranate war eine Attrappe aus Holz. Wer sie abgelegt hatte und ob es eine Verbindung zu der Gefangenenbefreiung gibt, blieb zunächst unklar.
Belebter Platz in der Innenstadt
Die Justizbeamten sollten den 34-jährigen Gefangenen am Mittwochmittag aus der Justizvollzugsanstalt Essen zu der Arztpraxis am Kennedyplatz mitten in der Innenstadt bringen. Dort sei es dann gegen 12.45 Uhr zu der Befreiungsaktion gekommen, sagte eine Polizeisprecherin.
Nach dpa-Informationen überfielen die maskierten Angreifer die Beamten im Hausflur des Arztes. Nach ersten Ermittlungen kam es zu einer Rangelei, bei der einer der Beamten seine Waffe gezogen habe. Sie sei ihm aber aus der Hand geschlagen worden.
Der Kennedyplatz ist der größte Platz in der Essener Innenstadt. Er ist umgeben von zahlreichen Restaurants und Cafés, regelmäßig finden dort Märkte und große Veranstaltungen statt. Auch zahlreiche Arztpraxen sind rund um den Platz angesiedelt. (dpa)