Hitze und Dürre und nun Waldbrände müssen die Politik wachrütteln, sagt Rundschau-Chefredakteur Jens Meifert.

Hitze und WaldbrändeDieser Sommer muss etwas verändern

Rauch eines Waldbrands steigt über dem Hürtgenwald auf.
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Dieser Sommer ist anders. Er ist nicht einfach nur sehr heiß und sehr trocken, nicht einfach nur lästig in seinen Extremen. Dieser Sommer ist lebensgefährlich. Das haben die Menschen am Freitag in der Eifel erfahren, die fluchtartig vor den Waldbränden fliehen mussten. Wie vor fünf Jahren die Wassermassen sind es nun die Flammen, die Leben und Existenzen zu zerstören drohen. Die Gefahren dieses Sommers haben am gleichen Tag und in den Wochen zuvor vor allem ältere Menschen erfahren, die durch Temperaturen von fast 40 Grad an ihre Grenzen gekommen sind. Die dramatisch gestiegenen Zahlen der Hitzetoten beschreiben die Gefahren der Hitze. Dieser Sommer muss etwas verändern.
Wälder brennen nicht von alleine. Auch nicht bei 38 Grad und Wochen ohne Regen. In der Regel ist es der Mensch, der durch Unachtsamkeit oder Brandstiftung das Feuer verursacht. So war es in Spanien und Südfrankreich, Vieles spricht dafür, dass es auch in der Eifel keine natürliche Brandursache gab. Was sich nach wochenlanger Trockenheit dramatisch verändert, sind die Auswirkungen. Eine Zigarettenkippe kann Dörfer und viele Menschen in Gefahr bringen. In anderen deutschen Regionen, in Brandenburg etwa, haben die Brände schon in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nun auch die Eifel.

In der Kölner Messe stelle die Stadt Köln Ende Juni Feldbetten und medizinisches Material bereit.
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Bislang sah man wenig Minister mit hochgekrempelten Ärmeln über verbrannte Waldflächen laufen, mit Bauern und Förstern sprechen oder mit Menschen in nicht klimatisierten Seniorenzentren. Die Hitze ist auch 2026 ein Randthema geblieben. Aber viele Menschen sorgen sich inzwischen um die Auswirkungen des Klimawandels. Viele fragen sich im Wortsinn, wie sie durch den Sommer kommen sollen. Mit diesen Sorgen sollten die Menschen nicht alleingelassen werden.
Die Berliner Politik hat bislang trotzig auf das Sondervermögen verwiesen, mit dem Kommunen doch bitte Schulen, Kitas, Pflegeheime, Kliniken und Seniorenzentren klimatisieren sollen. Sie können natürlich auch Radwege oder Spielplätze bauen von den insgesamt 100 Milliarden Euro der Länder. Wie es euch gefällt. Das verschiebt die Verantwortung - diese Haltung wird sich nicht durchhalten lassen. Der Hitzeschutz muss ein Thema fürs ganze Land werden. Und das heißt: Politik muss entscheiden, auf welcher Ebene am besten geholfen werden kann.
Auch in den Städten und Gemeinden hat es Extremlagen gegeben. In Köln waren Ende Juni aufgrund der Temperaturen von rund 40 Grad die Notaufnahmen der Kliniken überlastet. Die Stadt richtete ein Kältezentrum in der Messe ein. Das wird nicht die Regel bleiben, aber es muss Pläne für solche Notfälle geben. Es müssen dezentrale Anlaufstellen für Ältere, Schwangere, schwächere Menschen her, es braucht Netzwerke, auf die die Menschen zugreifen können. Es ist erschütternd, wenn Feuerwehrleute Dachwohnungen aufbrechen müssen, um einsame und zurückgelassene Menschen zu befreien.
Auch die Helfer brauchen übrigens Entlastung: Notärzte, Pfleger und, wie nun in der Eifel, Feuerwehrleute kommen ebenfalls an ihre Grenze. Sie aber sind es, die dafür sorgen, dass es in Ausnahmesituationen Hilfen gibt. Sie zu unterstützen, ist eine Aufgabe für alle.