Hohe Verluste bei Awdijiwka„Größter Panzerangriff des Krieges“ endet für Russland im Fiasko

Lesezeit 4 Minuten
Ukrainische Soldaten der 71. Jägerbrigade feuern eine Haubitze M101 auf russische Stellungen an der Frontlinie. (Symbolbild)

Ukrainische Soldaten der 71. Jägerbrigade feuern eine Haubitze M101 auf russische Stellungen an der Frontlinie. (Symbolbild)

Übereinstimmenden Berichten zufolge verlor ein russisches Panzerregiment rund ein Drittel seiner Fahrzeuge.

Die russische Armee hat am Wochenende einen der möglicherweise größten Panzerangriffe im inzwischen 25 Monate andauernden Krieg gegen die Ukraine durchgeführt. Dies berichten unter anderem das US-Magazin „Forbes“ und das Centre for Defence Strategies unter Berufung auf ukrainische Quellen und ausgewertete Aufnahmen. „Die russische Armee hat gerade den größten Panzerangriff des Krieges gestartet“, titelte Forbes.

Laut dem Wirtschaftsmagazin habe Russland dabei ein „Panzermassaker“ erlebt. Die russische Armee habe ein Drittel ihrer Panzer auf einer Straße westlich der Ruinen von Awdijiwka in der Ostukraine zurückgelassen.

Fiasko für Wladimir Putin: Russland verliert zahlreiche Panzer bei Awdijiwka

Die russische Kolonne, Teil des 6. Panzerregiments, sei von der 25. ukrainischen Brigade entdeckt und angegriffen worden. Demnach seien von den 48 russischen Fahrzeugen (36 Panzer und zwölf BMP-Kampffahrzeuge) ein erheblicher Teil außer Gefecht gesetzt worden. Die Berichte decken sich mit denen von Militärbloggern. „Zwölf Panzer und acht Schützenpanzer wurden abgeschossen“, schrieb der Blogger „Kriegsforscher“, ein Drohnenpilot der 36. ukrainischen Marinebrigade. „Völliger Wahnsinn“, urteilte er. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, Russland hat sich zu den Verlusten bislang nicht öffentlich geäußert. 

Dass die russische Armee wieder vermehrt gepanzerte Fahrzeuge in die Region um Awdijiwka bringt, war nicht unentdeckt geblieben. „In Richtung Awdijiwka hat der Feind wieder gepanzerte Fahrzeuge, darunter auch Panzer, eingesetzt“, stellte das ukrainische Zentrum für Verteidigungsstrategien bereits am Freitag fest – einen Tag vor dem „Panzermassaker“.

Awdijiwka bleibt hart umkämpft

„Manchmal ist es erstaunlich, wie viel dummes, geistloses ... Fleisch durch den Ehrgeiz eines kleinen [Mannes] bündelweise stirbt“, zitiert Forbes in seinem Bericht die 25. Brigade der ukrainischen Luftangriffstruppen in einem Social-Media-Post nach der Schlacht am westlichen Stadtrand von Awdijiwka. Gemeint ist damit der russische Staatschef Wladimir Putin.

Bereits seit Monaten gibt es Gefechte rund um Awdijiwka, das im Februar von russischen Truppen eingenommen wurde. Die Verluste, vor allem auf russischer Seite, waren dabei enorm. Der Ukraine fällt es unter anderem aufgrund von Munitionsmangel allerdings immer schwerer, Erfolge wie jenen vom Samstag zu erzielen.

Neue russische Angriffe in der Ostukraine

Russische Truppen haben in der vergangenen Woche den Druck auf die Verteidiger der Ostukraine erhöht. Dabei stand neben Awdijiwka auch das Gebiet rund um Bachmut im Mittelpunkt schwerer Kämpfe, wie der Generalstab in Kiew in seinem täglichen Lagebericht am Donnerstag mitteilte. Entlang der gesamten Frontlinien vom Süden bis zu den östlichen Teilen der Ukraine seien insgesamt dutzende Gefechte aufgeflammt.

Die russische Armee konnte jüngst wichtige Geländegewinne im Osten der Ukraine vermelden, darunter mehrere Orte nahe der strategisch wichtigen Stadt Tschassiw Jar. Auch westlich von Awdijiwka können die Russen laut Einschätzung britischer Experten weiterhin schrittweise vorstoßen, wie aus dem täglichen Geheimdienstbericht des Verteidigungsministeriums in London am Samstag hervorging.

Trotz zahlreicher anhaltender Angriffe an anderen Stellen der Frontlinie schätzen die Briten die russischen Fortschritte in den vergangenen Wochen als gering ein. Auf die weiterhin hohen Verlusten hat Wladimir Putin am Osterwochenende mit einem bereits seit längerer Zeit erwarteten Schritt reagiert.

Der russische Staatschef kündigte eine neue Rekrutierungswelle an. Russland zieht von diesem Montag (1. April) an wie immer im Frühjahr rund 150.000 Wehrpflichtige zum Grundwehrdienst ein. Ein entsprechender Erlass von Kremlchef Wladimir Putin wurde am Sonntag in Moskau veröffentlicht.

Wladimir Putin lässt 150.000 Wehrdienstpflichtige einziehen

Moskau werde so wohl auch weiterhin Verluste bei seinen Soldaten ausgleichen und seine Angriffe in dem Abnutzungskrieg gegen die Ukraine fortsetzen können, hieß es einer auf X (vormals Twitter) verbreiteten Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bat angesichts des Vordringens der russischen Armee erneut um Hilfe. Er rechnet mit einer Offensive im Frühsommer. „Wir brauchen Hilfe jetzt“, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des US-Senders CBS. Das ukrainische Militär habe zwar in diesem Winter dem Druck der Angreifer standgehalten, sei nach mehr als zwei Jahren Verteidigungskrieg aber am Ende seiner Möglichkeiten angelangt.

Rundschau abonnieren