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Angriff auf Kölns Partnerstadt DniproDie Hoffnung auf Überlebende wird immer kleiner

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Das zerstörte Wohnhaus in Dnipro

Das zerstörte Wohnhaus in Dnipro

Nach der Zerstörung eines Wohnhauses in Kölns ukrainischer Partnerstadt Dnipro suchen die Helfer weiter nach Opfern. Doch viel Hoffnung bleibt nicht mehr.

Als am 14. Januar eine russische Rakete das Wohnhaus in Dnipro traf, waren die meisten Bewohner zu Hause. Es war Wochenende, und   in der Ukraine herrschen zurzeit eisige Temperaturen. Das neunstöckige Gebäude fiel in sich zusammen, 40 Zivilisten starben, etwa 80 von ihnen wurden verletzt. Darunter 14 Kinder. Rund 200 Wohnungen wurden zerstört, etwa 20 Personen werden noch vermisst.

dpatopbilder - 15.01.2023, Ukraine, Dnipro: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer und suchen nach Menschen in dem Wohnblock, der von einer Rakete getroffen wurde, die von den russischen Besatzern während eines massiven Raketenangriffs auf die Ukraine am Samstag, den 14. Januar in Dnipro in der Zentralukraine abgefeuert wurde.

Dnipro: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer und suchen nach Menschen in dem Wohnblock, der von einer Rakete getroffen wurde

Doch die Zahl mag weiter nach oben steigen, sagt Nataliya Chernyshova. Bei vielen Verletzten sei der Zustand kritisch. Chernyshova lebt und arbeitet in Dnipro, ist unter anderem ehrenamtlich für eine Opferhilfe-Initiative tätig. „Die Stadt steht unter Schock“, sagt sie. Dennoch seien nicht nur offizielle Stellen, sondern auch viele Freiwillige im Einsatz, um die Überlebenden mit einer Unterbringung, Essen und Kleider zu versorgen.

„Wir sind eine Großstadt mit gut einer Million Einwohnern“, erklärt der Bürgermeister von Kölns Partnerstadt, Borys Filatov. „Aber trotzdem helfen wir uns gegenseitig. Eine Menge Menschen haben Freunde und Verwandte in der unmittelbaren Umgebung, sie alle sind gekommen um zu helfen.“ Noch immer sind Rettungskräfte und städtische Mitarbeiter damit beschäftigt, die Trümmer des zerstörten Hauses zu durchsuchen, auch wenn die Hoffnung auf Überlebende weiter schwindet.

Das öffentliche Leben geht weiter

Der Großteil des Hauses ist mittlerweile abgetragen. Zelte wurden aufgestellt, um Opfer und Helfer mit etwas Wärme, Getränken und Essen zu versorgen. Man werde sich aber nicht unterkriegen lassen: Das öffentliche Leben gehe weiter, auch wenn die mittlerweile obligatorischen Phasen der Stromabschaltung einen geregelten Ablauf immer schwieriger machten, sagt Nataliya Chernyshova. Auch das Arbeitsleben gehe soweit möglich weiter seinen Gang.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den tödlichen Angriff auf ein Wohnhaus in Dnipro inzwischen als „Kriegsverbrechen“ angeprangert. Nach UN-Angaben war es einer der Angriffe mit den meisten Toten in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion.

Unterdessen hat Olexij Arestowytsch, ein externer Berater der ukrainischen Präsidentenbüros, seinen Job gekündigt. Er hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er als mögliche Ursache für den Einschlag die ukrainische Flugabwehr genannt hatte. Die ukrainische Luftwaffe wies diese Darstellung umgehend zurück.

Die russische Angriffswelle richtete sich insbesondere gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Neben Dnipro waren unter anderem auch Kiew, Lwiw (Lemberg) und Charkiw im Osten schwer betroffen. (mit dpa)