Berlin – Die Karte zeigt tiefrote Flächen in Ostdeutschland, auch im Westen der Republik sind viele Regionen noch mit schwerer oder gar extremer Dürre gekennzeichnet: In der Bodenschicht bis 1,8 Meter Tiefe ist viel zu wenig Wasser vorhanden – auch jetzt noch, zum Winteranfang. Andreas Marx, wissenschaftlicher Koordinator am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), kennt die Daten des Dürremonitors für Deutschland wie kein anderer.
Er sagt: „Nach dem Dürrejahr 2018 und dem sehr trockenen Frühjahr und Sommer 2019 haben sich die Böden in weiten Teilen Deutschlands noch nicht erholen können.“Das betrifft den Daten zufolge die meisten Regionen in Ostdeutschland aber auch große Gebiete in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz. Doch trotz der angespannten Lage geben die jüngsten Modelle Grund zu Optimismus.
2018 und 2019 waren die heißesten Jahre seit der Wetteraufzeichnung
Seit September seien die Niederschlagsmengen ausreichend, um die Bodenwasservorräte aufzufüllen, sagt der Forscher. „Wenn es bis zum Frühjahr so weitergeht, rechnen wir 2020 nicht mehr mit Dürre in den Böden und mit steigenden Grundwasserständen“, so Marx.Vor einigen Monaten sah das noch anders aus. 2018 ging als eines der heißesten Jahre seit der Wetteraufzeichnung in die Geschichte ein, es herrschte anhaltende Trockenheit, eine schwere Dürre war die Folge. In 2019 verschärfte sich die Lage.
Im vergangenen September gab der Deutsche Wetterdienst eine vorläufige Bilanz des Sommers 2019 heraus. Mit rund 175 Litern pro Quadratmeter war die Niederschlagsmenge im bundesweiten Schnitt um 27 Prozent geringer als der Sollwert von 239 Litern. Hinzu kam die Hitze: Vom 24. bis zum 26. Juli 2019 war es in Deutschland jeden Tag heißer als 40 Grad, erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen vor fast 140 Jahren überschritten die Temperaturen die Marke von 42 Grad.
Langfristig nehmen Hitze, Trockenheit und Dürre zu
Mit einer Durchschnittstemperatur von 19,2 Grad wurde der Sommer 2019 zum drittwärmsten überhaupt, übertroffen nur von den Sommern 2003 (19,7 Grad) und 2018 (19,3 Grad).Klimaexperte Marx sieht die größten Probleme im Forst. „Die Schäden in den Wäldern können nicht kurzfristig beseitigt werden“, sagt er. Dafür seien zu viele Jungbäume abgestorben und zu viele alte Bäume wegen der Trockenheit von Schädlingen vernichtet worden. „Hilfsgelder von 500 Millionen Euro reichen dafür nicht aus, vielmehr müsste der Forstbereich personell besser ausgestattet werden“, so Marx.
Auch wenn Wetterphänomene nicht sofort Rückschlüsse auf ein sich wandelndes Klima zulassen, ist der langfristige Trend klar: Hitze, Trockenheit und Dürre nehmen infolge einer sich aufheizenden Erde zu. Auch in Deutschland. Der Helmholtz-Forscher mahnt deswegen mehr Anstrengungen beim Klimaschutz an: „Wenn es lediglich bei den Klimaschutzmaßnahmen bleibt, die die Nationalstaaten im Paris-Abkommen zugesagt haben, wird sich die Erde nicht wie erhofft um 1,5 Grad erhitzen sondern um drei Grad“, sagt Marx.
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Komme es dazu, würden die Dürren in Deutschland um 50 Prozent häufiger auftreten und länger andauern. „Das bedeutet, dass künftig in einem Viertel des Jahres Trockenheit herrschen würde. In Ländern, die ans Mittelmeer grenzen, käme es sogar zu einer Verdreifachung der Dauer von Dürren“, so der Forscher.Für die Wasserversorgung in Deutschland kann das dramatische Konsequenzen haben. „Gerät die Landwirtschaftsproduktion in Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland wegen des Klimawandels in Gefahr, erhöht das die Chancen, aber auch den Druck auf den deutschen Agrarsektor“, sagt Marx.
Heute nicht lukrative Bewässerung könnte sich dann finanziell lohnen. Bislang greifen Bauern für die Bewässerung ihrer Felder zu 85 Prozent auf Grundwasser zurück. Die Folge: „Private Haushalte und Landwirte würden deutlich stärker als bisher um Wasser konkurrieren, auch die Trinkwasserversorgung könnte dann an Kapazitätsgrenzen stoßen“, sagt Marx. Komme es hingegen zu einer Erwärmung um "nur" 1,5 Grad, wie es das Paris-Abkommen als Ziel definiert hat, wären Dürren um ein Vielfaches weniger wahrscheinlich und die Anpassung an die veränderten Bedingungen deutlich leichter, bilanziert der Helmholtz-Experte.



