Die Flusspegel sinken, den Bauern drohen massive Ernteausfälle. Die Politik gerät zunehmend unter Druck.
Ernte verbrennt - Minister Rainer will Bauern helfen

27.11.2025, Berlin: Alois Rainer (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, spricht während der Vorstellung des «Ernährungsreports 2025». Die jährliche Umfrage im Auftrag des Ministeriums stellt Essgewohnheiten und Aspekte des Einkaufsverhaltens von Verbraucherinnen und Verbrauchern dar. Foto: Elisa Schu/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Bundesernährungsminister Alois Rainer hat sich besorgt über die Folgen der anhaltenden Trockenheit gezeigt. Diese setze viele landwirtschaftliche Betriebe bereits erheblich unter Druck. „Hinter verdorrten Feldern und knappen Futtervorräten stehen Familien, die um ihre Ernte, die Versorgung ihrer Tiere und die Zukunft ihrer Höfe bangen“, sagte der CSU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Rainer kündigte an, Hilfen für die betroffenen Bauern zu prüfen. „Wie groß das Schadensausmaß tatsächlich sein wird, werden wir Ende August auf Grundlage der amtlichen Erntedaten belastbar bewerten und gemeinsam mit den Ländern die notwendigen Schritte auf den Weg bringen.“
"Das könnte bis zum totalen Ernteausfall gehen", warnt der Bauernpräsident
Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte schnelle Hilfen für die Branche gefordert - etwa, von der EU geplante Düngemittelbeihilfen von 60 Millionen Euro national auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Bei den Direktzahlungen der EU-Agrarfinanzierung sollten 80 Prozent von Dezember auf Oktober vorgezogen werden. Zudem brauche es eine Senkung der Dieselsteuern bis Ende November. Zu Jahresbeginn waren für die Landwirtschaft bereits Steuerentlastungen beim Agrardiesel und bei den Stromkosten in Kraft getreten.
Rukwied erwartet erhebliche Ertragseinbußen. Das gelte für Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen. „In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Es werde zum Problem, dass kein Futter mehr nachwachse. Vereinzelt gehen Höfe im Süden bereits dazu über, Tiere früher als geplant zu schlachten.
In den Flüssen spitzte sich die Lage weiter zu. Der Rhein-Pegel sank in Köln am Freitag auf 51 Zentimeter; bis Sonntag prognostizierte die zuständige Bundesbehörde einen Rückgang auf 44 Zentimeter. Das Krisenmanagement von Bund und Ländern stößt auf wachsende Kritik. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warf Bund und Ländern mangelnde Vorbereitung auf Niedrigwassern vor. Zwar seien Reaktionen wie eine Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen durchaus richtig, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Allerdings wäre es gut, wenn man auf solche Situationen vorbereitet wäre, anstatt ad hoc Notmaßnahmen zu diskutieren.“ Diese Auswirkungen des Klimawandels seien vorhersehbar. Politik mache keinen guten Eindruck, wenn sie sich von Krise zu Krise hangele.
Niedrigwasser: Wirtschaftsweise Grimm sagt höhere Preise voraus
Grimm rief dazu auf, systematisch Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. In Flüssen könnten Vertiefungen an einzelnen Stellen der Fahrrinnen angezeigt sein, „aber eine Vertiefung schafft ja kein zusätzliches Wasser“, stellte sie fest. „Die Politik sollte daher auch Pläne zur Priorisierung von Transporten ausarbeiten.“
Die Nürnberger Ökonomin warnte vor steigenden Preisen durch die niedrigen Pegelstände. „Bei ineffizienter Rationierung kann Niedrigwasser die Preise auch unnötig in die Höhe treiben“, sagte sie. „In der Chemie gibt es Effekte, auch im Energiemarkt. Der Transport von Öl zu Raffinerien ist von den niedrigen Pegelständen betroffen.“ Die Preise würden bei verschiedenen Grundstoffen reagieren. „Wie stark, hängt davon ab, welche Lagerkapazitäten von den Unternehmen jeweils aufgebaut wurden.“
