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Evangelische KircheEklat um die Aufarbeitung von Missbrauch

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Die 25-jährige Anna-Nicole Heinrich, neue Präses der EKD.

Hannover – Es sollte ein Weg sein, Missbrauchsbetroffene an der Aufarbeitung zu beteiligen. Doch am Montagabend hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Arbeit ihres Betroffenenbeirats ausgesetzt.

Die bisherige Konzeption des Gremiums sei gescheitert, heißt es in einer Pressemitteilung. „Das ist für alle Beteiligten äußert schmerzlich“, sagte der Sprecher des Beauftragtenrats, Braunschweigs Landesbischof Christoph Meyns. Während der Beauftragtenrat aus Bischöfen und Leitenden Juristen der Landeskirchen besteht, gehörten dem Betroffenenrat insgesamt zwölf Menschen an, die selbst von Missbrauch betroffen waren. Von ihnen traten seit März 2020 insgesamt fünf aus dem Gremium zurück.

Streit um die Ursachen

Während die EKD vor allem interne Streitigkeiten in dem Gremium als Ursache für dessen Scheitern nennt, machen Betroffene auf vielschichtigere Gründe aufmerksam. „Uns war sehr schnell sehr unklar, was die EKD eigentlich mit uns vorhat“, sagte das frühere Ratsmitglied Nikolai Blanck. „In unterschiedlicher Deutlichkeit hatten wir recht früh den Eindruck, dass konkrete Ziele und eine dahinter liegende Vision, was die Aufarbeitung des Missbrauchs angeht, auf der Ebene des Beauftragtenrates fehlten.“

Blanck äußerte sich auf einer Pressekonferenz mit weiteren, der Kirche eher nahestehenden Mitgliedern des Beirats. „Die EKD muss sehr viel mehr in ihren Umgang mit Betroffenen und mit Missbrauch investieren“, sagte Blanck. „Sie hat die Zeichen der Zeit, die Austritte und den Glaubwürdigkeitsverlust, noch immer nicht erkannt.“ Hinter dem Elf-Punkte-Plan der EKD zum Umgang mit dem sexuellen Missbrauch stehe keine Vision und keine Strategie.

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Das frühere Beiratsmitglied Matthias Schwarz aus Hessen erklärte, er würde sich sehr freuen, „wenn die neue Präses Anna-Nicole Heinrich das Thema zu ihrem Thema machen und es zu einem Gespräch mit ihr kommen würde.“ Vier weitere Angehörige des Betroffenenbeirats, Detlev Zander, Katharina Kracht, Henning Stein und ein anonym bleibendes Mitglied mit dem Pseudonym NKD wandten sich in einer Presseerklärung dagegen gegen die Auflösung des Gremiums. Die Mitglieder des Rates hätten sich entgegen der Äußerungen der EKD mehrheitlich für eine Fortsetzung der Arbeit ausgesprochen.

Forderung von Betroffenen ignoriert

Die bisherige Beirätin Katharina Kracht erklärte der Rundschau, Forderungen der Betroffenen etwa nach professioneller juristischer Beratung seien „im wesentlichen ignoriert“ worden: „Wir wurden zu keinem Zeitpunkt befragt, was wir denn als notwendige Ausstattung und Begleitung unserer Arbeit sehen.“ Zudem habe man Kracht zufolge vergeblich um einen ausführlichen Bericht des mittlerweile von Meyns geführten Beauftragtenrates und um ein professionelles Projektmanagement gebeten. Überdies habe die EKD geplant, ohne Ausschreibung Wissenschaftler mit einer „Evaluation“ zu beauftragen, von deren Ergebnis die Zugehörigkeit im Betroffenenbeirat abhängig sein solle. Das sei schon rein forschungsethisch nicht akzeptabel, so Kracht: Eine „Beforschung“ müsse freiwillig sein, und den Betroffenen dürften dadurch keine Nachteile drohen.