Die US-Regierung bekräftigt ihren Anspruch auf Grönland, sendet aber widersprüchliche Signale. Bei den Republikanern wird derweil Kritik laut.
„Schäme mich, Amerikaner zu sein“USA drohen mit Militäreinsatz – Trump bekommt Gegenwind für „Grönland-Bullshit“

Dänische Streitkräfte nehmen an einer Übung mit Hunderten Soldaten aus mehreren europäischen NATO-Mitgliedsstaaten im Arktischen Ozean vor Nuuk teil. Die US-Regierung hat nun mit einem Militäreinsatz in Grönland gedroht. (Archivbild)
Copyright: Ebrahim Noroozi/AP/dpa
Die US-Regierung um Präsident Donald Trump hat ihren Anspruch auf Grönland erneut bekräftigt, dabei jedoch widersprüchliche Signale gesendet. Nach Angaben von Regierungssprecherin Karoline Leavitt erwägt Trump derzeit mehrere Optionen, um die von ihm angestrebte Übernahme der dänischen Insel zu erreichen.
„Der Präsident und sein Team diskutieren derzeit eine Reihe von Möglichkeiten, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und natürlich ist für den Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs immer eine Option“, erklärte Leavitt am Dienstag in einer Stellungnahme.
Donald Trump will Grönland: US-Regierung schließt Militäreinsatz nicht aus
Der US-Präsident habe „öffentlich klargestellt, dass der Erwerb Grönlands eine Priorität für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ist und dies entscheidend ist, um unsere Gegner in der Arktis abzuschrecken“, hieß es weiter von Leavitt.
Trump hatte am Sonntag den US-Anspruch auf das zu Dänemark gehörende Grönland bekräftigt: „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein“, sagte er an Bord des Präsidentenflugzeugs Air Force One und fügte hinzu: „Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.“
US-Außenminister spricht von Kaufabsicht
Anders hat sich derweil offenbar US-Außenminister Marco Rubio geäußert. In einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten habe Rubio erklärt, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die US-Pläne haben in Dänemark und Europa für deutliche Reaktionen gesorgt. Nach Trumps Drohungen mit einer möglichen Annexion Grönlands durch die USA haben europäische Staaten Dänemark am Dienstag ihre Solidarität zugesichert.
Europäer sichern Dänemark ihre Solidarität zu
Die Souveränität sowie Unverletzlichkeit der Grenzen seien „allgemein geltende Prinzipien, wir werden nicht aufhören, sie zu verteidigen“, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Staatenlenker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte, ein US-Angriff auf Grönland würde das Ende der Nato besiegeln.
Die Erklärung wurde neben Merz und Frederiksen vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie den Regierungschefs von Großbritannien, Polen, Italien und Spanien, Keir Starmer, Donald Tusk, Giorgia Meloni und Pedro Sánchez, unterzeichnet. Sie betonten auch: „Grönland gehört seinem Volk. Es ist an Dänemark und Grönland, und nur an ihnen, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“
Scharfe Kritik an Donald Trumps Grönland-Kurs
Dass die US-Regierung Anspruch auf Grönland erhebt, sorgt unterdessen auch in den USA für scharfe Kritik an Trump und seinem Kabinett. Mitunter kommt der Gegenwind für den US-Präsidenten auch aus der eigenen Partei.
„Es ist peinlich für die USA, dass diese Erklärung überhaupt abgegeben werden muss“, schrieb etwa der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon auf der Plattform X mit Blick auf die gemeinsame Stellungnahme der Europäer.
Gegenwind für Donald Trump: „Russland und China lieben es“
„Unsere Verbündeten zu verunglimpfen, bringt nichts und hat keine Vorteile. Es schwächt uns, indem es das Vertrauen zwischen Freunden mindert, und Russland und China lieben es“, führte Bacon aus, der Trumps Außenpolitik bereits mehrfach kritisiert hat. „Also hört mit diesem dummen ‚Wir wollen Grönland‘-Bullshit auf“, fügte der Republikaner hinzu. „Grönland entscheidet über seine Zukunft, stoppt diesen Unsinn“, hieß es zudem in einem weiteren Beitrag Bacons.
„Ich hoffe weiterhin, dass die Rhetorik der Regierung in Bezug auf Grönland nichts weiter als eine Vorstufe für eine neue Ära der Zusammenarbeit ist, denn jeder Versuch, das Gebiet mit Gewalt zu beanspruchen oder zu erobern, würde sowohl unsere nationale Sicherheit als auch unsere internationalen Beziehungen beeinträchtigen“, schrieb am Mittwoch (7. Januar) auch die republikanische Senatorin Lisa Murkowski bei X. Grönland müsse als „Verbündeter und nicht als Vermögenswert“ betrachtet werden, forderte Murkowski.
„USA müssen territoriale Integrität Dänemarks respektieren“
Auch über die Parteigrenzen hinweg wird scharfe Kritik an der US-Regierung geäußert. So gaben der republikanische Senator Thom Tillis und seine demokratische Kollegin Jeanne Shaheen am Dienstag eine gemeinsame Erklärung ab und forderten die US-Regierung darin auf, die „Souveränität und territoriale Integrität“ Dänemarks zu respektieren.
„Wenn Dänemark und Grönland klarstellen, dass Grönland nicht zum Verkauf steht, müssen die Vereinigten Staaten ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen und die Souveränität und territoriale Integrität des Königreichs Dänemark respektieren“, hieß es von Tillis und Shaheen.
Entsetzen über Donald Trump: „Ich schäme mich“
„Wenn Sie das Gefühl haben, den Verstand zu verlieren, weil diese Regierung mit der Idee einer Invasion Grönlands spielt, dann sind Sie nicht allein“, schrieb derweil die demokratische Senatorin Patty Murray. „Um es ganz klar zu sagen: Amerika wird keinen Nato-Verbündeten angreifen. Meine republikanischen Kollegen müssen sich mir anschließen und dies unmissverständlich klarstellen“, forderte Murray noch mehr parteiinternen Gegenwind für die US-Regierung.
Auch amerikanische Diplomaten wie der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul, zeigten sich angesichts der Bestrebungen der US-Regierung beschämt. „Nichts ist krimineller, als mit einer Invasion Grönlands zu drohen, um Dänemark dazu zu bringen, uns Grönland zu verkaufen“, schrieb McFaul am Mittwoch bei X. „Ich schäme mich gerade, Amerikaner zu sein. Hoffentlich geht dieser verrückte Moment unserer Geschichte bald vorbei.“


