Erneut kommt es im Iran zu Protesten – und zu brutaler Gewalt der Sicherheitskräfte. Donald Trump mischt sich mit deutlichen Worten ein.
„Wir sind einsatzbereit“Trump droht dem Iran – Teheran spricht von „roter Linie“

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran wegen Gewalt gegen Demonstranten gedroht. (Archivbild)
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US-Präsident Donald Trump hat den Teilnehmern der Proteste gegen die autoritäre Staatsführung im Iran seine Unterstützung zugesagt. Wenn der Iran friedliche Demonstranten töte, „werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen“, schrieb der Republikaner auf seiner Online-Plattform Truth Social. Was er konkret vorhat, ließ der US-Präsident offen, der das Töten von Demonstranten als „Gewohnheit“ des Irans bezeichnete. „Wir sind bereit und einsatzbereit“, fügte Trump seinem Beitrag hinzu.
Eine Reaktion aus dem Iran folgte prompt. „Wir unterscheiden zwischen der Haltung der protestierenden Ladenbesitzer und den Aktionen störender Akteure, und Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde“, schrieb Ali Laridschani, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, auf der Plattform X.
Donald Trump droht Teheran – Iran reagiert sofort
Ali Schamchani, ein enger Berater des Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei, warnte ebenfalls auf X, die nationale Sicherheit des Irans sei eine „rote Linie“. Jede eingreifende Hand, die sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde „abgeschnitten“, drohte Schamchani.
Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste im Iran durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan gingen vor allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten.
Schwere Aussschreitungen im Iran
Im Westen des Landes gab es am Donnerstag schwere Ausschreitungen. Mehrere Menschen kamen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften ums Leben. Bei der Erstürmung einer Polizeistation durch Demonstranten in der Stadt Azna in der westiranischen Provinz Lorestan sind mindestens drei Menschen getötet und 17 weitere verletzt worden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Fars berichtete.
Laut Fars kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, bei denen Steine auf die Einsatzkräfte geworfen und Autos in Brand gesetzt wurden. Die Nachrichtenagentur behauptete zudem, die Polizei habe später bei einigen Personen Schusswaffen beschlagnahmt – Beweise dafür legte Fars nicht vor.

Ein Screenshot zeigt Demonstranten nahe einem Regierungsgebäude in Fasa im Süden des Irans.
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Der erste bekannte Todesfall im Zusammenhang mit den Protesten ereignete sich am Mittwochabend, als in der Stadt Kuhdasht in der Provinz Lorestan ein Mitglied der iranischen Basij-Miliz getötet und 13 weitere verletzt wurden, wie staatliche Medien berichteten. Die Miliz wird vom Teheraner Regime regelmäßig zur Niederschlagung von Protesten eingesetzt.
Größte Protestwelle im Iran seit Aufstand im Jahr 2022
Die USA gelten seit der islamischen Revolution von 1979 als Erzfeind der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten beide Länder nicht. Im Juni 2025 hatte sich das US-Militär Israels Krieg gegen den Iran angeschlossen und dort zentrale Atomanlagen bombardiert.
Die nun aufflammenden Proteste sind derweil die größten seit dem landesweiten Aufstand im Jahr 2022. Damals hatte der Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam eine Protestwelle ausgelöst. Die iranischen Behörden hatte die 22-Jährige zuvor festgenommen und ihr das „unsachgemäße Tragen“ ihres Kopftuchs vorgeworfen.
Bei den auf Aminis Tod folgenden Protesten gingen iranische Sicherheitskräfte schließlich brutal gegen Demonstrierende vor – später ließ das Regime einige der Teilnehmer in zweifelhaften Verfahren zum Tode verurteilen und hinrichten.
„Mindestens acht Protestierende wurden in den letzten Tagen getötet“
Menschenrechtsaktivistinnen wie Düzen Tekkal machen auch jetzt wieder auf die brutalen Methoden des iranischen Regimes aufmerksam. „Mindestens acht Protestierende wurden in Iran von Regimekräften in den letzten Tagen getötet“, schrieb Tekkal am Freitag bei X.
Die islamische Republik töte ihre eigene Zivilbevölkerung, hieß es weiter. „Es ist wichtig, dass die Welt endlich nach Iran schaut. Es kommt auf uns alle an, Schallverstärker für die Protestbewegung zu sein. Schweigen und aussitzen ist keine Option.“
Auch Masih Alinejad, eine iranische Menschenrechtsaktivistin, gegen die das Regime in Teheran bereits Attentatsversuche unternommen haben soll, meldete sich ebenfalls zu Wort und berichtete über die Tötung eines iranischen Friseurs, der nach Alinejads Angaben am Donnerstag von „iranischen Sicherheitskräften“ erschossen worden sei.
„Eine Regierung, die sich im Krieg mit ihrem eigenen Volk befindet“
Der 28-jährige Shayan Asadollahi habe „unbewaffnet“ und „friedlich“ demonstriert und habe sich für einen freien Iran eingesetzt, schrieb Alinejad weiter. Das Regime in Teheran sei „eine Regierung, die sich im Krieg mit ihrem eigenen Volk befindet“, fügte die Menschenrechtsaktivistin an. Jedes Land, das dazu schweige, beziehe damit Stellung, so Alinejad.
Die Proteste im Iran scheinen sich unterdessen auch am Freitag fortzusetzen, wie die Berichte des unabhängigen Nachrichtensenders Iran International mit Sitz in London nahelegen. Der Sender veröffentlichte mehrere Videos, die Demonstrationen in verschiedenen Landesteilen zeigen sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht.
Nach Angaben von Iran International forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Protesten den Tod von Ajatollah Ali Khamenei. Auf einem weiteren Video soll zu sehen sein, wie Demonstranten Mitglieder der Basij-Miliz mit Steinen bewerfen, die beim Begräbnis eines bei den Protesten getöteten Mannes aufgetaucht sind. (mit dpa)

