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„Sympathie für AfD und Nazis“JD Vance sorgt mit Holocaust-Gedenkpost für Empörung

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US-Vizepräsident JD Vance bei einer Kundgebung in Washington. (Archivbild)

US-Vizepräsident JD Vance bei einer Kundgebung in Washington. (Archivbild)

JD Vance äußert sich zum Holocaust-Gedenktag und veröffentlicht Fotos aus Dachau. Schnell wird Kritik am US-Vizepräsidenten laut. 

US-Vizepräsident JD Vance hat Donald Trump einst als „Amerikas Hitler“ bezeichnet, mittlerweile will der Republikaner davon nichts mehr wissen – und unterstützt die Politik des US-Präsidenten vehement. Nun muss sich der Vizepräsident allerdings scharfe Kritik gefallen lassen. Auch dieses Mal geht es um die Nazizeit.

Am 27. Januar, am Internationalen Holocaust-Gedenktag, veröffentlichte der Republikaner auf der Social-Media-Plattform X einen Beitrag mit vier Fotos, die ihn beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau zeigen. Für Wirbel sorgte jedoch vor allem der Text, den Vance zusammen mit den Bildern veröffentlicht hat.

JD Vance erwähnt weder Juden noch Nazis in Holocaust-Gedenkpost

„Heute gedenken wir der Millionen Menschen, die während des Holocausts ihr Leben verloren haben, der Millionen Geschichten von individuellem Mut und Heldentum und einer der bleibenden Lehren aus einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte: dass Menschen zwar wunderschöne Dinge schaffen und voller Mitgefühl sind, aber auch zu unaussprechlicher Brutalität fähig sind“, schrieb der US-Vizepräsident, ohne dabei die Begriffe „Juden“ oder „Nazis“ zu erwähnen.

Die Hauptopfer des Holocausts werden bei Vance also genauso wenig benannt wie die nationalsozialistischen Täter. Stattdessen spricht Vance allgemein von „Menschen“ und „Millionen verlorener Leben“. Expertinnen und Experten betonen unterdessen immer wieder die Wichtigkeit einer präzisen Sprache beim Holocaust-Gedenken. Die klare Benennung von Opfern und Tätern gilt als wesentlich für die Aufarbeitung, aber auch als Warnung vor ähnlichen Verbrechen.

„Hinter jedem Namen steht ein Leben, das zählte“

„Hinter jedem Namen steht ein Leben, das zählte“, heißt es etwa bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die weiterhin versucht, die Identität aller im Dritten Reich ermordeten Jüdinnen und Juden aufzudecken. Im vergangenen Jahr wurde bei diesen Bemühungen die Schwelle von fünf Millionen Namen überschritten; die Identität von einer Million ermordeter Juden gilt weiterhin als ungeklärt. Insgesamt wurden rund sechs Millionen jüdische Menschen von den Nazis ermordet.

Scharfe Kritik muss sich Vance nun vor allem von Josh Shapiro, dem jüdischen Gouverneur von Pennsylvania, gefallen lassen. Dass Vance die Opfer des Holocaust nicht benannt habe, sei angesichts Vance’ grundsätzlichem Umgang mit Antisemitismus und Rechtsextremismus „nicht überraschend“, erklärte Shapiro einem Bericht von „NBC News“ zufolge.

Kritik an JD Vance: „Offene Unterstützung der AfD“

„Der Grund, warum wir niemals vergessen wollen, ist, dass wir diese Gräueltat nie wieder erleben müssen“, führte Shapiro aus. „Zum Niemals-Vergessen gehört auch, sicherzustellen, dass die Fakten des Geschehens rezitiert und erinnert werden. Die Tatsache, dass JD Vance sich nicht dazu durchringen konnte, anzuerkennen, dass sechs Millionen Juden von Hitler und den Nazis ermordet wurden, spricht Bände“, hieß es weiter von dem demokratischen Politiker. 

Shapiro sprach bei seiner Attacke auf Vance auch die Unterstützung der Trump-Regierung für die AfD in Deutschland an. „Angesichts seiner offenen Unterstützung der AfD, seiner offenen Sympathie für Neonazis und neonazistische Parteien und der Art und Weise, wie er den Antisemiten der Rechten, die die Republikanische Partei unterwandern, regelrecht Trost gespendet hat, überrascht mich das allerdings nicht“, sagte Shapiro über den US-Vizepräsidenten.

Gegenwind für JD Vance auch auf der Plattform X

Auch auf der Plattform X bekam Vance schnell Gegenwind für seinen Gedenk-Beitrag. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer bemängelten, dass Vance das Wort „Juden“ nicht erwähnt habe. „Sie haben es geschafft, einen ganzen Aufsatz über den Holocaust zu schreiben, ohne die Juden auch nur ein einziges Mal zu erwähnen. Beeindruckend“, hieß es etwa in einem Beitrag. 

„Mit tiefer Bestürzung kritisiere ich Sie, JD Vance, dafür, dass Sie mit Ihrer Politik und Rhetorik genau jene Strömungen des Nationalismus, der Fremdenfeindlichkeit und des spaltenden Hasses fördern, die den Aufstieg des Faschismus und Nationalsozialismus in Europa befeuert haben – Ideologien, denen meine jüdischen Vorfahren und Millionen andere zum Opfer gefallen sind“, schrieb ein anderer Nutzer. 

Vance-Sprecher kontert Kritik: „Heuchlerische Ablenkung“

Vance reagierte unterdessen bisher nicht persönlich auf die Kritik – ließ einen Sprecher jedoch Shapiros Aussagen kontern und setzte dabei auf den von der Trump-Regierung bekannten aggressiven Tonfall. Shapiros Äußerungen seien eine „heuchlerische Ablenkung auf höchstem Niveau“ und „ein fehlgeleiteter Hilferuf eines politischen Leichtgewichts“, erklärte der Sprecher laut „NBC News“. 

Vance ist unterdessen nicht zum ersten Mal für seine Haltung gegenüber Antisemitismus in die Kritik geraten. So weigerte sich der nunmehrige Vizepräsident in der Vergangenheit etwa, den US-Influencer Tucker Carlson zu kritisieren, nachdem dieser mit Darryl Cooper einen Holocaust-Revisionisten interviewt hatte. Laut der „New York Times“ hatte Cooper zuvor etwa behauptet, der Holocaust sei ein „Unfall der Geschichte“ gewesen.

Umgang mit Rechtsextremismus: Vance immer wieder in der Kritik

Zudem hat Vance sich in der Vergangenheit mit dem Holocaust-Leugner Charles Johnson ausgetauscht. Nach Angaben der „Washington Post“ habe sich Vance vor seiner Kandidatur als Vizepräsident ausführlich mit Johnson über eine Vielzahl von Themen in Textnachrichten unterhalten.

Ein Sprecher von Vance hatte den Bericht im Jahr 2024 bestätigt. Der Holocaust-Leugner habe Vance mit seinen Nachrichten „zugespammt“, hieß es damals aus den Reihen des Politikers. Der Republikaner habe lediglich geantwortet, um den Aussagen Johnsons zu widersprechen, erklärte der Sprecher.