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KommentarCorona-Papier katholischer Geistlicher ist Missbrauch von Autorität

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Kirche

Symbolbild

  1. Die Corona-Maßnahmen als Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung: Mehrere kirchliche Würdenträger unterzeichnen ein Schreiben im Stil von Verschwörungstheoretikern.
  2. Die teils hochrangigen Kirchenmänner missbrauchen ihre Autorität. Ein Kommentar von Raimund Neuß

Dicker kann man kaum auftragen. „Die Wahrheit wird euch befreien“ – aus dem Johannesevangelium ist der Titel eines chaotischen Textes entnommen, in dem eine Gruppe meist emeritierter Kardinäle und Bischöfe vor allem eines unternimmt: Halb- und Unwahrheiten zu versammeln. Immer mehr Zweifel werden angeblich an der Corona-Ansteckungsgefahr laut, wirksame Arzneimittel würden geächtet und dafür teure Impfstoffe entwickelt. In der Bevölkerung werde Panik geschürt, in Medien gebe es „eine Art von Zensur“, und das alles mit dem Ziel, eine Weltregierung zu installieren. Wohlgemerkt, eine Weltregierung. An keiner Stelle wird die Kritik an „illiberalen Steuerungsversuchen“ auf einzelne Staaten wie China beschränkt.

Hier geht es nicht ums  Krakeelen bei einer Corona-Demo, sondern für diese Verschwörungstheorie steht mit seiner Unterschrift unter anderem Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der immer noch von seinem Prestige als Ex-Chef der Glaubenskongregation zehrt. Er und die anderen Unterzeichner berufen sich wiederholt auf ihr Hirtenamt. Sie sind nicht einfach eine Gruppe frustrierter Pensionäre, sondern sie missbrauchen ihre geistliche Autorität.

 Dabei ist es legitim, das Ausmaß der Restriktionen in der Corona-Krise in Frage zu stellen, über das Verhältnis von Grundrechten und Infektionsschhutz zu streiten und das Recht zur Teilnahme an Gottesdiensten einzufordern. Zu solchen Fragen haben sich Leute wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble oder Kardinal Rainer Woelki geäußert, ohne dass jemand dies zensiert hätte. Aber wer es mit der Wahrheit so wenig genau nimmt wie die geistlichen Unterzeichner des Corona-Pamphlets, der disqualifiziert  sich als Autor und als Bischof.

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