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Kommentar zur Krankenhaus-ReformJetzt kann Karl Lauterbach seine Fehler wiedergutmachen

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach gestikuliert.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach

Mit seiner Corona-Politik hat Lauterbach viel Vertrauen verspielt. Doch mit der nun bevorstehenden Herkules-Aufgabe hat er die Chance in die Geschichtsbücher einzugehen. 

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat mit seiner Corona-Politik viel Vertrauen verspielt. Er machte Fehler und hat den Zeitpunkt verpasst, seinen Kurs der neuen Corona-Wirklichkeit anzupassen. Doch wenn ihm die Reform der Krankenhausversorgung in Deutschland gelingt, wäre all das vergessen – und ihm ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Die Messlatte hat er selbst nun hochgehängt, indem er nicht weniger als eine Revolution verspricht. Die Vorschläge gehen in die richtige Richtung. Lauterbach wird Zähigkeit beweisen müssen, um daraus neue Gesetze zu machen. An großen Gesundheitsreformen sind schon andere gescheitert.

Richtigerweise wurde das System der Fallpauschale, das Lauterbach selbst einst mit entwickelte, als Grund allen Übels erkannt. Das System ist absurd: Krankenhäuser werden nur für konkrete Behandlungen und Operationen bezahlt. Das ist in etwa so, als würde die Polizei nur dann Geld für ihre Arbeit bekommen, wenn sie zum Einsatz fährt, nicht aber für das Vorhalten ihrer Gebäude und Einsatzkräfte.

Die Folge: In Deutschland wird viel mehr operiert als notwendig, schnell geht vor gründlich, Masse macht Kasse. Die Auswüchse dieser verfehlten Politik machen sich ganz aktuell an den fehlenden Plätzen für Kinder mit Atemwegserkrankungen in den Kliniken bemerkbar. Das Vorhalten größerer Kapazitäten für die kleinen Patienten lohnt sich nicht. Was für ein System!

Es wäre ein entscheidender Schritt, von der Fallpauschale wegzukommen, zurück zur angemessenen Behandlung für jeden. Gleichzeitig dürfen die Kosten nicht weiter explodieren. Nicht jedes Krankenhaus muss jede OP anbieten, aber eine Grundversorgung gewährleisten. Klingt einfach, ist aber eine Herkules-Aufgabe. Und Lauterbachs größte Herausforderung.

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