Das einer altehrwürdigen Nation wie Großbritannien unwürdige Schauspiel hat endlich ein Ende. Premierminister Boris Johnson tritt als Parteichef der konservativen Tories zurück und wird auch das Amt des Regierungschefs zur Verfügung stellen. Nachdem ihm Dutzende Minister und hohe Regierungsbeamte die Loyalität aufgekündigt hatten, blieb ihm kaum mehr etwas anderes übrig.
Für das Land ist es eine Chance, zu seriöser und weniger auf clownesque Effekte ausgerichteter Politik zurückzukehren. Mit einem Trinkgelage in Corona-Zeiten gegen Recht und Gesetz zu verstoßen, internationale Verträge im Rahmen des Brexit-Abkommens mit der EU zu brechen und auf Lügen geradezu als Strategie zu setzen – mit alldem muss Schluss sein. Großbritannien braucht eine stabile Regierung, die auch international wieder Vertrauen genießt.
Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen des Brexits hat das Land längst nicht verdaut. Die soziale Spaltung ist beängstigend. Die Schotten streben nicht nur nach Unabhängigkeit, sondern sogar zurück in die EU. Und internationale Herausforderungen wie Russlands Krieg gegen die Ukraine sowie eine bedrohte europäische Sicherheitsordnung verlangen nach einem Regierungschef, der seine ganze Kraft der Politik und nicht der Bewältigung von Skandalen widmet.
Boris Johnson ist am Ende seiner Amtszeit eine ebenso traurige Figur, wie es seinerzeit Theresa May war, die ebenfalls nicht von der Macht lassen wollte. Deshalb sollte Johnson das Ruder auch nicht erst im Herbst aus der Hand geben, sondern schon jetzt einem Übergangspremier überlassen. Es wäre eine letzte gute Tat am Vereinigten Königreich.

