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Kommentar

Läuft die ukrainische Offensive zu langsam?
Ein Krieg ist kein Action-Film

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2 min
Keine feine, aber dafür deutliche Wortwahl: Walerij Saluschnyj ist „angepisst“.

Keine feine, aber dafür deutliche Wortwahl: Walerij Saluschnyj ist „angepisst“.

Twitter-Nutzer zeigen gern Popcorn-Logos, wenn sie ukrainische Erfolge feiern. Der Erwartungsdruck steigt. Jetzt hat der ukrainische Generalstabschef mit deutlichen Worten in die Debatte eingegriffen.

Recht hat er, auch wenn seine Wortwahl nicht die feinste ist: „Angepisst“ zeigt sich der ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj angesichts westlicher Debatten über den angeblich zu langsamen Fortschrift der Offensive seiner Truppen.

Die ukrainische Armee kämpft unter Umständen, die für keine Nato-Truppe akzeptabel wären, nämlich ohne vorab die Lufthoheit sichern zu können.

Wenn pro-ukrainische Twitter-Nutzer Kiewer Erfolge feiern, dekorieren sie ihre Veröffentlichungen gern mit Popcorn-Logos. Umso wichtiger ist der Hinweis: Das hier ist keine Show (Saluschnyj), kein Action-Film (Präsident Wolodymyr Selenskyj), sondern bei der jeder Entscheidung geht es um das Leben von Menschen. Die ukrainische Armee kämpft unter Umständen, die für keine Nato-Truppe akzeptabel wären, nämlich ohne vorab die Lufthoheit sichern zu können. Jeden Tag aufs Neue stellt sich die Frage, wofür wie viele Luftabwehrsysteme eingesetzt werden sollen – zum Schutz der kämpfenden Truppe oder zur Abwehr von Angriffen auf zivile Ziele wie jüngst auf eine Pizzeria in Kramatorsk, in der zehn Menschen durch eine russische Rakete starben.

Unter diesen Bedingungen hat die Ukraine, wie der britische Verteidigungsminister Ben Wallace festhielt, in drei Wochen mehr Gebiet befreit, als Russland in seiner monatelangen Winteroffensive erobern konnte. Und natürlich werden am Ende Quadratkilometer gezählt: Wie viel Land ist wieder unter ukrainische Kontrolle, wie viele Menschen sind damit von der verbrecherischen russischen Besatzungsherrschaft befreit worden? Zunächst aber muss die Ukraine russische Nachschubwege blockieren, russische Stellungen zerstören, Optionen für künftige Durchbruchsversuche schaffen. Ihre Truppen arbeiten sich beharrlich voran,  und Saluschnyj hat recht, wenn er sich nicht von westlichen Journalisten und Politikern treiben lässt.