Die Drohung aus Moskau kommt im Kontext europäischer Überlegungen, direkter gegen Russlands „Schattenflotte“ vorzugehen.
Kreml leugnet Musks EinflussMoskau droht Europa mit Marine-Einsatz – Ukraine greift Ziele in Russland an

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff entsteht ein Feuerball an einer russischen Ölraffinerie in Samara. Die Ukraine greift weiter Ziele in Russland an. (Symbolbild)
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Während in der Schweiz der erste von zwei Verhandlungstagen zwischen Ukrainern und Russen zu Ende gegangen ist, kommen aus Moskau weiterhin bedrohliche Töne in Richtung Europa. Die Ukraine setzt unterdessen ihre Angriffe auf Ziele in Russland fort – und meldet erneut erfolgreiche Schläge.
„Nach dem gemeinsamen Teil ist die Arbeit in thematischen Gruppen fortgesetzt worden“, teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow auf Telegram nach den Gesprächen in der Schweiz mit. Die Unterhändler haben sich demnach auf „praktische Fragen und Mechanismen möglicher Lösungen“ konzentriert.
Vertreter Deutschlands an Gesprächen in der Schweiz beteiligt
An den Gesprächen, die am Mittwoch fortgesetzt werden sollen, sind auch Vertreter Deutschlands und anderer europäischer Länder beteiligt. Der US-Chefunterhändler Steve Witkoff und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, vermitteln zwischen den Kriegsgegnern. Auf russischer Seite bestätigten staatliche Nachrichtenagenturen das Ende der Unterredungen.
Nikolai Patruschew, der für die Schifffahrt zuständige Kreml-Beauftragte und ein Vertrauter von Machthaber Wladimir Putin, hat dem Westen unterdessen mit dem Einsatz der russischen Kriegsmarine gedroht, falls Europa die Beschlagnahmung russischer Schiffe in der Ostsee intensiviere.
Putins „Schattenflotte“: Moskau droht mit Kriegsmarine
Die Drohung aus Moskau kommt im Kontext europäischer Überlegungen, direkter gegen Russlands „Schattenflotte“ vorzugehen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Hunderten Tankern, die unter ausländischer Flagge fahren, um Sanktionen zu umgehen.
Während die meisten Schiffe in den vergangenen Monaten ihren Betrieb ungestört fortsetzten, gerieten einige Tanker der Schattenflotte zunehmend ins Visier der Ermittler. Frankreich, Deutschland, Finnland und Italien führten Razzien auf Schiffen durch, die im Verdacht standen, russische Sanktionen zu umgehen – sowohl im Hafen als auch auf See.

Nicolai Patruschew gilt als Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)
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Patruschew sprach nun in einem Interview von „Piraterie“ und einer möglichen zukünftigen Blockade. „Wenn wir ihnen keinen starken Widerstand leisten, werden die Briten, die Franzosen und sogar die baltischen Staaten bald so arrogant werden, dass sie versuchen werden, unserem Land den Zugang zu den Meeren, zumindest im Atlantikbecken, vollständig zu verwehren“, sagte Patruschew im Gespräch mit der russischen Zeitung „Argumenty i Fakty“.
Ukraine setzt Drohnenangriffe auf Ziele in Russland fort
Die Ukraine setzt unterdessen ihre Drohnenangriffe auf Ziele in Russland fort, wie sowohl Kyjiw als auch russische Behörden berichteten. Russland hat nach eigenen Angaben in der Nacht zum Dienstag mehr als 150 ukrainische Drohnen „abgewehrt“, hieß es aus Moskau.
Es sei eine der „längsten Attacken“ in der jüngsten Vergangenheit gewesen, erklärte der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, im Onlinedienst Telegram.
Ukraine meldet Angriffe auf Chemiewerk und Öl-Raffinerie
Die ukrainische Zeitung „Kyiv Independent“ berichtete unter Bezug auf Geheimdienstkreise über einen Angriff auf ein russisches Chemiewerk, das für die Sprengstoffproduktion des Landes relevant sei. Außerdem sei die Ilsky-Ölraffinerie in der Region Krasnodar angegriffen worden, berichtete die Zeitung. Dort sei ein Großbrand ausgebrochen.
„Nachts berichteten Anwohner in sozialen Netzwerken von einer Reihe von Explosionen“, zitierte die Zeitung aus Geheimdienstkreisen. „Infolge des Drohnenangriffs wurde ein Brand im Ölumschlagkomplex registriert.“

Ein russischer Kamow Ka-27-Helikopter beim Anflug auf eine russische Fregatte bei einer Übung. (Archivbild)
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Nach Angaben der „Kyiv Post“ haben die ukrainischen Streitkräfte zudem einen russischen Marinehubschrauber vom Typ Ka-27 auf der illegal von Russland besetzten Halbinsel Krim angegriffen. Ein Treffer sei bestätigt worden, hieß es demnach vom Generalstab der Streitkräfte in Kyjiw.
Die Ukraine hat zuletzt mehrfach erfolgreiche Drohnenangriffe auf Ziele in Russland gemeldet. Auch an der weiterhin umkämpften Frontlinie sollen der ukrainischen Armee zuletzt große Fortschritte gelungen sein. Laut einer Datenauswertung konnte die Ukraine zwischen letztem Mittwoch und Sonntag 201 Quadratkilometer eigenes Staatsgebiet von der russischen Armee zurückerobern.
US-Analysten: Ukraine gelingen große Geländegewinne – dank Elon Musk
Wie am Montag aus der Analyse der vom amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) bereitgestellten Daten hervorging, haben Kyjiws Streitkräfte seit einer Gegenoffensive im Juni 2023 nicht mehr so viel Gebiet in so kurzer Zeit zurückgewonnen.
Den US-Analysten zufolge soll vordergründig die Blockierung des Zugangs der russischen Streitkräfte zum Starlink-System die ukrainischen Geländegewinne begünstigt haben.

Eine Antenne des Satelliten-Internetanbieters Starlink ist auf einem ukrainischen Zug zu sehen.(Archivbild)
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Russische Militärbeobachter hatten die Unterbrechung am 5. Februar festgestellt, nachdem der US-Tech-Unternehmer Elon Musk „Maßnahmen“ angekündigt hatte, um der Nutzung dieser Technologie durch den Kreml ein Ende zu setzen.
Russland bestreitet Auswirkungen von Starlink-Blockade
Russlands Militär bestreitet den Einfluss der Entscheidung des Tesla- und SpaceX-Chefs jedoch. Die Abschaltung der Starlink-Satellitenkommunikationsterminals habe „keine Auswirkungen auf die russischen Truppen in der Sonderoperationszone in der Ukraine“ gehabt, sagte der russische Vizeverteidigungsminister Alexei Kriworutschko nach Angaben der Staatsagentur Interfax.
Waleri Tischkow, Leiter der Hauptkommunikationsdirektion der russischen Streitkräfte, sagte dem Fernsehsender Rossiya 1 unterdessen, dass die „feindliche Kommunikationsausrüstung“ nur von einzelnen russischen Einheiten verwendet worden sei. „Das Gefechtsführungssystem funktioniert zuverlässig“, hieß es weiter aus Moskau.
Auch Russland setzte seine Luftangriffe gegen die Ukraine fort. Durch einen Drohnenangriff im Osten des Landes sind am Dienstag drei Menschen getötet worden. Die Mitarbeiter eines Wärmekraftwerks der Stadt Slowjansk seien bei dem Angriff auf ihr Fahrzeug getötet worden, erklärte der stellvertretende Energieminister der Ukraine, Artem Nekrasow, in Onlinediensten. (mit dpa/afp)


