„Mein lieber Freund“Treffen in Moskau: Nette Worte von Xi, eiserne Miene bei Putin

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Xi Jinping im Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Der chinesische Machthaber ist für drei Tage in Russland zu Gast.

Xi Jinping im Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Der chinesische Machthaber ist für drei Tage in Russland zu Gast.

Wladimir Putin empfängt Xi Jinping in Moskau – inhaltlich bleibt es dabei zunächst wenig konkret. Eine Szene sorgt jedoch für Aufsehen. 

Der chinesische Präsident Xi Jinping und Russlands Staatschef Wladimir Putin haben bei einem Treffen in Moskau Einigkeit demonstriert. Xi würdigte zum Auftakt seines Staatsbesuchs in der russischen Hauptstadt die „engen“ bilateralen Beziehungen, während Putin die „Gemeinsamkeiten“ zwischen beiden Ländern hervorhob. Beide betonten bei dem Treffen in Moskau gegenseitig ihre Freundschaft.

Xi Jinping begrüßt Wladimir Putin im Kreml: „Ich nenne dich immer meinen lieben Freund“

Moskau und Peking hätten „viele gemeinsame Aufgaben und Ziele“, sagte Putin bei einem Gespräch mit Xi im Kreml. „Ich nenne dich immer meinen lieben Freund“, begrüßte Xi unterdessen den Kremlchef, wie die staatsnahe russische Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtet. Der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, veröffentlichte einen Mitschnitt der Szene auf Twitter – und wies auf Putins Reaktion hin. Der Kremlchef zeigte trotz der netten Worte keinerlei Regung. 

Die erste Auslandsreise des chinesischen Präsidenten in seiner neuen Amtszeit nach Russland bezeichnete Putin derweil als „symbolisch“. Xi seinerseits würdigte die „engen Beziehungen“ seines Landes zu Russland. „Wir sind Partner in einer umfassenden strategischen Zusammenarbeit“, sagte der chinesische Staatschef laut russischem Staatsfernsehen.

Xi war zuvor auf einem roten Teppich am Moskauer Flughafen Wnukowo von Vize-Regierungschef Dmitri Tschernyschenko und einem Militärorchester begrüßt worden, das die Nationalhymnen der beiden Länder spielte, wie russischer Staatsmedien berichteten. Kurz nach seiner Landung sagte Xi, sein Besuch werde den chinesisch-russischen Beziehungen „neuen Schwung“ verleihen.

Treffen von Xi Jinping und Wladimir Putin: Wachteln und Wildbret auf der Menü-Karte

„Unser Zusammenspiel trägt auf internationaler Ebene natürlich dazu bei, die Grundprinzipien der Weltordnung und der Multipolarität zu stärken“, erklärte Putin Ria Novosti zufolge beim Treffen mit Xi. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie in den vergangenen Jahren in Bezug auf die Entwicklung und den Aufbau Chinas immer eine positive Einstellung zu uns hatten“, erklärte der chinesische Präsident demnach unterdessen.

Nach dem ersten „informellen“ Treffen von Xi und Putin am Montag im Kreml sind für Dienstag weitere Gespräche geplant. Am Montagabend stand jedoch zunächst ein gemeinsames Abendessen auf dem Programm – laut Ria Novosti standen dabei unter anderem „fernöstliche Meeresfrüchte, Pfannkuchen mit Wachteln und Wildbret mit Kirschsauce“ auf der Menükarte. Dazu seien russische Weine ausgeschenkt worden.

Der chinesische Präsident Xi Jinping (l.) läuft zusammen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin durch den Kreml.

Der chinesische Präsident Xi Jinping (l.) läuft zusammen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin durch den Kreml.

Im Februar hatte China ein Positionspapier veröffentlicht, in dem das Land im Ukraine-Konflikt zum Dialog aufruft und zum Respekt der territorialen Souveränität aller Länder. Bei dem Treffen mit Xi zeigte sich Putin nun offen für Chinas Vorschläge zur Beendigung des Konflikts. Moskau sei „immer offen für Verhandlungen“, sagte Putin. „All diese Fragen“ würden „einschließlich der chinesischen Initiative sicherlich diskutiert“ werden.

Kreml will nach chinesischer Friedensiniative für Ukraine russische Position „umfassend erläutern“

Zuvor hatte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow angekündigt, die „in Pekings Plan für die Ukraine aufgeworfenen Fragen“ würden bei den Verhandlungen „auf die eine oder andere Weise zur Sprache kommen“. Putin werde die russische Position „umfassend erläutern“.

Die „erste und wichtigste Klausel einer Formel für die erfolgreiche Umsetzung des ‚chinesischen Friedensplans‘“ seien „die Kapitulation oder der Rückzug der russischen Besatzungstruppen vom ukrainischen Territorium“, erklärte hingegen der Sekretär des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Oleksij Danilow, im Onlinedienst Twitter.

Treffen von Putin und Xi: Bundesregierung fordert russischen Truppenabzug

Auch aus Berlin kam die Forderung nach einem Truppenabzug. Moskau „darf nicht durchkommen mit seinem Versuch, sich einen großen Teil des Nachbarlandes einzuverleiben“, sagte der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Wolfgang Büchner. Deshalb sei es wichtig, dass Russland seine Truppen abziehe. Auch sei es wünschenswert, wenn „der chinesische Staatspräsident auch direkt mit dem ukrainischen Präsidenten sprechen würde“, führte Büchner fort.

Xi hatte seinen dreitägigen Staatsbesuch am Montag in einem Gastbeitrag für die russische Zeitung „Russian Gazette“ als „Reise der Freundschaft, Kooperation und des Friedens“ beschrieben. Putin lobte derweil in einem Beitrag für die chinesische „Volkszeitung“ Chinas Bereitschaft, eine „konstruktive Rolle“ bei der Beendigung des Ukraine-Konflikts zu spielen.

Friedensbemühungen von Xi Jinping wenig glaubwürdig? „Die Welt sollte sich nichts vormachen lassen“

Viele westliche Staats- und Regierungschefs halten Chinas Bemühen um ein neutrales Erscheinen jedoch für wenig glaubwürdig. Sie werfen Peking vor, Moskau stillschweigend zu unterstützen. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Montag in Washington, es könne keinen Waffenstillstand ohne einen Abzug russischer Truppen aus der Ukraine geben.

„Die Welt sollte sich nichts vormachen lassen von einem taktischen Vorgehen von Russland, unterstützt von China oder einem anderen Land, um den Krieg zu seinen Bedingungen einzufrieren“, warnte Blinken. Zu einer Waffenruhe aufzurufen, die keinen russischen Truppenabzug vorsehe, würde die russischen Eroberungen zementieren.

Der Kreml hingegen warf Washington am Montag vor, den Konflikt in der Ukraine zu schüren. „Die USA halten an ihrer Position fest, die darauf abzielt, den Konflikt anzuheizen, Hindernisse für das Abflauen der Intensität der Kämpfe zu schaffen und die Waffenlieferungen an die Ukraine fortzusetzen“, sagte Kreml-Sprecher Peskow. (mit afp)

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