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Krise und Wut auf den KremlNeue Angriffe treffen Russland – Rufe nach „Entputinisierung“ werden laut

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Eine dicke Rauchwolke steigt über Woronesch auf. Die Ukraine hat dort ein Wildberries-Logistikzentrum angegriffen.

Eine dicke Rauchwolke steigt über Woronesch auf. Die Ukraine hat dort ein Wildberries-Logistikzentrum angegriffen.

Die Ukraine setzt ihre Attacken fort – erneut brennen Raffinerien und Logistikzentren. Der Frust in Russland wird derweil immer sichtbarer. 

Die Ukraine hat bei neuen massiven Drohnenangriffen im russischen Hinterland mindestens eine Ölraffinerie und Lagerhallen des landesweit größten Online-Versandhändlers Wildberries in Brand gesetzt. Im Gebiet Woronesch brannten Zehntausende Quadratmeter Lagerfläche, wie Gouverneur Alexander Gussew mitteilte. Bei dem Angriff sei ein 49 Jahre alter Mann tödlich verletzt worden, es gebe auch zwei Verletzte, sagte er.

Die Anlagen des Logistikzentrums, das zu den größten des Unternehmens zählt, seien evakuiert worden, teilte Wildberries am Morgen mit. Nach Angaben des Gouverneurs hatte es in der Nacht einen Angriff gegeben, die russische Flugabwehr habe 15 Drohnen abgeschossen. Er sagte nicht, wie viele Drohnen ihr Ziel trafen.

„Ukrainische Vögel“ zerstören Wildberries-Lager

In Orsk im Gebiet Orenburg an der Grenze zu Kasachstan geriet nach Meldungen in den sozialen Netzwerken nach einem Drohnenangriff eine Ölraffinerie in Brand. Der ukrainische Generalstab bestätigte den Angriff auf die Raffinerie laut einem Bericht des „Kyiv Independent“.

Auch der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, bestätigte die Attacken auf den Wildberries-Standort und die Raffinerie in Orsk in den sozialen Netzwerken. „Freiheitsliebende ukrainische Vögel“ seien zum „brandneuen Logistikzentrum“ von Wildberries in Woronesch „geliefert“ worden, schrieb Browdi. 

Brand in Ölraffinerie im äußersten Osten Russlands

Einen weiteren Brand in einer Ölraffinerie meldete die russische Staatsagentur Tass aus Komsomolsk am Amur – im äußersten Osten des Landes. Zur Ursache für das Feuer oder Drohnenangriffe in der Region gab es zunächst keine Angaben. Die Region liegt weit außerhalb der Reichweite bekannter ukrainischer Raketen oder Drohnen.

Die Ukraine will mit den Angriffen im russischen Hinterland nicht nur der russischen Wirtschaft schaden. Erklärtes Ziel Kyjiws ist es, den Krieg für Moskau so teuer zu machen, dass sich die russische Führung zu Verhandlungen für eine Beendigung der Kampfhandlungen bereiterklärt. Solche Verhandlungen sind bisher nicht in Sicht.

Medwedew: „Russland wird ganz sicher gewinnen“

Zuletzt hatte der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, Russlands Kriegskurs bekräftigt. Der frühere Kremlchef bezeichnete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X als „alte Hexe Ursula“ und fügte hinzu: „Russland wird ganz sicher gewinnen!“

Gleichzeitig werden die Auswirkungen der ukrainischen Angriffe in Russland immer sichtbarer – und führen weiterhin zu mitunter ungewohnt harscher Kritik an der russischen Regierung und Kremlchef Wladimir Putin.

Wirtschaftskrise und Wut auf Putin in Russland

„Nachdem die Ukraine Ende Juni ihre Drohnenangriffe auf die russische Kraftstoffinfrastruktur verstärkt hatte, machten sich Benzin- und Dieselengpässe in zahlreichen Wirtschaftsbereichen des Landes bemerkbar, darunter in der Landwirtschaft, im Tourismus und bei kleinen Unternehmen“, beschreibt die investigative Online-Plattform „The Insider“ die Lage in Russland. 

Auch in der nun erneut attackierten Region Woronesch herrscht Frust angesichts der ukrainischen Angriffe. „Die Kraftstoffpreise haben sich fast verdoppelt“, zitierte „The Insider“ einen Landwirt aus der Region. „Wir bereiten uns darauf vor, dass die Lage sich verschlimmert“, berichtete der Mann weiter – und schilderte eine sich ausbreitende Anti-Putin-Stimmung in Russland. 

„Alle warten einfach nur auf die ‚Entputinisierung‘ – und, was am wichtigsten ist: Selbst diejenigen, die nicht daran geglaubt haben, haben ihre Meinung geändert“, berichtete der Landwirt. „Früher waren sich alle sicher, dass Putin nicht von der Bildfläche verschwinden würde. Dieses Gefühl ist nun verschwunden.“ Der Wunsch, dass Putin „zur Hölle fahren soll“, werde mittlerweile von vielen Russen offen ausgesprochen. „Jetzt schweigt niemand mehr.“ (mit dpa)