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„Sollen sie zuhause unterrichten?“Prien spricht über Pisa-Ergebnis – Kritik an Aussage über Eltern

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Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bei einer Pressekonferenz. (Archivbild)

Deutschlands Schüler schneiden bei der Pisa‑Studie schlechter ab als je zuvor. Bildungsministerin Karin Prien sieht auch Eltern in der Pflicht. 

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat sich zu den schlechten deutschen Pisa-Ergebnissen geäußert – und Kritik für ihre Worte geerntet. Die Ergebnisse seien „besorgniserregend“ und „nicht hinnehmbar“, jedoch „nicht überraschend“, sagte Prien am Dienstag im Gespräch mit dem Sender Welt TV. Was sie jedoch überrascht habe, sei die „doch sehr niedrige Bildungsaspiration in Deutschland, also, dass Eltern Bildung einfach nicht so wichtig finden, wie in anderen OECD-und EU-Staaten“, erklärte die Ministerin.

Das führe dazu, dass Eltern „es nicht so wichtig finden, ob ihr Kind in der Schule erfolgreich ist oder nicht“, hieß es weiter. Das Leistungsprinzip und die „Bereitschaft, Leistung zu erbringen“ müssten gestärkt werden, forderte Prien zudem. „Das muss natürlich auch aus dem Elternhaus kommen.“

Karin Prien will „mehr in den frühen Bereich investieren“

Bildung sei ein Marathon und kein Sprint, führte die CDU-Politikerin aus. Jetzt müsse „sehr konsequent die frühe Bildung“ in den Blick genommen werden. „Mehr in den frühen Bereich investieren, Sprachdiagnostik, Entwicklungsdiagnostik und Sprachförderung“, zählte Prien als konkrete Maßnahmen auf.  

Für die Aussagen über die Rolle von Eltern erntete die Ministerin derweil schnell Kritik aus den Reihen der  Linken. „Was mich leider nicht mehr überrascht, ist, dass die Bundesregierung und viele Landesregierungen Bildung einfach nicht so wichtig finden und bei den Ausgaben für Bildung kürzen“, kommentierte etwa die frühere Linken-Chefin Janine Wissler die Aussagen auf der Plattform X.

„Und dann verweist Ministerin Prien erst mal auf die Eltern“

„Und dann verweist Ministerin Prien erst mal auf die Eltern“, fügte sie hinzu. „Sollen Eltern ihre Kinder zuhause nach Feierabend unterrichten, weil der Unterricht mal wieder ausgefallen ist?“, hieß es zudem in einem weiteren Kommentar der Linken-Politikerin. „Sie hat WAS gesagt?!“, kommentierte derweil auch der Kreisverband Ahrweiler der Linken Priens Worte in herausgestellt empörtem Tonfall.  

Die CDU-Politikerin sieht nach dem schlechten deutschen Abschneiden bei der Bildungsstudie derweil auch Handlungsbedarf im Umgang mit den sozialen Medien. Im Inforadio des RBB sprach sich Prien am Mittwoch für eine Altersbeschränkung für Social Media aus.

Sie sei überzeugt, dass die Pisa-Ergebnisse auch damit zu tun hätten: „Dass die Kinder sich nicht mehr konzentrieren können, dass sie keine Ausdauer mehr haben, dass sie auch nicht mehr in der Lage sind, sinnentnehmend zu lesen, hat etwas mit Social Media und Bildschirmzeit zu tun.“

Deshalb seien sowohl eine Altersbeschränkung als auch eine bessere Medienerziehung nötig, betonte die CDU-Politikerin: „Wir können nicht riskieren, dass unsere Kinder im digitalen und KI-Zeitalter immer weniger in der Lage sind, kritisch zu denken und immer weniger in der Lage sind, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen.“

„Führt kein Weg an einer Altersbeschränkung vorbei“

Sie werde deshalb in den nächsten Wochen entsprechende Vorschläge im Kabinett vorlegen, kündigte die Bildungsministerin an. Gleichzeitig setzt Prien auch auf eine europäische Lösung: „Jedenfalls führt kein Weg an einer entsprechenden Altersbeschränkung und einer wirksamen Altersverifikation vorbei. Es geht ja um eine Inanspruchnahme der Plattform. Und es geht darum, dass keine jugendgefährdenden, süchtig machenden Inhalte mehr an Jugendliche herankommen. Hier besteht höchster Handlungsbedarf.“

Nach der am Dienstag in Berlin vorgestellten jüngsten Ausgabe der internationalen Vergleichsstudie liegen die Leistungen in Deutschland noch unter dem Niveau von 2000, dem Jahr des sogenannten Pisa-Schocks.

Mit Werten von 486 Punkten in Naturwissenschaften, 465 Punkten beim Lesen und 464 Punkten in Mathematik lag Deutschland in etwa im Durchschnitt der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Allerdings lagen die Leistungen von Schülern mit einem förderlichen familiären Hintergrund in den Naturwissenschaften um 125 Punkte über denen benachteiligter Schüler. Dieser Abstand war deutlich größer als im OECD-Schnitt von 85 Punkten. (mit afp/kna)