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36 Raketen und 172 DrohnenRussland startet massive Angriffe – Kiew kämpft mit Stromausfällen

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Ein älterer Mann mit einer Tasche geht an einem schwer beschädigten Kindergartengebäude und einem mit Trümmern übersäten Innenhof vorbei, nachdem ein Raketenangriff auf ein Wohngebiet stattgefunden hatte.

Ein älterer Mann mit einer Tasche geht an einem schwer beschädigten Kindergartengebäude und einem mit Trümmern übersäten Innenhof vorbei, nachdem ein Raketenangriff auf ein Wohngebiet stattgefunden hatte.

Selenskyj sieht in den Attacken eine gezielte Machtdemonstration vor den für Dienstag geplanten Gesprächen in Abu Dhabi.

Neue massive russische Luftangriffe auf Energieanlagen haben nach ukrainischen Regierungsangaben in fünf Regionen des Landes Stromausfälle ausgelöst und die Versorgung der Hauptstadt Kiew schwer beeinträchtigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete am Samstag den Einsatz von 36 ballistischen Raketen und 172 Drohnen sowie mindestens neun Verletzte, darunter ein Kind. Er warf Moskau vor, mit den Angriffen den Druck vor für kommende Woche geplanten Gesprächen in Abu Dhabi erhöhen zu wollen.

Kiew: Mitarbeiter eines Kindergartens räumen nach einem Raketenangriff auf ein Wohngebiet Trümmer aus einem schwer beschädigten Klassenzimmer.

Kiew: Mitarbeiter eines Kindergartens räumen nach einem Raketenangriff auf ein Wohngebiet Trümmer aus einem schwer beschädigten Klassenzimmer.

Nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums war die Lage in der Region Kiew besonders schwierig. Dort behinderten schwere Schäden an Energieanlagen die Stromversorgung erheblich, erklärte das Ministerium. Arbeiter bemühten sich demnach unter Hochdruck um die Wiederherstellung der Versorgung. „Ständige Luftalarme“ verlangsamten jedoch die Reparaturen, hieß es.

Stromversorgung in Kiew nach Angriffen schwer beeinträchtigt

Kiews Bürgermeister Witali Klitschko erklärte, auch die Wasser- und Fernwärmeversorgung der Hauptstadt sei beeinträchtigt. Zudem sei die Nordbrücke über den Dnipro, eine wichtige Verbindung zwischen den beiden Hälften der Stadt, durch einen russischen Angriff beschädigt worden. Der Verkehr über die Brücke sei gesperrt. Sie war bereits im Oktober getroffen worden. Danach hatten die Behörden Schutznetze gegen Drohnen angebracht.

Kiew: Eine Spielplatzanlage steht inmitten von Trümmern vor einem schwer beschädigten Kindergartengebäude nach einem Raketenangriff auf ein Wohngebiet.

Kiew: Eine Spielplatzanlage steht inmitten von Trümmern vor einem schwer beschädigten Kindergartengebäude nach einem Raketenangriff auf ein Wohngebiet.

Selenskyj teilte mit, nach vorläufigen Erkenntnissen seien bei den Angriffen auf eine wichtige Energieanlage auch nordkoreanische Raketen vom Typ KN-23 eingesetzt worden. Die technischen Untersuchungen an den Einschlagsorten dauerten noch an. Bereits im August hatte der ukrainische Präsident erklärt, Russland habe bei Angriffen auf die Stadt Saporischschja Raketen aus nordkoreanischer Produktion eingesetzt.

Selenskyj meldet Einsatz nordkoreanischer KN-23-Raketen

Erst am Freitag hatte Selenskyj vor weiteren russischen Angriffen auf Energieanlagen und andere zivile Infrastruktur gewarnt. Geheimdienstinformationen deuteten auf Attacken „gegen den Energiesektor, gegen unsere Brücken über den Dnipro und gegen zivile Infrastruktur“ hin, sagte er.

Er forderte erneut eine schnellere Lieferung von Abfangraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem. „Jeder einzelne Tag bei den Lieferungen ist äußerst wichtig. Und wir drängen unsere Partner eindringlich, die Lieferungen nicht zu verschieben“, sagte Selenskyj. Der Präsident hatte den USA zuvor vorgeworfen, bereits bezahlte Raketenlieferungen zu verzögern.

Friedensgespräche in Abu Dhabi unter wachsendem Druck

Ungeachtet diplomatischer Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs setzt Moskau seine Attacken auf die ukrainische Energieversorgung fort. Dadurch kam es bereits wiederholt zu Strom- und Heizungsausfällen. Wegen dieser Angriffe befürchtet die Ukraine einen weiteren schwierigen Kriegswinter.

Für Dienstag und Mittwoch sind in Abu Dhabi Dreiergespräche von Unterhändlern Russlands, der Ukraine und der USA vorgesehen. Es wäre das erste Treffen in diesem Format seit Februar. Vertreter der EU sitzen nicht mit am Tisch.

Der 20-jährige Oleksander Haiovyi betrachtet sein Auto, das nach einem Angriff auf ein Wohngebiet unter Schutt und Trümmern begraben ist.

Der 20-jährige Oleksander Haiovyi betrachtet sein Auto, das nach einem Angriff auf ein Wohngebiet unter Schutt und Trümmern begraben ist.

Selenskyj deutete die jüngsten russischen Angriffe als Versuch Russlands, vor den Gesprächen den Druck auf sein Land zu erhöhen. „Indem Russland gerade jetzt seine Angriffe auf die Ukraine und unsere Infrastruktur verstärkt, versucht es, zusätzlich den Boden dafür zu bereiten, Druck auf die Position der Ukraine und ihrer Partner auszuüben“, erklärte er im Onlinedienst X.

Der ukrainische Präsident forderte mehr Hilfe aus den USA: „Wir rechnen mit verstärkter bilateraler Unterstützung aus den USA. Wir rechnen damit, dass der US-Kongress der Ukraine mehr Aufmerksamkeit schenkt. Denn Russland weitet seine Angriffe immer weiter aus.“

Bei den US-Kongresswahlen am Dienstag hatten die oppositionellen Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern errungen. Selenskyj hatte deshalb bereits am Mittwoch in einem ZDF-Interview die Hoffnung geäußert, dass sein Land nun „mehr Unterstützung“ aus den USA erhalte. (dpa)