Russland nimmt ein besonderes Ziel in der ukrainischen Hauptstadt ins Visier. Die Ukraine spricht von „Eskalation“ und kündigt Vergeltung an.
„Schwere Eskalation“Russland greift Geheimdienst an – aber verliert wohl wichtige Raffinerien

Eine russische Rakete schlägt am Freitag (4. September) in der Innenstadt von Kyjiw ein.
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Am helllichten Tag ist der Sitz des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kyjiw von einer russischen Drohne getroffen worden. Der Angriff am Freitag (4. September) habe „direkt“ auf das Büro des Geheimdienstchefs gezielt, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in den sozialen Netzwerken.
Der Angriff stelle eine „schwere Eskalation“ dar und erfordere „entschlossene Antworten“, hieß es von Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Moskau habe den Angriff gestartet, während gerade „ein neuer Vorstoß für Frieden“ laufe, betonte der Außenminister. Die russische Regierung demonstriere damit ihre „Ablehnung jeder Diplomatie“. Am Donnerstag hatte Selenskyj erklärt, US-Präsident Donald Trump wolle seine Unterhändler zu neuen Gesprächen schicken.
SBU-Chef nicht im Büro
SBU-Chef Oleksandr Poklad habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in seinem Büro befunden, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten. Selenskyj erklärte zudem, er habe mit Poklad gesprochen und ihn beauftragt, „eine angemessene und spürbare Antwort“ auf den russischen Angriff zu entwickeln.
Am späten Nachmittag berichtete der Staatschef in den sozialen Netzwerken von dem Treffen. „Der geografische Rahmen unserer Reaktion wurde festgelegt“, erklärte Selenskyj. „Der Zeitpunkt wird so gewählt, dass Ergebnisse gewährleistet sind.“ Zudem veröffentlichte der ukrainische Präsident ein Foto, das ihn mit Poklad zeigt.
Mindestens sieben Verletzte bei Angriff auf Geheimdienst-Büro
Nach Angaben des Kyjiwer Bürgermeisters Witali Klitschko wurden bei dem Angriff im Stadtzentrum mindestens sieben Menschen verletzt. Mehrere Krankenwagen waren nahe dem Gebäude im Herzen der ukrainischen Hauptstadt zu sehen.
Ein von der Zeitung „Ukrainska Prawda“ veröffentlichtes Foto zeigte schwarzen Rauch, der aus Fenstern des Geheimdienst-Sitzes quoll. Der SBU spielt eine wichtige Rolle bei der ukrainischen Verteidigung gegen den seit viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg.
Russland nimmt ukrainische Hauptstadt ins Visier
Es ist der neunte Tag in Folge, an dem die ukrainische Hauptstadt von russischen Drohnen angegriffen wird. Bürgermeister Klitschko berichtete zudem, dass eine russische Drohne im Schewtschenko-Bezirk abgestürzt sei. Fünf Menschen wurden demnach verletzt.
Auch im Ort Browary in der Hauptstadtregion brach infolge russischer Angriffe ein Brand in einem Industriebetrieb aus. Aufgrund des starken Rauchs sei in der Stadt eine vorübergehende Verschlechterung der Luftqualität festgestellt worden, berichtete die ukrainische Zeitung „NV“.
Ukrainischer Generalstab: Russische Raffinerien stellen Betrieb ein
Der ukrainische Generalstab erklärte unterdessen am Freitag, dass zwei russische Raffinerien nach vorherigen ukrainischen Drohnenangriffen ihren Betrieb eingestellt hätten.
Eine große Lukoil-Raffinerie in der Region Nischni Nowgorod stehe aufgrund von Schäden, die bei einem ukrainischen Drohnenangriff am 26. August entstanden seien, still. Die Raffinerie liegt etwa 800 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, betonte der Generalstab. Es handele sich um die viertgrößte Ölraffinerie Russlands mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von rund 15 bis 17 Millionen Tonnen Rohöl, hieß es weiter.
Ukrainische Angriffe sorgen für Frust und Krise in Russland
Auch eine Raffinerie in Ust-Luga in der Region Leningrad habe nach ukrainischen Angriffen ihren Betrieb mittlerweile eingestellt, so der Generalstab. Die Anlage liegt etwa 850 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und ist an einen der größten russischen Ostsee-Häfen angeschlossen. Bei beiden Angriffen seien „hoch entwickelte Verarbeitungsanlagen sowie Pipelines und andere Infrastruktur“ erfolgreich zerstört worden, hieß es weiter aus Kyjiw.
Bereits seit einigen Monaten nimmt die Ukraine immer wieder die russische Ölindustrie ins Visier. Mittlerweile herrscht in der Folge in vielen Regionen Russlands Treibstoffknappheit. An russischen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. In den sozialen Netzwerken äußerten sich Bürger zuletzt verärgert über die Lage. Kremlchef Wladimir Putin versichert unterdessen, die Situation sei unter Kontrolle. (mit dpa)
