Präsident Selenskyj fordert Konsequenzen nach neuen Angriffen auf Kiew. Erstmals soll eine Oreschnik-Rakete nahe der Hauptstadt eingeschlagen sein.
„Unverantwortlich“Russland setzt Oreschnik-Rakete nahe Kiew ein – ARD-Studio zerstört

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht über neue russische Angriffe. (Archivbild)
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Russland hat nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erneut die gefürchtete Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt – diesmal erstmals nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew. In einer Videobotschaft erklärte Selenskyj, Kremlchef Wladimir Putin habe die Rakete auf die Stadt Bila Zerkwa im Kiewer Gebiet abfeuern lassen.
Die Oreschnik-Rakete gilt wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und Reichweite als besonders gefährlich. Sie kann sowohl mit konventionellen als auch mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden und erreicht laut russischen Angaben Geschwindigkeiten von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde. Selenskyj sprach vom dritten Einsatz der Waffe seit Beginn des russischen Angriffskriegs.
Selenskyj: Mindestens 83 Verletzte und mehrere Tote
Der ukrainische Präsident forderte eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft. „Das ist wirklich unverantwortlich. Es ist wichtig, dass dies für Russland nicht ohne Folgen bleibt“, sagte er. In der Nacht zu Sonntag (24. Mai) hatte Russland die Ukraine nach Angaben der Luftwaffe mit einem massiven Angriff überzogen. Demnach kamen rund 600 Drohnen sowie 90 Raketen und Marschflugkörper zum Einsatz. Ein Großteil davon sei abgefangen worden.
Russland hat den Einsatz bestätigt: Die Armee habe neben den ballistischen Oreschnik-Raketen auch Raketen von Typ Iskander und Kinschal sowie Marschflugkörper vom Typ Zirkon und Drohnen eingesetzt, erklärte das Verteidigungsministerium am Sonntag.
„Einer der größten Terrorangriffe auf Kiew“
Besonders schwer getroffen wurde erneut die Hauptstadt Kiew. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko starben dort zwei Menschen, 56 weitere wurden verletzt. In der umliegenden Region Kiew kamen laut Behörden zwei weitere Menschen ums Leben. Auch aus anderen Regionen des Landes wurden Verletzte gemeldet.
Selenskyj erklärte zudem, mehrere Wohnhäuser und Schulen seien beschädigt worden. Ein Markt sei niedergebrannt, außerdem sei eine Wasserversorgungsanlage getroffen worden. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach von „einem der größten Terrorangriffe auf Kiew“ seit Kriegsbeginn.
Bei den nächtlichen Angriffen auf Kiew ist auch das ARD-Studio in der ukrainischen Hauptstadt massiv beschädigt und teilweise zerstört worden. Wie der Westdeutsche Rundfunk am Sonntag in Köln mitteilte, stürzten Wände ein, außerdem gingen Fenster kaputt und Technik wurde zerstört. Da sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Studio befanden, wurde niemand verletzt. (dpa/afp/sbo)
