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Kommentar

Strandkorb-Streit
Philipp Amthor fehlt es an Instinkt

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Strandkorb vor dem Büro: Philipp Amthor, Staatsminister im Kanzleramt.

Strandkorb vor dem Büro: Philipp Amthor, Staatsminister im Kanzleramt. 

Der frisch gebackene Staatsminister im Kanzleramt bedient den Eindruck, dass Politik die Bodenhaftung verloren hat. 

Ist es ein Skandal, wenn Jens Spahn deutsche Gesetze umgeht, um sich den Kinderwunsch mit einer Leihmutter zu erfüllen? Durchaus. Ist es skandalös, wenn sich Philipp Amthor einen Strandkorb ins Kanzleramt holt? Sicher nicht.

In einem Resonanzraum, der den Gesetzen von Social Media folgt, verwischen die Grenzen allzu leicht. Der Vertrauensverlust der demokratischen Mitte erklärt sich zu einem Teil auch dadurch, dass kaum ein Anlass zu gering erscheint, um Politikerinnen und Politiker etablierter Parteien öffentlich herabzuwürdigen.

Karriere-Aus nach Vaterschaft? Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDR, r.) mit seinem Mann Daniel Funke.

Karriere-Aus nach Vaterschaft? Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDR, r.) mit seinem Mann Daniel Funke.

Diese Erkenntnis erzwingt aber auch kein Lob für Amthor. Der frisch gebackene Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit hat fahrlässig einen Eindruck verstärkt, den auch Friedrich Merz bedient: Politik, die die Bodenhaftung verloren hat. Sinnbild ist der Privatflug von Merz zur Hochzeit von Christian Lindner auf Sylt geworden.

Der Kanzler stößt notwendige Reformen an, erklärt diese aber wie eine Zahnwurzelbehandlung. Er ermahnt die Deutschen zur Mehrarbeit, was manchmal klingt, als unterstelle er ihnen Faulheit. Und sein Staatsminister stellt sich einen Strandkorb auf den Balkon seines Büros?

Es ist unerheblich, ob Amthor von Liebe zu seiner vorpommerschen Heimat geleitet war oder berauscht von seinem Zugewinn an politischer Bedeutung: Dass er den Strandkorb auch noch in einer Fernsehdokumentation präsentierte, lässt Instinkt vermissen. Und schadet dem Ansehen von Politik so sehr wie ritualisierte Empörung.

Bei Spahn ist es gut, dass er sein Mini-Comeback im Haushaltsausschuss abbricht und erst einmal von der politischen Bühne verschwindet. Amthor, erst 33, hat den Strandkorb zurückgeschickt. Das deutet auf Lernfähigkeit.