Trump will das Kulturzentrum unter einem Vorwand schließen lassen – es sei denn, sein Name erscheint endlich an der Fassade.
Kennedy-Center„Nationales Wahrzeichen als Geisel“ – Harsche Kritik an Trumps Drohung

US-Präsident Donald Trump will das Kennedy Center schließen lassen – wenn es nicht seinen Namen trägt.
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US-Präsident Donald Trump setzt seinen Feldzug gegen das Kennedy Center in Washington fort. Nach seiner juristischen Niederlage im Namensstreit versucht er nun offenbar, das nationale Kulturzentrum auf anderem Weg unter Druck zu setzen, und droht mit Schließung. Weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit äußern sich entsetzt, darunter auch mehrere Mitglieder des Kennedy-Clans.
Trump verkündete am Dienstag (15. September), dass die renommierte Einrichtung für zwei Jahre schließen werde. Offizielle Begründung: Es herrschten Sicherheitsbedenken, da das Gebäude dringend saniert werden müsse. Der Vorstand des Kennedy-Centers hatte dem zugestimmt – allerdings besteht dieser nach einer Umbesetzung aus Trump-Vertrauten, die den US-Präsidenten 2025 einstimmig zum Chairman wählten. Zur Untermalung wurde ein Video gepostet, das herabstürzende Deckenteile in einem Saal zeigen soll.
Langer Namensstreit um Kennedy Center
Zur Voraussetzung für die Renovierung machte Trump nun, dass sein eigener Name an der Fassade des Gebäudes angebracht wird. Der Namensstreit um das Kennedy Center zieht sich bereits seit Monaten hin. Im Dezember 2025 wurde das Kennedy Center tatsächlich um Trumps Namen ergänzt – nach einer juristischen Entscheidung mussten die Lettern dann aber im Juni wieder von der Fassade entfernt werden.
Das Kennedy Center mit seinem Trump-loyalen Board legte Berufung ein: Es sollte zumindest der Zusatz „von Donald J. Trump renoviert und restauriert“ angebracht werden. Auch das untersagte ein Richter am 15. September. Prompt folgte die Reaktion des US-Präsidenten mit der Verweigerung der Renovierung und Schließungs-Drohung.
Bei vielen Amerikanern und Trump-Gegnern kommt dies nicht gut an. Es ist von „Geiselnahme eines nationalen Wahrzeichens“ die Rede, die Aktion Trumps sei der „Gipfel des Narzissmus“. Wie das „legal“ sein könne, fragen andere.
Auch Mitglieder des Kennedy-Clans zeigten sich entsetzt. Maria Shriver, Nichte von John F. Kennedy, äußerte sich in einem längeren Post bei Social Media. Shriver hatte bereits vor Monaten öffentlich gegen die Umbenennung des Kulturzentrums gekämpft und gefragt, wie Trump es wagen könne, seinen Namen vor den Kennedys zu setzen. Nun schrieb sie, Trumps Handeln sei „eine Tragödie“ und ebenso kleinlich wie narzisstisch. Der offensichtliche Erpressungsversuch raube ihr den Verstand. Mehr wolle sie dazu vorerst nicht sagen.
Ein User schreibt zum Facebook-Post von Maria Shriver: „Dieses Gebäude bekam seinen Namen zu Ehren von Präsident Kennedy. Kein Präsident und kein anderer Amtsträger sollten versuchen, diese Ehrung des Präsidenten, der im Dienst am amerikanischen Volk sein Leben verlor, zu schmälern.“ Der Kommentar spielt auf das Attentat vom 22. November 1963 an, dem John F. Kennedy in Dallas zum Opfer fiel.
Kerry Kennedy, eine Cousine Shrivers und ebenfalls Nichte von John F. Kennedy, äußerte sich im US-Fernsehen. Bei CNN zeige sie sich empört von Trumps erneutem Vorstoß.
Die Menschenrechtsaktivistin spricht ebenfalls von einer „Tragödie“. Es gehe ganz offensichtlich nicht um finanzielle Aspekte. Es sei wie bei so vielen anderen Dingen, mit denen Trump zu tun habe: „ein Reinfall, sobald er seinen Namen daraufsetzt.“ Wo denn die 250 Millionen Dollar auf einmal geblieben seien, die für die Sanierung vorgesehen waren, fragt Kerry Kennedy.
Der linke Senator Bernie Sanders verwies darauf, dass das letzte Wort zum Kennedy Center sicherlich noch nicht gesprochen worden sei. Er schrieb kurz und knapp: „Tut uns leid, Herr Trump: Wir leben nicht in einer Diktatur. Der Oberste Gerichtshof untersteht nicht Ihnen.“
