Donald Trump bleibt auf Kuschelkurs gegenüber Moskau – Angriffen zum Trotz. Die Kritik am US-Präsidenten wird lauter.
Merz warnt vor Moskaus wahren ZielenPutin nimmt Kinder ins Visier – und bekommt Lob von Trump

US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kansas. (Archivbild)
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US-Präsident Donald Trump hat seinen Konfrontationskurs gegenüber der Ukraine untermauert. „Wir haben der Ukraine viel gegeben – sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht“, sagte der Republikaner in Washington. „Russland hat sich, ehrlich gesagt, in Hinblick auf die Ukraine ganz gut verhalten“, behauptete der US-Präsident unterdessen vor dem Weißen Haus gegenüber Reportern. „Sie haben nicht viel unternommen“, erklärte Trump kurz nachdem bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Park in der Ukraine sechs Menschen getötet worden waren, darunter zwei Kinder.
Trump stützt Putin – Ukraine erhebt Vorwürfe
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erhob laut „Axios“ unterdessen im Gespräch mit US-Senatoren erneut den Vorwurf, dass Washington Waffenlieferungen zurückhalte. Selenskyj zufolge genehmige US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die Lieferung von Patriot- und weiteren Luftabwehr-Raketen nicht, obwohl Nato-Staaten diese bereits bezahlt hätten, berichtete „Axios“ unter Verweis auf ein Transkript der Besprechung. „All das deutet darauf hin, dass eine politische Entscheidung getroffen wurde, die Unterstützung für uns zurückzufahren“, sagte Selenskyj demnach.
Die „Washington Post“ berichtete indes unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass der Stopp auch Lieferungen anderer Partner der Ukraine betrifft, deren Lieferung von einer Zustimmung aus Washington abhängt. Ein hochrangiger Beamter aus dem US-Verteidigungsministerium wies die Darstellungen jedoch zurück. Bei dem Programm, mit dem Nato-Staaten US-Waffen für die Ukraine kaufen, habe es keine Änderungen gegeben. Dasselbe gelte für den Austausch von Geheimdienstinformationen.
„Zeit, dass jemand anderes im Namen der Ukraine verhandelt“
Auch Trump reagierte auf die Vorwürfe: „Selenskyj weiß nicht, wovon er spricht. Selenskyj ist ein Mann, der diesen Krieg schon längst hätte beenden müssen“, sagte Trump und fügte hinzu, dass die Ukraine seiner Meinung nach „ihre männliche Bevölkerung verliert“, weil Selenskyj den Krieg „nicht beenden“ wolle.
„Um ehrlich zu sein, denke ich, dass es Zeit ist, dass jemand anderes im Namen der Ukraine verhandelt“, hieß es weiter von Trump mit Blick auf Selenskyj. „Hätte er auf mich gehört, hätte er diese Angelegenheit schon längst geklärt. Vielleicht ist es an der Zeit, dass Selenskyj jemand anderen mit den Verhandlungen beauftragt.“ Der ukrainische Präsident sei bei den Friedensbemühungen „keine echte Hilfe“, sagte Trump.
Trump steht Dreiertreffen mit Putin und Xi offen gegenüber
Der US-Präsident deutete zudem an, dass er einem möglichen Dreiertreffen mit Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping offen gegenüberstehe. Er werde „alles tun, was ich kann, um den Krieg zu beenden“, sagte Trump angesprochen auf den von Putin vorgeschlagenen Dreiergipfel, bei dem die USA, Russland und China über die Zukunft der Ukraine verhandeln wollen, ohne dass die Ukraine beteiligt ist.
Die Pläne und Trumps jüngste Äußerungen sorgen deshalb weiterhin für viel Aufsehen und scharfe Kritik. Der demokratische Senator Dick Durbin, der Berichten zufolge an dem Gespräch mit Selenskyj über die mangelnde US-Unterstützung teilgenommen hatte, drängte angesichts Trumps Konfrontationskurs auf eine Beteiligung der Ukraine. Alle Verhandlungen „über die Zukunft der Ukraine nach Jahren der Verteidigung gegen russische Angriffe müssen die Ukraine miteinbeziehen“, hieß es in einer Erklärung des Senators.
Kritik am US-Präsidenten: „Trump geht sehr nachsichtig mit Putin um“
„Die Ukraine hat sich ihre Freiheit und ihr Recht, über ihre Zukunft selbst zu bestimmen, verdient – das ist nicht Sache von Präsident Trump, diese Rechte an Putin und den chinesischen Präsidenten Xi zu verkaufen, denn seine halbherzigen Bemühungen, den Krieg zu beenden, sind gescheitert“, fügte Durbin hinzu.
Auch bei den Republikanern gibt es Gegenwind für Trumps Kuschelkurs gegenüber Moskau. „Trump geht sehr nachsichtig mit Putin um. Und er geht auch sehr nachsichtig mit der Ukraine und der Demokratie um“, schrieb etwa der republikanische Kongressabgeordnete Don Bacon auf der Plattform X. „Die Amerikaner wollen Besseres. Die Amerikaner stehen für Freiheit“, fügte er hinzu. „Wir lehnen den Diktator ab und verabscheuen den Kriegsverbrecher.“
„Die Geschichte wird kein gutes Bild von Amerika zeichnen“
Auch der republikanische Senator Thom Tillis teilte im Gespräch mit dem US-Sender CNN gegen Trump aus. Der Kremlchef habe Trump völlig im Griff, erklärte Tillis und warnte Trump vor seinem Platz in den Geschichtsbüchern. „Die Geschichte wird kein gutes Bild von Amerika zeichnen, das es versäumt hat, sich zu erheben und die westliche Welt zu verteidigen, wenn Putin sich tatsächlich durchsetzt.“
Der vom Kremlchef vorgeschlagene Dreiergipfel sei „absurd“, hieß es weiter von dem US-Senator, der sich kürzlich selbst ein Bild von der Lage in der Ukraine gemacht hatte. „Ich habe gesehen, was dieser Mörder Wladimir Putin befohlen hat“, sagte Tillis gegenüber CNN. „Ich habe von Frauen gehört, die vor den Augen ihrer Ehemänner vergewaltigt und anschließend ihre Ehemänner ermordet wurden.“
Selenskyj erneuert Angebot an Washington
Der ukrainische Staatschef Selenskyj erneuerte unterdessen am Dienstag sein Angebot an Washington. Die Ukraine könne auf Angriffe auf russische Raffinerien verzichten, wenn die USA dem Land im Gegenzug Flugabwehrraketen, etwa vom Typ Patriot, bereitstellten, erklärte Selenskyj auf der Plattform X, betonte jedoch auch: „Wenn sie uns angreifen und wir nicht zurückschlagen können – das ist weder ehrlich noch fair.“

Nato-Gipfel in der Türkei: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) steht beim Familienfoto hinter US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)
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Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich zum Vorgehen Washingtons – und zu den Plänen Moskaus. Die Menschen sähen nicht, was das eigentliche Ziel Russlands sei, sagte der Kanzler in einem Interview mit Bloomberg. „Und das ist nicht nur territorialer Gewinn in der Ukraine. Das geht weit darüber hinaus.“
Moskaus Machthaber „fürchten die Demokratie, sie fürchten offene Gesellschaften, sie fürchten den Erfolg der europäischen Integration, und sie wollen diesen Erfolg untergraben, und sie sind auf dem Weg, das zu tun“, erklärte Merz. Bei jedem Treffen versuche er, Trump zu überzeugen, dass ein stabiles Europa, ein stabiler europäischer Kontinent, eine stabile EU als Partner auch in seinem Interesse liegen sollte. „Das ist etwas, das sich auch für die Amerikaner lohnt.“
„Gemeinsame russisch-amerikanische Operation“
Politikexperten zeigten sich in ihrer Bewertung der Lage derweil weniger zurückhaltend. Trumps Attacken auf die Ukraine und Putins Vorschlag für einen Dreiergipfel zusammen mit Chinas Machthaber Xi Jinping seien eine „gemeinsame russisch-amerikanische Operation, in der Ukraine eine Marionettenregierung Putins zu installieren“, schrieb etwa Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität Köln, auf der Plattform X.
Auch Yaroslaw Trofimov, Osteuropa-Experte und Korrespondent des „Wall Street Journal“, warnte angesichts des Vorgehens der US-Regierung vor Russlands Plänen. Putin „den Donbass oder sogar Kyjiw zu geben, würde nicht das Ende des Krieges bedeuten, sondern den Beginn eines neuen – mit Russland in einer viel stärkeren Position und den Ukrainern als Kanonenfutter“, schrieb Trofimov auf der Plattform X.