Auf der Krim gibt es nach ukrainischen Angriffen kaum noch Benzin. Die Bewohner sind wütend, der Kreml spielt die Lage herunter.
„Noworossija“-Straße getroffenUkraine bombt Krim in Spritkrise – Pferde-Video sorgt für Häme

Die Krim-Brücke, auch Kertsch-Brücke genannt, ist ein Prestigeprojekt von Kremlchef Wladimir Putin. Nach ukrainischen Angriffen gilt sie als derzeit einzig sichere russische Route auf die Krim. (Archivbild)
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Auf der von Russland kontrollierten Krim kämpfen Autofahrende mit erheblichen Benzinengpässen. Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe auf Nachschubwege, die die Treibstoffversorgung der Halbinsel massiv beeinträchtigt haben. Der von Moskau eingesetzte Besatzungsgouverneur Sergej Aksjonow verhängte nun Kaufbeschränkungen für den meistgenutzten Kraftstoff. Käufe sind seither nur noch mit Bezugsscheinen möglich.
In Sewastopol, der größten Stadt der Krim und traditionellem Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, bildeten sich laut einem Bericht der US-Nachrichtenagentur Reuters lange Warteschlangen an den Tankstellen. „Ich konnte seit zwei Tagen nicht mehr tanken“, berichtete Anwohnerin Oksana Senchenko. „Gestern gab es kein Benzin, und heute fahre ich durch die Stadt – und es gibt kein Benzin, weder 92 noch 95.“
Krim: Ukraine greift „Noworossija“-Schnellstraße an
Der prorussische frühere ukrainische Abgeordnete Oleg Tsaryow erklärte, Drohnenangriffe auf Treibstoff-Lkw auf der sogenannten „Noworossija“-Schnellstraße – dem Landkorridor zwischen dem russischen Festland und der Krim – seien für die Engpässe verantwortlich. Berichten zufolge soll die Krim-Brücke derzeit die einzige sichere Route auf die Halbinsel von Russland aus sein.

Brennende Öldepots nach ukrainischen Angriffen auf der Krim-Halbinsel. (Archivbild)
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Michail Raswoschajew, der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Sewastopol, rief die Bevölkerung zur Ruhe auf: „Die aktuellen Schwierigkeiten sind auf die Notwendigkeit zurückzuführen, Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken und Lieferwege zu optimieren. Es handelt sich um vorübergehende, aber objektive Herausforderungen, die wir überwinden werden.“
Kreml spielt Krise herunter: „Probleme sind lösbar“
Auch der Kreml versuchte am Montag, die Bedeutung der aktuellen Engpässe herunterzuspielen. „Die aktuellen Probleme sind lösbar“, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow mit Blick auf die Krim gegenüber Reportern in Moskau. „Diese Themen haben höchste Priorität. Alle Regierungsebenen arbeiten an einer Lösung.“
Russland kämpft nach mehr als vier Jahren Krieg gegen die Ukraine nahezu täglich mit ukrainischen Angriffen auf seine Ölinfrastruktur. Westliche Sanktionen haben Rohölexporte zusätzlich verteuert. Auch in der russischen Region Belgorod, die an die Ukraine grenzt, wurde der Treibstoffverkauf Berichten zufolge eingeschränkt. Die russische Regierung verhängte zudem am Montag ein Exportverbot für Kerosin bis zum 30. November.
Ukraine setzt Angriffe auf von Russland besetzte Gebiete fort
Die ukrainischen Streitkräfte versuchen unterdessen, die russische Logistik auch in den anderen besetzten Gebieten zu stören. Am Sonntag sind dabei nach Angaben der ukrainischen Armee mehrere Logistikzentren und Lagerhäuser der russischen Truppen im besetzten Gebiet Donezk angegriffen worden.
„Die Angriffe galten den Knotenpunkten der wichtigsten Eisenbahnlinien und Straßennetze. Mit anderen Worten: Die Angriffe zielten auf wichtige Logistikzentren ab, in denen der Feind Personal und Ressourcen für weitere offensive Operationen konzentriert hatte“, zitierte der „Kyiv Independent“ ein ukrainisches Regiment.
Krim: Pferde-Video sorgt für Spott und Häme im Netz
Der Treibstoffmangel auf der Krim-Halbinsel sorgt zu Wochenbeginn für Belustigung in den ukrainischen sozialen Netzwerken. Vielfach teilten pro-ukrainische Accounts etwa ein Video, das nach Angaben des Telegram-Kanals „Exilenova+“ von der Halbinsel stammen soll und auf dem ein Mann zu sehen ist, der auf einem Pferd reitet.
„Aufgrund der Benzinknappheit steigen die Menschen auf der Krim auf Pferde um“, schrieb der Kanal zu den Aufnahmen. Unabhängig überprüfen lässt sich derzeit jedoch nicht, ob das Video tatsächlich von der Krim stammt. Auch wann es aufgenommen wurde, kann nicht geprüft werden.
