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Arbeit in der PflegeDer alltägliche Ausnahmezustand

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Die Pflege älterer Menschen ist eine besondere Herausforderung.

  1. In seiner Kolumne „Aus der Praxis” schreibt Dr. Magnus Heier wöchentlich über ein wichtiges medizinisches Thema.
  2. Heute beschäftigt er sich mit der Arbeit von Pflegekräften zu Hause und in Heimen.
  3. Sein Fazt: Ihre Arbeit muss mehr gewürdigt werden. Wir sollten häufiger mal Danke sagen!

Weihnachten ist vorbei, die Besucher sind wieder zu Hause, der Alltag ist zurück. Für viele eine Erleichterung. So sehr man sie mag – Eltern, Großeltern, Großtanten und -onkel – so anstrengend können sie sein. Viele sind schwierig, einige sind körperlich eingeschränkt, einige haben irgendeine Form von Demenz. Längst sind sie zurück in ihren eigenen vier Wänden – oft betreut von ambulanten Pflegediensten. Oder zurück im Betreuten Wohnen – umsorgt von Pflegekräften, tags und nachts.

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Dr. Magnus Heier

Die Zeit nach dem traditionellen Familienfest ist der richtige Moment für eine Würdigung: der Pflegekräfte in Heimen und zu Hause. Ihrer Arbeit unter der Woche und am Wochenende. In den Ferien und an hohen Feiertagen. Im Gegensatz etwa zu Behörden schließen Pflegestationen nie. Sie haben keine Betriebsferien. Sie sind einfach immer da. Wahrgenommen werden sie aber nur, wenn etwas schiefgeht. Wenn es zu Pflegeunfällen kommt, wenn Medikamente verwechselt werden oder überhaupt der Umgang mit den Patienten schiefgeht. Wenn es normal läuft, dann wird die Pflege alter Menschen – ambulant oder stationär – nicht wirklich bemerkt. Wir haben uns einmal, nach dem Tod einer Großtante, in der Todesanzeige bei den Schwestern und Pflegern für ihre vorbildliche, jahrelange Arbeit bedankt. Das war noch nie vorgekommen.

Öfter mal Danke sagen

Sollte es aber. Denn die Pflege alter Menschen kann eine überaus schwierige Aufgabe sein - vor allem dann, wenn die Patienten dement sind. Ich hatte einmal nachts im hausärztlichen Dienst einen sehr alten Patienten, vor dem die Pflegerinnen mich warnten: „Vorsicht, er boxt.“ Was zunächst wie ein Witz klang, angesichts eines altersschwachen Menschen, wurde plötzlich sehr real: Er versuchte wirklich, zuzuschlagen. Es stellte sich heraus, dass der Mann ehemaliger Profiboxer war. In dem Fall kein Problem, denn beim Blutdruckmessen kann man ausweichen. In der Pflege, beim Waschen, Betten, Ankleiden, wenn man den Patienten halten muss, kann man das ausdrücklich nicht. Trotzdem tun Pflegerinnen und Pfleger das alles täglich. Gewürdigt wird es nicht, im Gegenteil: Allzu oft spielen sich die Angehörigen in arroganter Weise auf. Was sie sich dem Arzt gegenüber nicht zu sagen trauen, lassen sie gegenüber dem Pflegepersonal oft ungefiltert raus. Was natürlich nicht für alle gilt, aber für erschreckend viele.

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Die Patienten selbst können oft nicht anders. Sie können bei der Pflege nicht helfen, wenn sie körperlich zu schwach sind. Sie können nichts für Inkontinenz. Sie können ihr Verhalten nicht kontrollieren, wenn sie eine fortgeschrittene Demenz haben. Gern und häufig wird dann über die emotionale Belastung von Ärzten diskutiert, im Umgang mit Schwerstkranken und Sterbenden. Darüber, dass Ärzte überzufällig häufig suchtkrank sind. Aber dass diese Probleme für Krankenschwestern, vor allem für Altenpfleger ebenso gelten, mindestens, wird gern vergessen. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Ein Vorsatz für 2020: einfach mal Danke sagen!