Frage des TagesWie soll die Qualität der Pflege gesichert werden?

Eine ältere Frau geht mit einem Rollator über einen Flur eines Pflegeheims. (Symbolbild)
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Berlin – Wenn nahezu jedes Pflegeheim in Deutschland die Note 1 bekommt, kann etwas nicht stimmen mit dem Prüfsystem - denn Mängel sind weit verbreitet. Damit Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in Zukunft eine Einrichtung auf Basis aussagekräftiger Bewertungen aussuchen können, wurde nun der "Pflege-TÜV" umfassend reformiert. Seit Dienstag wird das neue Prüf- und Qualitätssystem schrittweise umgesetzt, das die Heime besser abbilden und letztlich auch zu einer Verbesserung der Pflegeführen soll.
Wer erhebt welche Daten und wo sind diese abrufbar?
Das neue System ruht auf drei Datensäulen: der internen Erhebung der Pflegeheime, der externen Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) sowie allgemeinen Informationen zu den Einrichtungen wie etwa der Ausstattung der Zimmer. Verfügbar sind die zusammengeführten und aufbereiteten Informationen ab Anfang 2020 auf den Internetseiten der Pflegekassen.
Wie läuft die interne Prüfung ab?
Die stationären Einrichtungen erheben halbjährlich Daten zur Versorgung ihrer Bewohner - etwa wie mobil und selbstständig diese sind, ob sie ungewollt Gewicht verloren haben oder an den Folgen eines Sturzes leiden. Diese so genannten Qualitätsindikatoren werden an die Datenauswertungsstelle (DAS) weitergeleitet, dort auf Plausibilität geprüft und ausgewertet.
Die DAS vergleicht anschließend die Ergebnisse jedes Heims mit denen aller anderen Heime bundesweit. Jede Einrichtung erfährt dann in einer Rückmeldung, wie sie im Vergleich abschneidet. Auch die MDK erhält diesen Bericht. Die regelmäßige Indikatorenerhebung ist aufwändig, die Heime müssen ihre Mitarbeiter dafür schulen.
Was machen die externen Prüfer?
Wie bisher auch fußt die Bewertung der Pflegequalität durch den MDK auf einer Inaugenscheinnahme der Bewohner und einem persönlichen Gespräch mit ihnen. Stichprobenartig untersuchen die MDK-Prüfer bei neun Heimbewohnern deren Versorgung.
Dabei geht es etwa darum, wie gut die Bedürftigen bei Mobilität und Selbstversorgung unterstützt werden, wie die Medikamentengabe funktioniert oder ob Schmerzen systematisch erfasst werden. Wichtig ist aber auch, ob das Heim bei der Gestaltung des Alltagslebens und sozialen Kontakten hilft oder wie Menschen mit Demenz unterstützt werden.
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Bei sechs der neun Bewohner schaut der MDK dann, ob die vom Heim übermittelten Indikatoren plausibel sind. Wichtig ist ferner ein Fachgespräch der Prüfer mit den Pflegekräften vor Ort. Dabei kann der MDK auch Empfehlungen zur Verbesserung der Pflege geben.
Nach welchen Kategorien bewertet der MDK?
Der MDK bewertet die Heime nach vier Kategorien: keine Auffälligkeiten oder Defizite, Auffälligkeiten, bei denen keine Defizite erwartet werden - zum Beispiel, wenn ein Bewohner selbstständiger essen kann als in der Dokumentation angegeben, Defizit mit Risiko negativer Folgen - etwa weil das Heim auf ein Problem nicht reagiert, und Defizit mit eingetretenen negativen Folgen. Letzteres ist der Fall, wenn beispielsweise ein Bewohner aus Verschulden der Einrichtung unterernährt ist.
Was geschieht bei festgestellten Defiziten?
Die MDK-Prüfer machen einen Bericht für die Pflegekasse und das Heim. Stellen sie Mängel fest, empfehlen sie konkrete Maßnahmen zu ihrer Behebung. Die Pflegekasse kann Auflagen erteilen, eine weitere Prüfung veranlassen, die Vergütung kürzen und im äußersten Fall den Versorgungsvertrag kündigen.
Ab wann wird der neue "Pflege-TÜV" umgesetzt?
Die internen Erhebungen der Heime starten am 1. Oktober. Der MDK prüft ab dem 1. November die Einrichtungen - dies wird einen Tag vorher angekündigt. Voraussichtlich ab Anfang 2020 sollen die ersten Prüfergebnisse im Internet veröffentlicht werden, ab Mitte kommenden Jahres dann die ersten Indikatorenergebnisse aus den Heimen selbst.
Bis Ende 2020 sollen alle Heime einmal geprüft worden sein. Ab dann sollen sie einmal im Jahr untersucht werden - Heime mit guten Indikatoren- und Prüfergebnissen ab 2021 nur noch alle zwei Jahre. (afp)


