Amtlich und entsprechend wenig sinnlich regelt die „Handstrauß-Regelung“, was jedes Kind mal machen will: Blumen pflücken auf einer wilden Wiese. Das ist erlaubt, solange sie in geringen Mengen und nur für den persönlichen Bedarf gesammelt werden. Die Ausnahmen: In Naturschutzgebieten ist es komplett untersagt, Pflanzen zu sammeln, und geschützte Blumen wie Orchideen oder Schwertlilien muss man natürlich stehenlassen.
„Vielen der »besonders geschützten Arten« wird man auf einem Spaziergang kaum begegnen“, sagt Matthias Kaiser vom Landesumweltamt NRW. Einen „Frauenschuh“ oder eine „Kuhschelle“ zufällig zu entdecken fällt schon unter botanische Rarität. Tatsächlich stehen teils auch häufige Arten unter Schutz, etwa die Seerose oder die Schlüsselblume. Naturschützer beobachten zudem, dass seit einigen Jahren auch eigentlich häufige Wildblumen seltener werden. „Das trifft besonders auf die Blumen zu, die auf landwirtschaftlichen Nutzflächen wachsen. Margeriten oder Wiesenschaumkraut - das sind Arten, die nun am meisten gefährdet sind“, sagt der Biologe Thomas Hövelmann, oberster Botaniker beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Der Grund für den fortschreitenden Artenrückgang bei Wiesen- und Ackerblumen liegt in der intensiven Bewirtschaftung: Viel Dünger, starke Entwässerung, effektive Herbizide machen den Blühern den Garaus, Getreide steht so dicht, dass etwa die Kornblumen nicht mehr durchkommen. Trotzdem: Dass für zu Hause Blumen gepflückt werden, stört den Naturschützer nicht. „Rein privates, maßvolles Pflücken bedroht keine einheimische Pflanze. Das heißt ja auch: Menschen beschäftigen sich mit dem Thema, sie erfreuen sich an Naturschönheit und entwickeln dadurch auch ein Gefühl für Natur“, sagt Hövelmann.
Je vorsichtiger man dabei vorgeht, desto besser: Die Blume nicht mit der Wurzel ausreißen, am besten trennt man den Stängel sogar mit einem Messer durch. Für den Schutz der heimischen Wildblumen fordert der NABU politisches und privates Engagement: Landwirte sollten durch finanziellen Ausgleich dazu motiviert werden, Feldränder und Wiesen ungedüngt zu lassen. Verbraucher könnten durch den Kauf von regional erzeugten Bioprodukten dazu beitragen, dass Nutzflächen schonender bewirtschaftet werden und die Flora weniger unter Düngung und Pestizideinsatz leidet.
