Luft und Licht rings um ein Haus, das suchte er. Und so kam es, dass der Pianist Johannes Götz vor zehn Jahren nach Hasenbach zog, in jenen Weiler nahe Neunkirchen, der früher einmal als reines Wochenendziel ausgewiesen war, mit weitem Blick über das Land und einer Schafherde auf dem Nachbargrundstück. Eingelebt hat er sich mit seiner Frau und Sohn Maurizio längst, und noch mehr: Nicht weniger als fünf Chöre aus der Umgebung - an jedem Abend eines Werktages einen - leitet der Musiker heute.
Nach und nach, mit herzlicher Unterstützung vor allem der Nachbarn, wuchsen die Kontakte. Für Götz schlägt das Herz von Neunkirchen-Seelscheid in den kleinen Orten, ein Herz, das sich im Gesang niederschlägt. Mit dem MGV Gemütlichkeit Söntgerath, dem Quartettverein Eischeid, dem Gemischten Chor Bröleck, dem Kirchenchor Hermerath St. Cäcilia und dem MGV Wohlfahrt geht er als Dirigent auf Liederreise, und wichtiger als musikalische Höhenflüge ist ihm vor allem eines: Es soll den Leuten Spaß machen. Freilich ist er dennoch ein wenig stolz auf das letzte Großprojekt: die wohl erste Aufführung weit und breit von Georges Bizets Te Deum.
Wer sich mit Johannes Götz über Chöre unterhält, dem könnten sich Bilder aus einem preisgekrönten schwedischen Kinofilm aufdrängen. Wie im Himmel heißt der und handelt auch von der Lust des Singens. Das habe ich schon oft gehört, zuckt Götz bedauernd die Achseln, aber gesehen hat er diesen Film noch nicht. Denn ins Kino kommt er nie, müsste er sich doch sozusagen einen Abend eigens freinehmen und einen seiner fünf Chöre verprellen oder auf eines der Chor-Grillfeste oder Sommerfeste, an denen er gerne teilnimmt, verzichten.
Mit elf Jahren, und für einen Pianisten ungewöhnlich spät, erhielt der gebürtige Andernacher seinen ersten Klavierunterricht. Es war nicht einfach, ein Klavier zu beschaffen, erinnert sich der heute 41-Jährige, und unendliche Übungszeiten blieben dem Jungen in der Etagenwohnung und neben der Schule auch nicht. Dennoch spielte er sich mit 16 Jahren schon förmlich in die Kölner Musikhochschule ein, wurde als so genannter Jungstudent aufgenommen und erhielt dort entgeltfrei besten Klavierunterricht. Später studierte Götz in Köln und auch Düsseldorf weiter.
Sein Wissen und Können gibt er heute an der Brühler Musikschule an viele Klaviereleven weiter. Und auch hier gilt sein Credo: Der strenge Ton hat mir nie gelegen. Auch wenn er sie spürt, die Verantwortung, die ein Lehrer für die begabteren unter den Schülern hat. Er selbst nimmt sich ein, zwei Mal im Jahr die Freiheit, ein ganz besonderes Konzert anzuhören. Wie jüngst eines von Maurizio Pollini im berühmten Wiener Musikvereinssaal. Sein letztes noch lebendes Idol, erzählt der Pianist, der auch den verstorbenen Vladimir Horowitz sehr verehrt.
Wenn Johannes Götz seinen Herzenskomponisten nennen soll, dann wird es schwieriger. Bach, sagt er, sei unvergleichlich. Als Pianist würde er dann Chopin nennen. Und die h-Moll-Sonate von Liszt, das ist verkappte Faust-Dichtung in jeder Beziehung.
Am 30. November werden von ihm jedoch, zu Ehren des 150. Todestages, im Brühler Max-Ernst-Museum Werke von Robert Schumann zu hören sein. Dann wird er den schwierigsten Teil des Programms ganz nach vorne nehmen, sein persönliches Mittel gegen Lampenfieber. Das gibt zwar Blessuren, weiß er. Aber dann hat man nicht nach der Pause noch das Schlimmste vor sich.