Kölner Preview von „Moulin Rouge"„Jetzt können wir es dem Publikum zeigen!“

Kaum wieder zu erkennen: das Innere des Musicaldomes.
Copyright: Axel Hill
Köln – Ist das noch der Musical Dome? Als Produzent Maik Klokow ankündigte, dass man den Theaterraum nicht wiedererkennen werde, konnte man das noch als Werbeversprechen für die neue Show „Moulin Rouge“ verbuchen. Doch er hat Wort gehalten: Beim ersten Betreten ist man als langjähriger Besucher bass erstaunt, dass das blaue Zelt im Innern eine üppig-plüschige Atmosphäre verstrahlt. Sanft drehen sich die Flügel der roten Windmühle, stolz überblickt der blaue Elefant die Szenerie, rote Drappagen, güldene Säulen und Balkone, 25 Kronleuchter, Lichtergirlanden, Lämpchen noch und nöcher – hier kann man jetzt wirklich die tragische Liebesgeschichte zwischen einem mittlelosen Dichter und einer Kurtisane aufführen, die in dem legendären Pariser Nachtclub spielt.
Euphorisiert vom ersten Durchlauf
Und auch die Darsteller stehen in den Startlöchern: Donnerstag gab es den ersten Durchlauf, Montag findet eine erste, noch interne Aufführung statt, Dienstag kommen dann zum Start der Voraufführungen zum ersten Mal zahlende Zuschauer. „Und ich freue mich, dass wir es jetzt endlich auch Publikum zeigen können“, sagt Sophie Berner, die die Satine singen, tanzen und spielen wird. Die Reaktionen im Saal helfen nun beim letzten Feinschliff: „So dass man weiß, da kommt jetzt ein Lacher, so dass man sich etwas mehr Zeit lassen kann.“
Mit ihrem „Christian“, Riccardo Greco, stimmt auch nach der anstrengenden zweimonatigen Probenzeit die Chemie noch. „Wir haben eine Leichtigkeit miteinander, können offen miteinandersprechen, uns in die Augen schauen und wissen, wie es dem anderen geht“, erzählt Sophie Berner. Auch musikalisch harmonieren die beiden bestens. Als sie bei der Präsentation zusammen „Your song“ singen, verschmelzen ihre Stimmen auf betörende Weise.

Bei den Kostümen wird noch an Details gearbeitet.
Copyright: Thomas Brill
Der Klassiker von Elton John gehört übrigens zu den Nummern, die auf Deutsch gesungen werden. „Das haben wir bei den Liedern gemacht, die die Handlung vorantreiben sollen“, erklärt Klokow. Aber 50 Prozent der 70 bekannten Hits, mit denen „Moulin Rouge“ gespickt ist, werden auf Englisch gesungen. Bis zur Premiere am 6. November könne sich in Sachen Songauswahl noch das eine oder andere ändern, je nach dem wie das Publikum hier oder da reagiere. Das kann man sich kaum vorstellen bei einer so auf geölte Maschinerie getrimmten Show, in der es kaum Raum für spontane Aktionen gibt.
Karten und Preise
Gespielt wird „Moulin Rouge“ an sechs Tagen der Woche (Montag ist spielfrei), die Vorstellungen beginnen Dienstag, Mittwoch und Sonntag jeweils um 19.30 Uhr, Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr. Samstags gibt es eine zusätzlich Aufführung um 15 Uhr, an manchen Sonntagen auch um 14.30 Uhr. Die genauen Informationen finden sich unter www.moulin-rouge-musical.de
Die Previews beginnen am 18. Oktober, die Premiere ist für den 6. November angesetzt.
Die Preise sind wie üblich nach Wochentagen und Kategorien gestaffelt – sie beginnen bei 49,90 Euro in der Donnerstagvorstellung und kosten in der höchsten Kategorie am Samstagabend bis zu 180 Euro. Während der Previews sind Preise noch ein wenig niedriger angesetzt. (HLL)
Während die Proben des Ensembles im August begannen, ging es mit dem Umbau schon im Mai los. „Es ist kein Stein auf dem anderen geblieben!“ bringt Klokow die Baumaßnahmen auf den Punkt. Auch wenn ein paar Tage, bevor sich die Saaltüren für die Zuschauer öffnen, überall noch Handwerker und Techniker wuseln und im Backstagebereich noch Perücken geknüpft oder Pailletten geklebt werden, ist man im Zeitplan. „Und das obwohl wir zum Beispiel Lieferengpässe hatten: Da standen zum Beispiel LKW zwei Tage in Amsterdam, weil die Schiffen mit Containern noch nicht angekommen waren.“
Aber letztlich ist alles angekommen, was erstaunlich ist, da vieles aus aller Herren Länder herangeschafft wurde. Aber da Köln die fünfte „Moulin Rouge“-Produktion auf die Bühne bringen wird, setzte man zum Beispiel bei den Kostümen auf Ateliers, mit denen man schon für die New Yorker oder Londoner Aufführungen zusammenarbeitete. Und die detailfreudigen Cancan-Kleider, die alle farblich unterschiedlich gestaltet sind, wurden in Australien gefertigt. Aber es ist auch rheinisches Know-how an Bord: Die Düsseldorferin Simone Dali fertigte nach den Vorgaben von Kostümdesignerin Catherine Zuber aufwendige Kopfbedeckungen an.

Kaum wieder zu erkennen: das Innere des Musicaldomes. Die Hauptdarsteller Sophie Berner und Riccardo Greco stehen in der Startlöchern, die Kostüme warten darauf, vorgeführt zu werden – auch wenn noch an Details gearbeitet wird.
Copyright: Fotos: Axel Hill (1)/Thomas Brill(3)
Bleibt halt nur die Frage aller Fragen: Werden die Kassen klingeln? Aber während all überall in der Kulturbranche über mangelnden Besucherzuspruch geklagt wird, verströmt Maik Klokow ungebremsten Optimismus. Verständlich, 21 Millionen Euro Investition wollen amortisiert werden.
„Moulin Rouge": Hervorragende Vorverkaufszahlen
„Aber die Vorverkaufszahlen sind die höchsten, die es je bei einer Show im Musical Dome gegeben hat.“ Über konkrete Zahlen schweigt er sich aus. „Ich bin seit mehr als 30 Jahren in der Branche, und ich habe in dieser Zeit Krisen erlebt, die aber nie bei uns ankamen. Bislang wirke sich die Zurückhaltung beim Theaterbesuch weder auf „Moulin Rouge“ noch auf seine anderen Shows, „Starlight Express“in Bochum und „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg, aus.
„Aber jeder Produzent ist gut beraten, zur Zeit keine Klassiker wie ,Phantom der Oper’ aufzuführen.“ Diese zögen eher das ältere Publikum an, welches zur Zeit noch Bedenken hat, Kulturveranstaltungen zu besuchen. Ein Problem, das Klokow ebenfalls bei Opernhäusern und Stadttheatern sieht.
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Regisseur Alex Timbers, der das Musical am Broadway oder in London inszeniert hat, denkt, dass das hiesige Publikum von dieser Show angetan sein wird: „Die Deutschen lieben Spektakel, Romantik und Comedy – und all das bieten wir“. Nun müssen sich nur noch genügend Menschen finden, die sich die ordentlichen, aber letztlich branchenüblichen Preise (siehe Infokasten) auch leisten wollen.


