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Umzug beschlossenAlanus Hochschule verlässt Alfter und zieht nach Bad Honnef

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Erstsemersterbegrüßung auf dem Campus II im vergangenen Jahr.

Mehr als fünf Jahrzehnte war die Alanus Hochschule in Alfter ansässig.

Die Alanus Hochschule gibt ihren Standort in Alfter auf. Ab 2027 erfolgt der schrittweise Umzug nach Bad Honnef.

Für viele Menschen in Alfter und der Region dürfte die Nachricht wie aus heiterem Himmel gekommen sein, dabei kochte die Gerüchteküche bereits seit dem vergangenen Jahr: Gestern wurde nun bekannt, dass die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter verlässt und schrittweise ab September 2027 nach Bad Honnef verlegt wird. Dies erklärte die Hochschule am gestrigen Mittwoch. Damit endet eine jahrzehntelange Ära für die Gemeinde Alfter als Hochschulstandort. Noch 2023 hatte die Alanus Hochschule mit einem großen Festjahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Sie wird eine Lücke in der Gemeinde Alfter hinterlassen
Alfters Bürgermeister Christian Lanzrath (SPD)

Laut Pressesprecher Felix Cornelsen hat die Trägerin der Hochschule, die Emil-Molt-Stiftung, diese Entscheidung in Abstimmung mit dem Hochschulsenat getroffen. Ziel sei es, die Standorte neu zu bündeln und ihre räumliche Organisation „grundlegend“ neu aufzustellen: „Künftig werden alle Studiengänge sowie Lehr-, Forschungs- und künstlerische Aktivitäten an einem gemeinsamen Standort zusammengeführt. Die räumliche Konzentration soll bessere Voraussetzungen für den Austausch zwischen den Disziplinen schaffen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit in Lehre, Forschung und künstlerischer Praxis stärken.“

Die Entscheidung sei Teil einer strategischen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung der Hochschule, heißt es weiter. Sie trage dazu bei, die langfristigen strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschule zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Übergang ab Herbst 2027

Die 1973 gegründete Kunsthochschule hat zwei Standorte, den Campus I auf dem Johannishof. 2009 kam an der Villestraße der Campus II hinzu. „Mit der Bündelung unserer Standorte in Bad Honnef schaffen wir die Grundlage für die zukunftsfähige Entwicklung der Hochschule. Wenn Studierende, Lehrende und Mitarbeitende künftig an einem Ort zusammenkommen, entstehen neue Möglichkeiten für den interdisziplinären Austausch und die Zusammenarbeit. Gerade diese enge Vernetzung gehört zum Profil der Alanus Hochschule und kann künftig noch stärker gelebt werden“, erklärte gestern Rektor Prof. Dr. Thomas Maschke.

Der Studien- und Arbeitsbetrieb an den bisherigen Standorten werde zunächst unverändert fortgeführt. Der Übergang nach Bad Honnef erfolgt ab Herbst 2027 schrittweise über einen längeren Zeitraum. Der konkrete Zeitplan und die einzelnen Umsetzungsschritte werden laut Cornelsen derzeit erarbeitet.

Bittere Nachricht für Alfter

Erste Gerüchte kursierten bereits seit 2025, nachdem die „IU International University of Applied Sciences in Standort in Bad Honnef aufgegeben hatte. Der freigewordene zentral im Ort liegende Campus sei laut Cornelsen ein „etablierter Hochschulstandort“, der bereits seit dem 1. Oktober 2025 von der Emil-Molt-Stiftung genutzt wird. Moderne Lehr- und Arbeitsräume sowie Studierendenwohnungen direkt auf dem Campus sind vorhanden: „Die kompakte Campusstruktur ermöglicht kurze Wege und schafft gute Voraussetzungen dafür, Studium, Lehre, Forschung und künstlerische Arbeit an einem Ort zusammenzuführen.“ Ein Café, eine Bar, ein Restaurant und die Mensa auf dem Campus sind ebenfalls vorhanden.

Alfters Bürgermeister Christian Lanzrath (SPD) sprach von einer „bitteren Nachricht“ und bedauerte diese unternehmerische Entscheidung zutiefst: „Sie wird eine Lücke in der Gemeinde Alfter hinterlassen“. Nach zunächst positiv gesendeten Signalen für einen Standorterhalt sei dies eine Enttäuschung. Auch der Standort Mannheim werde betroffen sein.

Erstsemersterbegrüßung auf dem Campus II im vergangenen Jahr.

Diese Bilder vom Semesterbeginn und Campusleben werden in Alfter bald der Vergangenheit angehören.

Die Gründung 1973 ist eng mit der kommunalen Neugliederung und der Gründung der Gemeinde Alfter 1969 verbunden. Lanzrath sprach von „Wurzeln der gemeinsamen Geschichte“. Die enge Zusammenarbeit spiegelte sich wieder im Engagement der Bürgermeister im Kuratorium zur Förderung der regionalen Einbindung und der inhaltlichen Entwicklung der Alanus Hochschule, der Mitgliedschaft in der Alanus Stiftung sowie dem regelmäßigen Austausch der Verwaltungsspitzen mit der Geschäftsführung und den Rektorinnen und Rektoren. Sie beinhaltete unter anderem auch die Förderung von Deutschland-Stipendien durch Unternehmen und die finanzielle Unterstützung des Fördervereins der Alanus Hochschule durch die Gemeinde Alfter.

Gemeinsame Projekte über Jahrzehnte

Auch in zahlreichen Projekten, wie dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) für den Ortskern Alfter und – wie zuletzt – in der Kooperationsvereinbarung mit dem Bachelorstudiengang „Kindheitspädagogik“ oder dem gemeinsamen Kunstprojekt „Verwobene Welten“ für Kinder mit Fluchthintergrund habe man erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet: „Die Vielzahl der Projekte über Jahrzehnte hinweg dokumentiert die bisherige, gelebte Partnerschaft. Auch mit der Verabschiedung der Resolution zur Stärkung der Alanus Hochschule sendete der Rat der Gemeinde Alfter ein Zeichen in Richtung der Geschäftsführung der Alanus Hochschule für den Standorterhalt.“

Lanzrath betonte, dass Alanus sich in Alfter stets wohlgefühlt habe: „Umso schmerzlicher ist es, dass nun aus rein wirtschaftlichen Gründen der Abschied bevorsteht.“ Es sei nun Aufgabe von Politik, Verwaltung und Gesellschaft, die angekündigte Veränderung anzunehmen und weiterhin in Verbindung mit der Alanus Hochschule zu bleiben.

Bad Honnef erfreut

Während die Gemeinde Alfter ihren Status als Hochschulgemeinde verliert, wird Bad Honnef Hochschulstandort bleiben, worüber sich Bürgermeister Philipp Herzog (CDU) erfreut zeigte. Um einen weiteren Leerstand in der Stadt zu verhindern, hatte Herzog nach seinem Amtsantritt im November 2025 den Kontakt zu Alanus gesucht.

Dass nun eine Entscheidung für den Standort Bad Honnef getroffen wurde, wird als Chance für mehr Prosperität verstanden. Herzog: „Die Fortsetzung der akademischen Bildung und auch die Studentinnen und Studenten, die hier verweilen, einkaufen, eventuell auch wohnen oder später arbeiten werden, bringen in unsere Stadtmitte die wichtigen Impulse einer Veränderung und eines Aufbruchs, die wir in den vergangenen Jahren trotz vieler guter Signale schlussendlich weiter schmerzlich vermisst haben.“


Historie

30 Studierende gründen 1973 eine freie anthroposophisch ausgerichtete Kunststudienstätte auf dem Johannishof, oberhalb Alfters, benannt wird sie nach dem mittelalterlichen Mönch „Alanus ab Insulis“, der im 12. Jahrhundert lebte. 2003 erfolgt die Anerkennung als Staatliche Hochschule, 2009 kommt der Campus II an der Villestraße hinzu.

Auf dem heutigen Campus I befinden sich bis heute Ateliers, die darstellenden Künste, das Hoftheater und eine Cafeteria.