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Blick hinter die KulissenFreilichtbühne Alfter präsentiert neues Theaterstück „Der Wind in den Weiden“

6 min
Probenszene bei der Freilichttheather Alfter.

Probenszene bei der Freilichttheather Alfter.

Die öffentliche Generalprobe findet am Samstag, 4. Juli, statt, die Premiere am Sonntag, 5. Juli.

Aufgeregtes Stimmengewirr, fröhliche Musik, lauschige Temperaturen und dazu bewegen sich die Blätter der Bäume im Wind – wer dieser Tage am Buchholzweg oberhalb Alfters vorbeikam und dort für einen Abstecher anhielt, der sah sofort: Da ist buchstäblich etwas ganz Besonderes im Busch. Das Ensemble der Freilichtbühne Alfter lud ein zum Blick hinter die Kulissen und zum Reinschnuppern in die Probenarbeit. Anfang Juli feiert der Theaterverein mit seiner neuen Inszenierung „Der Wind in den Weiden“ Premiere.

Amphitheater mitten im Grünen

Die Schauspieler und Musiker stimmten gemeinsam mit Regisseur Dennis Palmen die Besucher auf die neue Theatersaison ein. Erstmals nahm der Freilichtbühnenverein dafür teil an der Frühlingsaktion „Alfter bewegt“ um für sein neues Stück zu werben. In den vergangenen Jahren gab es am Herrenwingert in Alfter-Ort und im Suti-Einkaufszentrum in Roisdorf jeweils Kick-off-Veranstaltungen, doch die Resonanz war nicht so wie erhofft, schilderte Vorstandsmitglied Peter Eßer, so dass man in diesem Jahr bei „Alfter bewegt“ andocken wollte.

Durchaus eine gute Idee, denn das muntere Treiben rund um die große Hauptbühne mit seinem kleinen Amphitheater mitten im Grünen machte sofort Lust auf mehr: „Da steigt doch sofort die Vorfreude auf die Premiere“, meinte eine Besucherin aus Bonn.

Ylvi und Robin Hengesbach bereiten die Hauptbühne vor.

Ylvi und Robin Hengesbach bereiten die Hauptbühne vor.

Darum geht es: „Der Wind in den Weiden“, 1908 veröffentlicht von dem schottischen Autor Kenneth Grahame (1859 – 1932), zählt neben „Alice im Wunderland“ und „Peter Pan“ zu den drei erfolgreichsten Kinder- und Jugendbüchern im englischsprachigen Raum, wenn man „Harry Potter“ mal außen vor lässt, schildert Regisseur Dennis Palmen. Das Stück spielt um die Wende des vergangenen Jahrhunderts.

Ein junger, heranwachsender Maulwurf wird von seiner Familie hinaus ins Leben geschickt um auf eigenen Füßen zu stehen. Doch der Maulwurf ist ziemlich schüchtern und ängstlich, um ihm Mut zu machen, begleitet ihn eine quirlige, stets singende Wasserratte, die wiederum den schillernden, extrovertierten Kröterich kennt. Zu dritt machen sie sich auf, um die Menschenwelt zu erkunden.

Ein weiser Dachs und ein wuseliger Wiesel schließen sich dem ungleichen Trio an. Das Abenteuer beginnt. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten: „Wir wollen natürlich, dass das Publikum neugierig bleibt und werden nicht spoilern“, so Birgit Pinsdorf, die in diesem Jahr zum ersten Mal für die Öffentlichkeitsarbeit für den Theaterverein verantwortlich zeichnet, da der bisherige Pressesprecher Thomas Lehnen die Leitung der Theaterband übernommen hat.

Die Band probt vor Hauptbühne.

Die Band probt vor Hauptbühne.

Ein neues Gesicht ist auch Dennis Palmen. Der Düsseldorfer Kulturmanager, Regisseur, Autor und Komponist inszeniert zum ersten Mal ein Stück für die Freilichtbühne Alfter und tritt damit in Fußstapfen des langjährigen Regisseurs Bernhard Altfeld, der sich nach der letzten Inszenierung, „Der Zauberer von Oz“ in 2024 und 2025, für dieses Jahr eine kreative Auszeit gönnt. Palmen hat an verschiedenen Bühnen in Düsseldorf und Neuss bereits Werke für Kinder und Erwachsene inszeniert, mit dem „Wind in den Weiden“ bringt er nun erstmals ein Spiel für die ganze Familie auf die Bühne. Zum Wandertheater kam er über seine Bekannte Mareike Osenau, die zum Verein gehört und dafür bereits einige Stücke mit inszeniert hat.

Die Idee, Grahames Geschichte zu adaptieren, war Palmens Vorschlag: „Es ist bis heute eines meiner Lieblingskinderbücher und ich fand, es passt hervorragend zu der inklusiven Ausrichtung der Freilichtbühne, denn die Moral, die die Figuren und die Zuschauer aus der Geschichte mitnehmen können, sind Gemeinschaft, Freundschaft und die Verbundenheit zur Natur.“ Besonders beeindruckt Palmen, dass in dem Ensemble jeder Mensch, ob mit oder ohne Behinderung und je nach Talent und Charakter mitwirken kann. Dennis Palmen schrieb das Kinderbuch für die Inszenierung um und komponierte fünf Songs, die die Band dann live spielen wird. Die Proben laufen seit April. Wie in den Jahren zuvor auch, werden alle Hauptrollen doppelt besetzt, die Schauspielerinnen und Schauspieler wechseln sich ab oder können einspringen, falls mal jemand krankheitsbedingt ausfällt.

Birgit Pinsdorf (links) und Lina Bruns fiebern der Premiere entgegen.

Birgit Pinsdorf (links) und Lina Bruns fiebern der Premiere entgegen.

Mit dabei ist wieder Lina Bruns, die sich die Rolle des kessen Kröterichs mit Nadine Orth teilt. Bruns stand schon als Jugendliche als „Tinkerbell“ in „Peter Pan“ auf der Freilichtbühne, in der vergangenen Saison war sie eine der beiden Dorothys in „Der Zauber von Oz“. „Ich bin dankbar, dass ich zum zweiten Mal eine große Rolle spielen darf.“ Bruns mag die Rolle des frechen Frosches sehr: „Er ist sehr konsumorientiert, alle sollen nach seiner Pfeife tanzt, bis er merkt, dass man Probleme nur gemeinsam lösen kann.“ Die 19-Jährige hat ehrgeizige Ambitionen. Derzeit bewirbt sie sich um einen Platz an einer Schauspielschule und ist bereits auf einem guten Weg: Sie konnte sich bei einem Casting am Schauspielhaus Bonn durchsetzen, wo sie aktuell in dem Drama „Biographie: Ein Spiel“ von Max Frisch zu sehen ist.

Ylvi rückt gerade ein paar historisch anmutende Sessel auf der Bühne zurecht. Die 15-jährige Bonnerin ist zum zweiten Mal dabei und wird im Sommer eine Dienstmagd spielen: „Ich freue mich schon sehr drauf, wenn es endlich losgeht.“ Beim Möbelrücken half ihr Robin Hengesbach. Der Bühnenbildner ist zuständig für den Kulissenbau und die Requisiten. Das notwendige Mobiliar bekommt das Ensemble auch schon mal geschenkt, schildert Birgit Pinsdorf, zuletzt ein schmuckes altes Klavier. Und für stilechte Möbelstücke fährt Hengesbach auch schon mal ins Bergische Land, wo jemand übers Internet alte, restaurierungsbedürftige Polstermöbel kostenlos abzugeben hatte: „Das war ganz schön abenteuerlich mit einem Auto mit Anhänger durch enge Serpentinen zu fahren“.

Die Besucher durften auch einen Blick hinter die Kulissen wagen, der Hauptbühne am Buchholzweg, die in diesem Jahr zur „Villa Kröterich“ wird. Jahrelang musste das Ensemble improvisieren, dann gab es Fördergelder und am Ende auch die heiß ersehnte Baugenehmigung vom Rhein-Sieg-Kreis für den Bau einer Hauptbühne (das Spielgelände liegt im Landschaftsschutzgebiet). Für das Ensemble ein großer Vorteil: „Wir haben damit nicht nur eine feste Bühne, die wir nach Belieben gestalten können, sondern auch die Möglichkeiten unsere Requisiten zu lagern und die Schauspieler können sich umziehen“, betont Birgit Pinsdorf.

Gewandert wird natürlich auch diesmal wieder. Denn die Hauptbühne ist nur eine von drei Spielstätten. Von dort aus geht es in die Tannensenke in die Welt der Wassertiere und von dort hinauf durch den Wald zum Aussichtspunkt Böhling in die Menschenwelt. Und wie immer dürfen sich die Besucher auf viele spannende und lustige Überraschungen am Wegesrand freuen. Übrigens: Stehen muss niemand, alle Zuschauer bekommen wieder ein Klappstühlchen.