Das Gestüt Aegidienberg ist dieses Jahr Austragungsort für die deutschen Gangpferdemeisterschaften. 160 Teilnehmende werden erwartet.
Fest für Pferd und ReiterWarum die Gangpferde-Meisterschaften in Aegidienberg etwas ganz Besonderes sind

Die Stuten-Herde auf dem Gestüt wartet darauf, auf die Wiese gelassen zu werden.
Copyright: Anica Tischler
Es herrscht Trubel auf dem Hof. Eine Frau führt ein Pferd über den Schotterweg zur Reithalle, um dort zu trainieren – klack, klack, klack, hört man die Hufe auf dem Schotterboden. Hunde laufen über den Platz, jagen einander. In den Paddocks stehen die Pferde. Man hört sie kauen und hin und wieder schnauben. Sie fressen gemütlich vor sich hin. Im Stuten-Paddock versammelt sich die ganze Herde in einem Pulk vor dem Tor. Sie wissen, dass sie gleich auf die Weide dürfen.

Mit herrlichem Blick auf die Ovalbahn und das Siebengebirge kann das Publikum hier sitzen.
Copyright: Anica Tischler
Vor dem Hof-Café sitzen Freunde, Bekannte und Mitarbeitende und bereiten Willkommenstaschen vor, man hört lautes Lachen. Dann kommt jemand in den Caféraum und fragt, wohin die Kartons sollen und was alles in die Willkommenstaschen gepackt werden soll. „Programmheft, Reiterbrief, Leckerlis. Die Taschen werden dann den Teilnehmenden als Begrüßung gegeben“, erklärt Gertrud Fahlbusch.
Deutsche Gangpferdemeisterschaften finden am Wochenende in Aegidienberg statt
Sie ist im Vorstand der Internationalen Gangpferdevereinigung (IGV) und an diesem Wochenende die Turnierleitung in Bad Honnef; sie hat alle Hände voll zu tun. Diese Woche findet hier auf dem Gangpferdezentrum Aegidienberg die Internationale Deutsche Meisterschaft im Gangreiten (IDMG) statt. Es werden allein 160 Teilnehmende erwartet. Sie bringen Pferde, Freunde, Familie und Helfer mit. Das Gestüt erwartet ein vollgepacktes Wochenende.

In der Halle wird einige Tage vor dem Turnier noch fleißig trainiert.
Copyright: Anica Tischler
Gangpferdereiten, das betrifft Pferde, die nicht nur die klassischen drei Gangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen, sondern noch mehr Gänge, zum Beispiel Tölt und Pass. Den Tölt kennen viele vor allem vom Islandpferd, das besonders bekannt für diese bequeme, gelaufene Gangart (ohne Sprungphase) ist. Wenn das Pferd gut töltet, heißt es, sitzt man auf dem Pferd wie in einem Sessel. Auch der Aegidienberger beherrscht diese Gangart.
Im Turnier haben wir mindestens zehn verschiedene teilnehmende Rassen.
Die Ähnlichkeit zum Namen des Gestüts Aegidienberg ist kein Zufall. Die Pferderasse Aegidienberger ist auf diesem Gestüt 1981 von Walter Feldmann Senior und Junior begründet worden, es handelt sich um eine Kreuzung von Isländer und Paso Peruano (ebenfalls ein Gangpferd). Familie Feldmann betreibt den Hof noch heute.
„Im Turnier haben wir mindestens zehn verschiedene teilnehmende Rassen“, sagt Gertrud Fahlbusch. Und das sei auch das Besondere an Gangpferdeturnieren. Jede Rasse habe ihre Eigenheiten, sehe anders aus, sei mal größer, mal kleiner, bewege sich anders. „Das ist natürlich etwas mehr Arbeit für die Jurorinnen und Juroren“, betont Fahlbusch und lacht. Da gibt es die kräftigen Isländer mit den wilden Mähnen und den freundlichen Knopfaugen, den Missouri Foxtrotter, „ein gutes Geländepferd und bequemer als ein Traber“, so Fahlbusch, das Speed Racking Horse, „das in Amerika seit 20 Jahren auf Geschwindigkeit gezüchtet wird“, und einige mehr.
Trail-Prüfung: Reiter und Pferde Hindernis-Parcours bewältigen
Es mache unheimlich Spaß, die Pferderassen sowie die Reiterinnen und Reiter zu sehen. Manche der Pferderassen stammen außer aus Deutschland und Island auch aus Nordamerika und Ländern in Südamerika. Rund 160 Teilnehmende treten in verschiedenen Kategorien an: in Tölt- und Mehrgangprüfungen, Rittigkeit, was in etwa einer Dressurprüfung entspricht, und Trail.
Bei letzterem müssen die Reiterinnen und Reiter eine Art Hindernis-Parcours mit ihrem Pferd absolvieren, in verschiedenen Geschwindigkeiten. Es geht im Slalom um Hindernisse, sie müssen Tonnen umrunden, über Wippen laufen, oder einen Stock in eine Milchkanne stecken – das demonstriert Gertrud Fahlbusch zu Fuß.

Gertrud Fahlbusch demonstriert den Hindernis-Parcours. Mit dem Stock muss ein Ring auf dem Stier-Aufsteller aufgesammelt werden.
Copyright: Anica Tischler
Dann wirft sie noch einen Blick auf die große Ovalbahn unterhalb des Hindernis-Parcours – von hier hat man einen herrlichen Blick auf das Siebengebirge. Die Ovalbahn wird gerade für die Prüfungen vorbereitet: Ein Traktor verspritzt Wasser auf dem feinen Schotter, der dann befestigt wird.

Die große Ovalbahn wird noch bewässert und befestigt.
Copyright: Anica Tischler
Die Wettkampf-Disziplinen sind unterteilt in Jugendprüfungen, Freizeitreitende und Sportprüfungen, und dauern das ganze Wochenende an. Am Donnerstagnachmittag haben bereits die ersten Vorentscheide begonnen. Die großen Prüfungen finden mehrheitlich am Samstag und Sonntag statt.
„Hier treten auch Quereinsteiger und erstmalige Turnierteilnehmende an, die am gleichen Wettkampf teilnehmen wie hochkarätige Sportreiter. Das ist das Tolle“, sagt Gertrud Fahlbusch beim Gang über den Hof. Die Gangpferdemeisterschaften seien eine offene Veranstaltung. „Wir wollen es niedrigschwellig haben und offen halten, damit alle daran Spaß haben können. Alle sind willkommen.“ Deshalb sind auch alle, die Lust haben, eingeladen, am Wochenende auf den Hof zu kommen und beim Turnier zuzuschauen.
Die Internationalen Deutschen Gangpferdemeisterschaften finden noch bis Sonntag, 31. August, auf dem Gangpferdezentrum Aegidienberg statt. Zuschauer sind willkommen. Außer den Prüfungen wird es auch einen Kostümwettbewerb am Samstagabend geben sowie Essens- und Getränkestände auf dem Hof und einen kleinen Reiter-Flohmarkt. Das Gestüt ist an der Peter-Staffel-Straße 20 in Bad Honnef zu finden. Parken ist allerdings nur an umliegenden Straßen möglich, da der Hofparkplatz für die Veranstaltung genutzt wird.