Winzermeister Bernd Blöser und Biowinzer Kay Thiel pflanzen auch pilzresistente Sorten auf ihren Weinhängen an.
Robuste WeinstöckeWarum Winzer im Siebengebirge auf Piwi-Reben setzen

In Eichenholzfass reift gerade der Cabernet Blanc, Winzermeister Bernd Blöser hatte 2008 die ersten pilzwiderstandfähigen Weinreben gepflanzt. Im Vordergrund der mit der Goldenen Prämie ausgezeichnete Muscaris.
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Winzermeister Bernd Blöser aus Königswinter-Oberdollendorf hatte schon früh auf die neue Sorte gesetzt. Im Jahr 2008 pflanzte er an einem Hang den roten Regent an. Die Rebe ist pilzwiderstandsfähig; Piwi wird das in Fachjargon genannt. Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat jetzt mitgeteilt, dass immer mehr Winzer auf Piwi-Sorten setzen. Sie legten 2025 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf rund 4000 Hektar Anbaufläche in Deutschland zu. Die neuen Piwi-Sorten seien damit entgegen der allgemein rückläufigen Anbauentwicklung in der Fläche gewachsen und hätten mittlerweile einen Anteil von vier Prozent am deutschen Weinbau.
Im Jahr 2016 kam der Muscaris bei Blöser als weiße Piwi-Sorte auf die Hänge des Siebengebirges. Das rettete ihm im Jahr 2024 einen Teil der Ernte. „Beim Regent und dem Muscaris hatten wir damals vollen Ertrag.“ Die Wingerte mit Scheurebe, Weißburgunder und Kerner seien jedoch wegen des Dauerregens im Frühjahr und damit einhergehenden Pilzbefalls ein Totalausfall gewesen. Der Klimawandel mache sich bemerkbar.
Die erste Ente aus dem Jahr 2025 des Cabernet Blanc reift zurzeit im Holzfass
2022 setzte Blöser Piwi-Reben des Cabernet Blanc. „Die erste Ernte aus dem vorigen Jahr 2025 reift zurzeit im Holzfass“, berichtet er über eine kleine Menge, die in den Verkauf kommt. Das hat einen Grund: Der Ertrag steigt langsam, erst im dritten Jahr nach dem Anpflanzen ist die erste Lese möglich.
Auch Biowinzer Kay Thiel hat Oberdollendorf hat Piwi-Reben gesetzt. 2023 pflanzte er den Souvignier Gris, ein Grauburgunder mit rosaroten Trauben. Und 2024 den Johanniter, eine weiße Sorte, die vom Geschmack her dem Riesling ähnelt. Thiel hat sich erst spät für diese Sorten entschieden, weil er die Nachfrage beobachten wollte. In diesem Jahr wird das erste Mal der Souvignier Gris gelesen. Thiel ist gespannt, wie er sich im Faß entwickelt. Er rechnet mit 1000 Litern Ertrag.

Biowinzer Kay Thiel erntet dieses Jahr das erste Mal einen Piwi-Wein.
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Der Trend für Piwi ist nicht aufzuhalten. Die neue Sorte Souvignier Gris verzeichnete 2025 im zweiten Jahr in Folge mit 170 Hektar den höchsten Flächenzuwachs von allen Rebsorten. Mit 766 Hektar ist sie mit Abstand Deutschlands wichtigste weiße Piwi-Sorte, gefolgt von Cabernet Blanc mit 356 Hektar, so das DWI. Unter den konventionellen Weißweinsorten konnten im vergangenen Jahr nur Chardonnay mit einem Plus von 102 Hektar und Sauvignon Blanc mit einem Plus von 4o Hektar in nennenswertem Umfang an Fläche zulegen.
„Regent ist einer der ältesten Piwi-Sorten und die erste, die erfolgreich war“, so Steffen Schindler, Marketing-Leiter beim DWI im Gespräch mit der Redaktion. Allerdings ginge die Nachfrage nach roten Weinen eher zurück. Die Verbraucher hätten wieder weiße Rebsorten entdeckt, die sehr aromatisch seien. Dazu gehören für ihn die Scheurebe, der Muskateller, der Gewürztraminer oder der Sauvignon Blanc. Neu gezüchtete Piwi-Sorten würden sich an diesen Geschmäckern orientieren. Sie seien aber noch nicht alle marktreif.

Ein Bild vom Herbst auf den Hängen des Weingutes Blöser im Siebengebirge. Die Trauben und Blätter der Piwi-Sorte Muscaris sind ohne Pilzbefall.
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Wie lange eine solche Zulassung dauern kann, berichtet Bernd Blöser. Als er seinen Muscaris 2016 anpflanzte ahnte er nicht, dass er auf ganz ungewohnte Probleme stoßen wird. „Die Weinrebe war noch nicht in die Bundessortenliste für Rebsorten in Nordrhein-Westfalen aufgenommen worden.“ Er konnte deshalb nicht als Qualitätswein verkauft werden. Das ließ dem Vorsitzenden der Winzer aus dem Siebengebirge keine Ruhe.
Winzermeister Bernd Blöser fuhr ins NRW-Landwirtschaftsministerium nach Düsseldorf und beschwerte sich
Er wurde persönlich im NRW-Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf vorstellig. Das führte zur Aufnahme des Muscaris in die Sortenliste für NRW. Der Edelsüße Wein mit Auslesecharakter bekam sogar die Goldene Prämierung für das Jahr 2021. „Da haben wir doch alles richtig gemacht“, so Blöser.
Karl-Heinz Broel und Felix Pieper setzen dagegen noch auf herkömmliche Sorten. In ihren Wingerten ist kein Piwi zu finden. „Mich überzeugen die Piwi-Sorten zurzeit noch nicht wirklich“, so Pieper im Gespräch mit der Redaktion. Deswegen pflanzt er auf einem freien Hang den klassischen Spätburgunder. Potential sieht er dennoch langfristig für die Piwi-Rebsorten. Der Souvignier Gris und der Muscaris, den seine Winzerkollegen aus dem Siebengebirge anpflanzen, sind für ihn zwei Rebsorten mit denen er sich „anfreunden könnte“.
