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Mittelalter-SpektakelHunnenhorden schlagen in Unkel ihr Lager auf

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Eine Gruppe von Menschen, die als Hunnen verkleidet sind, an einer Tafel. Einer hebt ein schweres Schwert.

Großkönig Attila (Harry Volmer; r.) von den Unkeler Hunnen hielt in seiner Jurte Hof.

Zum 13. Mal organisierten die Unkeler Hunnen ihr Mitttelalter-Spectaculum. Befreudete Horden kam auch aus Sankt Augustin, wo im Juni ebenfalls einen Hunnen-Treffen stattfindet.

Angesichts der ziemlich martialisch wirkenden Krieger, der Schwerter, der Streitäxte, der Schilde oder der Totenköpfe ging es ausgesprochen höflich zu. „Mögen die Götter mit Euch sein“, murmelte einer der Hunnen an der Tafel von Großkönig Attila jedes Mal, wenn er die Mitglieder einer Horde einzeln in der Runde begrüßte. „Mein König, heißt sie an der Tafel willkommen“, bat kurz darauf seine Königin Greka, als die Brohltal-Hunnen Attila ihre Aufwartung machten.

Als jedoch der Berichterstatter dieser Zeitung unaufgefordert einen Schritt in Attilas Jurte wagte, wurde er von einem jungen Mann energisch gestoppt. „Wir sind die Tafelwache!“, erklärte er und zeigte auf seinen Mitstreiter am anderen Ende des langen Tisches. Hätte man sich ja auch denken können – vor den Thron eines Königs tritt man schließlich nicht mal eben so.

Königing Greka führte die Hunnenhorden zu Attilas Jurte

Zum 13. Mal organisierten die Unkeler Hunnen am Wochenende ihr „Mittelalter-Spectaculum“ und konnten – neben vielen zivilen Besuchern – befreundete Hunnenhorden begrüßen, alle in ihren Kostümen „wie immer ausgesprochen schön“, wie Königin Greka sagte, als sie eine der Gruppen zu Attilas Jurte führte. „Lasse sie eintreten, sie kommen in Frieden und Freundschaft.“

In dem Moment, in dem die auswärtigen Hunnen ihre Gastgeschenk übergeben und ihre Standarte an Attilas Jurte gelassen hätten, stünden sie unter dem Schutz des Großkönigs in dessen Lager, erklärte später Königin Greka dem unbedarften Besucher. Das Spektakel sei nicht wirklich ein Rollenspiel, sagte die Königin, vielmehr schlüpfe man in die Rolle hinein und lasse von diesem Moment auch den zivilen Namen im Lager hinter sich. Der werde nicht mehr erwähnt.

Eine Feuerschale mit brennenden Holzscheiten, im Hintergrund Menschen vor Zelten.

Echtes Lagerfeuerfeeling beim „Mittelalter-Spectaculum“ in Unkel.

Es sei kein Rollenspiel, sondern „ein Teil des Lebens“, sagte Mutun, König der Siegtal-Hunnen aus Sankt Augustin. Mutuns schwarzes Zelt stand gleich neben dem des Großkönigs Attila. Davor eine im Rund angeordnete Tafel voller Kelche, Trinkhörner, Kerzenständer, Felle und Totenköpfe und mit ausgestopften Falken an den Zeltstangen. Mutuns Thron war selbstredend der größte Stuhl im Rund. Hier treffe man sich am Abend zum Gelage und spreche über die Feldzüge.

Viele der Hunnen waren schon ein paar Tage vor dem eigentlichen Spectaculum angereist und übernachteten in ihren Jurten im Unkeler Bürgerpark, dem einstigen Freibadgelände. Frostige Temperaturen seien kein Problem, man habe Felle und Decken, sagte eine Frau, die in einem Sessel vor ihrem Zelt saß. Auf der anderen Seite konnten bei dem sonnigen Wetter die aufwendigen Kostüme mit ihren schweren Fellmützen und dicken, mit Fell versehenen Jacken oder Kleidung in schwarzem Leder ziemlich schweißtreibend sein. Aber die Devise sei, so König Mutun augenzwinkernd: „Entweder man ist Hunne oder Weichei.“

Man wolle alles so „authentisch wie möglich“ machen, sagte der Hunne aus Sankt Augustin. So seien die Namen, den sich jeder Hunne erst erarbeiten müsse, historisch verbürgt. Und wer einen Namen bekommen habe, müsse sich mit der Geschichte dieser Person befassen. Ansonsten gelte in der Horde die Rangordnung Sklave, Krieger, Heerführer, Fürst und König. Hinzu kämen die Schamanen, als Berater des Königs.

Einer von ihnen zelebrierte am Samstag – nach einer keltischen Eheschließung – eine hunnisch-schamanische Hochzeit, die wie das ganze Lagerleben eine ziemlich ernste Sache ist. Eine kirchliche Ehe, sagte Königin Greka, gelte „bis der Tod Euch scheidet“. Bei den Hunnen gelte sie „bis in alle Ewigkeit“.

Tische mit Kerzenständern, Bechern und Schalen sowie Fellen als Tischdecke.

Die Tafel der Siegtal-Hunnen aus Sankt Augustin.

Zu den befreundeten Gruppen, die in Unkel ihre Zelte aufschlugen, gehörten beispielsweise auch der schottische Clan MacGregor oder die Gymnicher Mongolen. Als Währung im Hunnenlager, zu dem Verkaufsstände mit Lederwaren, Schmuck oder Ritterspielzeug gehörten, galt der Uncele. Für den konnte man Spezialgetränke wie Reiter-Bräu (alkoholfreies Bier), Regentau (gelbe Limo) oder Attilas Trunk (Honig-Bier) erwerben.

Im Juni kommen die Siegtal-Hunnen nach Sankt Augustin

Apropos Attila: Er hat natürlich auch einen zivilen Namen, nämlich Harry Vollmer, und ist Vorsitzender der KG 1. Unkeler Hunnenhorde 2005. Seine Königin Greka heißt Silvia Vollmer und ist Geschäftsführerin der Karnevalsgesellschaft, die mit ihrem Lager krebskranke Kinder über „Dat Kölsche Hätz“ in Köln und den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bonn unterstützt.

König Mutun (Joel Kamps) und seine Siegtal-Hunnen schlagen ihr Hunnen-Lager von Freitag bis Samstag, 19. bis 21. Juni, im Mülldorfer Park in Sankt Augustin auf. Das nächste Unkeler Hunnenlager ist vom 23. bis 25. April nächsten Jahres geplant.