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„Tour de Apfelroute“Rundschau-Redakteur testet neue Fahrradroute

4 min

Die Region entdeckt: Rundschau-Redakteur Marcus Bierlein erkundet die Apfelroute.

  1. Die Route verbindet alle linksrheinischen Komunen rund um Bonn.
  2. Hofcafés und Geststätten laden an der Route zum Verweilen ein.
  3. Unser Redakteur hat die Strecke genauer unter die Lupe genommen. Ein Erfahrungsbericht.

Bonn – Samstagmorgen, 9.20 Uhr. Die Vorbereitungen dauern nur ein paar Minuten. Nach wenigen Klicks am Smartphone ist, die richtige App vorausgesetzt, die Strecke der Rheinischen Apfelroute über die Internetseite https://apfelroute.nrw/ geladen und es kann losgehen.

Vom Sportpark Rheinbach führt der Weg schön flach nach Odendorf. Dort die erste kleine Überraschung: Es geht nicht gleich nach rechts Richtung Ludendorf und Miel, sondern nach links durch den Ort, an Kirche und Zehnthaus vorbei.

Sanfte Kurven entlang der Swist

Kurz vor Miel tauchen drei gut trainierte Rennradfahrer auf. Cycling Pech nennt sich der Club und das Trio nutzt die ausgeschilderten Radwege der Apfelroute für eine Runde rund um Rheinbach, 68 Kilometer sollen es werden.

Hinter Miel biegen sie auf den Heimweg ab, während die Apfelroute nun für ein ganzes Stück in sanften Kurven entlang der Swist weiterverläuft, vorbei an der Gedenkstele für einen 1941 ermordeten polnischen Zwangsarbeiter. Teilweise ist der Untergrund hier nicht asphaltiert. Auch die anderen ganz wenigen Schotter-Abschnitte sind aber problemlos zu meistern, auch mit einem Rennrad. Kribbeliger ist da schon der Übergang über die vielbefahrene B 56 bei Lützermiel.

Im angenehmen Schatten von Bäumen ist bald Heimerzheim erreicht. Nach ein paar Metern bergauf geht es über den Steinbuschweg über den Villerücken rechts am Hellenmaar vorbei auf Bornheim-Waldorf zu und in Merten nach rechts weg in den „Bornheimer Gemüsegarten“.

Siebengebirgspanorama am Horizont

Ein großer Direktvermarkter lockt mit einem Hofcafé und dem Auftritt von „Foodbloggern“ (#schmeissdichinsgemüse – Wir kochen, Sie probieren!). Wer auf der Apfelroute das Genussradeln entdecken will, was ja ausdrücklich eine der Aufforderungen der Rhein-Voreifel Touristik (RVT) ist, kommt hier auf seine Kosten. Da der Tacho erst 30 Kilometer anzeigt und noch 90 fehlen, kann der erste Stopp aber noch etwas warten.

Alle sechs linksrheinischen Kommunen verbindet der Radweg. Als Startpunkte bieten sich unter anderem die Bahnhöfe der S 23 an.

Der Geruch der Gemüsefelder bei Sechtem, kurz danach der Ausblick auf den Rhein bei Widdig und Hersel und das Siebengebirgspanorama am Horizont verstärken dann allerdings doch den Wunsch zur Entschleunigung. Der Zwischenstopp in einem Café auf der „Kö“ in Bornheim ist strategisch günstig gewählt, denn die nächsten Kilometer über Botzdorf nach Alfter sind teilweise etwas steiler. Die Rampen sind aber kurz und sollten kein Hindernis darstellen.

Für manche kam die Apfelrute zu spät

Am längsten ist der Anstieg hinauf zum Gielsdorfer Wasserturm. Auf einem Kilometer mit durchschnittlich 7,3 Prozent können sportlich Ambitionierte hier den „Bergprinz“ der Tour ausfahren, schließlich heißt die steile Straße ja Prinzgasse. Radprofi Christian Knees aus Rheinbach (Team Ineos) hält hier mit 2:55 Minuten den zweiten Platz der Bestenliste.

An der Rampe käme ein kühles Getränk gerade recht, leider aber gibt’s die alte urige Gaststätte „Anton“ schon seit Jahren nicht mehr. Auch an anderen Punkten auf Alfterer Gebiet sind an Traditionslokalen die Rollläden längst unten, da kam die Idee mit der Apfelroute zu spät, aber wer weiß, vielleicht befeuert ja gerade sie die eine oder andere Renaissance.

Die Apfelroute lockt mit schönen Ausblicken auf die rheinischen Dörfer.

In Witterschlick gondelt ein Ehepaar gemütlich über den Radweg, den gepackten Taschen nach könnten sie auf einem Tagesausflug sein, es sind aber nur die Wochenendeinkäufe. Von der neuen Radroute haben sie schon gehört, in den Sommerferien wollen sie selbst mal ein Stück davon erkunden. Mit E-Bikes sind sie dafür bestens ausgestattet.

Kottenforst spenden Schatten

Hinter Volmershoven, von wo aus es Richtung Jägerhäuschen, Villiprott und Pech geht, spendet der Kottenforst über Kilometer wohltuenden Schatten. Zu Beginn des ebenso hügeligen wie malerischen Wachtberger Abschnitts können die eigenen Akkus in hübschen Biergärten nochmals aufgeladen werden.

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In Adendorf endet das Drachenfelser Ländchen und die letzten 25 Kilometer führen auf bestens ausgeschilderten verkehrsarmen Radwegen an den Meckenheimer und Rheinbacher Obstplantagen – Äpfel soweit das Auge blicken kann – vorbei. Ein kurzer Abstecher noch nach Lüftelberg, vorbei an einer urigen Pension, die Schildern zufolge zum Verkauf steht, und Flerzheim, dann ist die große Runde nach fünf Stunden Nettofahrtzeit locker geschafft. Sie lädt dazu ein, sich das nächste Mal mehr Zeit zu lassen.

Das Fazit

Die Apfelroute kann auch Einheimische überraschen. Schon der Blick in die Nachbarkommune sorgt für Aha-Effekte und erweitert das Wissen über die eigene Heimat. Denn von den Hügeln der Voreifel bis an den Rhein, von schmucken Vorgebirgsdörfchen bis hin zu städtischen Infrastrukturen ist es manchmal nur ein Katzensprung. Die Strecke ist für sportliche Radfahrer „in einem Rutsch“ gut zu bewältigen, einige Abkürzungen sind ebenso möglich wie der Ein- und Ausstieg an Bahnhöfen der S 23 und der DB.