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Bornheimer NebenschleifeUnterwegs auf der Apfelroute – 41 Kilometer auf und ab

6 min

Der Ausblick von Roisdorf in die Ebene.

  1. Vorbei an Streuobstwiesen führt die Bornheimer Nebenschleife der Apfelroute mal steil, mal flach durchs Land
  2. Ein Einstieg ist quasi überall auf dem Weg möglich
  3. Unser Autor ist die Strecke auf dem Fahrrad gefahren

Bornheim – Franz Meyer (65) ist mit seinem Rad extra aus Bonn gekommen, um die Bornheimer Nebenstrecke der Apfelroute zu erobern. Nach den Tagen großer Hitze ist der bedeckte Himmel für ihn eine Wohltat. „Hier im Flachland ist es ja auch ein sehr entspanntes Fahren“, meint Meyer. Aber er freue sich auch schon auf die Bergetappen. Tatsächlich braucht man schon ein bisschen Kondition, um die insgesamt 351 Höhenmeter auf der 41 Kilometer langen Tour zu bewältigen.

Die Strecke bietet nämlich gleich mehrfach Perspektivwechsel; mal lässt sich vom Tal hinauf ins Vorgebirge und mal von oben hinab in die wunderbare Gemüsekammer dieser Niederterrassenebene des Rheines blicken. Unbegreiflich ist die Vorstellung, dass dort vor Millionen Jahren noch der Rhein floss. Bei seinem Rückzug hat er den kostbaren Lössboden hinterlassen, der die üppige Vielfalt der landwirtschaftlichen Produkte im Vorgebirge bis heute möglich macht.

Informationen über den Apfelanbau gibt es auf der städtischen Streuobstwiese.

Lohnenswerter Abstecher zur Streuobstwiese

Ich starte in Walberberg und fahre zunächst durch diese fruchtbare Ebene, vorbei an blühenden Rosenfeldern der Gartenbaumschule Hau, wo es auch sonntags Einblicke in aktuelle Trends in Sachen Gartengestaltung gibt. Über freies Feld und gut ausgebaute Wirtschaftswege geht es nach Sechtem. Der Weg führt an der Weißen und der Grauen Burg, einem ehemaligen Rittersitz, vorbei. Lohnenswert ist auch ein Abstecher zur Streuobstwiese, die an der Hauptstrecke der Apfelroute an der Händelstraße liegt. Uralte Apfelsorten wachsen auf dem vom Arbeitskreis Stadtbild gestalteten städtischen Areal, auf dem jetzt auch ein Rastplatz mit Tisch und Bänken für „Apfelrouten-Touristen“ angelegt ist.

Ganz bewusst habe ich mir die Strecken-App nicht auf mein Smartphone geladen, sondern folge der Beschilderung, mal dem rechteckigen weißen Schild mit rotem Fahrrad, mal dem grünen Apfelsymbol, das gut sichtbar unterhalb der Wegweiser angebracht ist.

Die „grüne“ Nebenstrecke der Apfelroute ist die erste ausgeschilderte Tour, die alle 14, beziehungsweise 15 Bornheimer Ortschaften – die Tour führt schließlich auch durch Trippelsdorf – verbindet. Ein Einstieg ist quasi überall auf der Strecke und in jede Richtung möglich. Auf dem Radweg entlang des Sechtemer Weges geht es jetzt Richtung Bornheim. Rechts präsentiert sich der mit vielen Kirchtürmen gezierte Vorgebirgshang. Wie Fingerzeige deuten die Kirchturmspitzen in den Himmel.

Rundschau-Mitarbeiterin Margret Klose startet in Walberberg.

Bald ist Apfelernte auf der Apfelroute

Weit vor dem Ortseingang Bornheim führt die Route links ab vorbei an Feldern und Plantagen. Geheimnisvoll steigen kleine Nebenschwaden auf, die tief über den Feldern hängen. Die Luft ist feucht und schwer und angereichert mit den intensiven Düften der Feldfrüchte, die links und rechts der Wege wachsen. Trotz des Regens ist der Boden wohl immer noch viel zu trocken, so dass viele Landwirte zusätzlich die Beregnungsanlagen eingeschaltet haben.

Duftig weich weht das Spargelgrün über den exakt gezogenen Dämmen. Es bekommt für die Spargelernte 2020 noch eine Extraportion Wasser. Noch schimmern auch die Äpfel in den Plantagen grün. Doch schon ab Mitte August beginnt zum Beispiel bei Obstbauer Schmitz-Hübsch in Merten die Apfelernte 2019.

Das Haus Rankenberg.

Vorbei an der „Schweizer Aussicht“

Den Stadtkern Bornheims zur Rechten zeigt die Wegführung hinter der Eisenbahnbrücke links, vorbei am Bornheim-Roisdorfer Bach Richtung Widdig. Fast mystisch wirkt hier die Symbiose von Bach, Radweg, Bäumen und Sträuchern, die sich vor ihrem Publikum augenscheinlich verneigen. „Bei schönem Wetter sind hier oft sehr viele Radfahrer unterwegs“, weiß Marion Mertens zu berichtet. Sie joggt fast täglich über diese Strecke. „Wenn es regnet ist es immer ganz besonders ruhig“, sagt sie. Um so mehr genieße sie jetzt die Stille. In Widdig angekommen trainiert eine junge Frau am Gestüt Aluta mit ihrem Pferd.

Mein nächster Stopp ist die „Schweizer Aussicht“ unmittelbar am Rhein. Seinerzeit war es der Widdiger Ortsvorsteher Konrad Velten, der die Idee zu diesem besonderen Rastplatz an der Schweizstraße hatte. Mit anderen Ehrenamtlern hält er den Platz in Schuss. Am Rheinufer geht es nun am Uedorfer Caféhäuschen (Päuschen lohnt) vorbei bis Hersel und von dort zwischen dem Herseler See und dem Kieswerk zurück zum Vorgebirge nach Roisdorf – zur ersten Bergetappe. Wie oft bin ich mit dem Auto, den Fuß auf dem Gaspedal und dabei lässig die mühsam hinauf fahrenden Radfahrer überholend, dort schon hinaufgefahren? Jetzt spüre ich den Aufstieg selber in den Waden. Belohnt werde ich dann mit dem wunderbaren Gefühl: Das wäre geschafft!

Der Bonner Franz Meyer entdeckt das Vorgebirge mit dem Rad.

Besuch am Grab von Heinrich Böll

Schon aus der Ferne ist das heimelige Fachwerkhaus am Blutpfad zu sehen, wo Wolfgang und Waltraud Schulz ihren schmucken Biobetrieb jeden Freitag von 8 bis 18 Uhr geöffnet haben.

Details

Einen E-Bike-Verleih gibt es nicht direkt an der Bornheimer Schleife der Rheinischen Apfelroute, wohl aber an der Hauptroute am Bahnhof in Roisdorf. Die Ausleihe kostet für 30 Minuten zwei Euro, maximal 18 Euro für 24 Stunden. Eine E-Bike-Ladestation steht in Waldorf beim Biohof Bursch.

Die 41 Kilometer lange Strecke führt von den Niederungen des Rheinufers bis in die Höhenlagen des Vorgebirges. Jede Ortschaft hat ihren eigenen Reiz. Vor allen Dingen aber gibt die Tour Einblicke in die landwirtschaftliche Vielfalt. Wie ein Schlaraffenland wirken um diese Jahreszeit die Apfel- und Birnbäume in den Plantagen und die Felder, auf denen Salate, Gemüse, Kräuter, Blumen aber auch noch Weizen, Kartoffeln und Mais reifen.

Restaurants und Cafés, die teils die Köstlichkeiten aus der Region frisch auf den Tisch bringen, gibt es in fast allen Ortschaften an der Wegstrecke. (mkl)

Weiter geht es nun mit wunderbarem Blick in die Tiefebene leicht bergab Richtung Brenig und zur nächsten sportlichen Herausforderung, dem Kummenberg. Die Pfarrkirche zur Rechten führt die Wegführung bald richtig bergab über Dersdorf und Waldorf nach Kardorf und am Haus von Bürgermeister Wolfgang Henseler vorbei.

Nur wenige Meter weiter wartet eine weitere Bergetappe, links hinauf nach Hemmerich. Wie eine Spazierfahrt ist, oben angekommen, die Weiterfahrt über die alte Dorfstraße nach Rösberg, wo ich mich bei einer Rast bei Kaffee und Kuchen im Café Trimborn-Hof für die Anstrengungen belohne. Am Rösberger Ziegenhof vorbei – der Bio-Ziegenkäse dort ist ein Genuss – geht es jetzt um den inzwischen 100 Jahre alten Rösberger Wasserturm herum Richtung Merten. Unmittelbar hinter der Schlossstraße freue ich mich auf die Abfahrt über die Auelsgasse hinunter bis Merten. Eine Pause am alten Friedhof bietet sich an, verbunden mit einem Besuch am Grab des Nobelpreisträgers Heinrich Böll.

Am Ende ein Eis zur Belohnung

Von Merten aus geht es jetzt durch Trippelsdorf, vorbei an der von Mitgliedern der Marianischen Bruderschaft wieder aufgebauten Vinzenzkapelle. Das „Gotteshäuslein“ ist täglich von morgens bis abends geöffnet. Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Töpferwerkstatt von Edle von Frantzius. Kinder und Erwachsene können dort die alte Kunst des Töpferns lernen. Bis zum Ausgangspunkt ist es jetzt nicht mehr weit.

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Über einen Wirtschaftsweg gelange ich vorbei an Weidewiesen und Pferdekoppeln zur Kitzburg. Herrschaftlich wirkt dort die sehr lange, mit hohen Buchenhecken eingefasste Einfahrt zur Burg. Nach einem kurzen Anstieg geht es nach etwa fünf Minuten hinter der Burg rechts quer durch den Ort vorbei an der Pfarrkirche und dem Hexenturm. Eine große Erfrischung im Eiscafé Eisberch an der Hauptstraße habe ich mir jetzt aber verdient ...