NRW-Landtagspräsident André Kuperwar jetzt beim 8. Bornheimer Ortsgespräch zu Gast bei Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf.
Bornheimer Ortsgespräch:„Wir müssen mehr auf die Jugend zugehen“

Der Präsident des NRW-Landtags, André Kuper (links) war zu Gast bei Bornheims Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf.
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Der Dialog mit den Bürgern, ganz besonders mit Jugendlichen, sei ihm wichtig, deshalb war André Kuper gerne nach Bornheim gekommen, um sich den Fragen von Bornheims Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf in der Oase der Europaschule und den Bürgern zu stellen. Rund 40 Gäste folgten ebenfalls der Einladung zur Reihe der Ortsgespräche, die jetzt it dem Besuch des NRW-Landtagspräsidenten André Kuper in die achte Runde ging.
„Initiativen wie diese sind gut für die Demokratie, deswegen unterstütze ich sie sehr gerne“, betonte der 62-jährige CDU-Politiker, der sich als politischer Quereinsteiger sieht, auch, wenn er bereits früh in die Junge Union eingetreten sei. Kuper kann drei Studienabschlüsse nachweisen (Verwaltungs- und Betriebswirt sowie ein Fachlehrerdiplom), war 15 Jahre hauptamtlicher Bürgermeister in Rietberg und zog 2012 erstmals als direkt gewählter Kandidat für den Landkreis Gütersloh in den NRW-Landtag ein. 2017 und 2022 wurde er erneut gewählt. Seit 2017 ist er Präsident des Düsseldorfer Landesparlaments, mittlerweile in seiner zweiten Amtszeit.
Zunächst hieß es wie üblich bei den Ortsgesprächen „Entweder/Oder“. Dabei erfuhren die Gäste, dass Kuper Frühaufsteher ist und Optimist, Träumer und Realist, und dass sein Lieblingsort im Landtag der Plenarsaal ist. Auf einen Lieblingsort in NRW wollte sich Kuper jedoch nicht festlegen und antwortete auf Pinsdorfs Frage mit „überall“. Sein Fußballherz schlägt für den Zweitligisten SC Paderborn: „Ich wohne nur 200 Meter vom Stadion entfernt.“
Demokratie zum Anfassen
Politisch schlägt sein Herz vor allem für den Austausch mit der jungen Generation: „Viele Jugendliche sind sehr engagiert und auch politisch interessiert. Wir als Politiker müssen aber mehr auf sie zugehen“, meinte Kuper. Dafür gebe es Formate wie „Landtag vor Ort“ oder „Präsidium vor Ort“, damit junge Frauen und Männer Landespolitik und Demokratie „zum Anfassen“ erleben und erfahren, wie sie sich selbst einbringen können, denn: „Demokratie ist nicht mehr selbstverständlich. Das zeigt sich heute mehr denn je“, so Kuper, der sich auch für den 2008 eingerichteten Jugendlandtag eingesetzt, den er in einer Amtszeit weiterentwickelt hat. Junge Menschen können sich über ihre Abgeordneten vor Ort dafür bewerben, Anträge stellen, Fraktionen bilden und Beschlüsse fassen wie beim „richtigen Landtag“. Und manche Anträge hätten durchaus Chancen, später im Landtag aufgegriffen und umgesetzt zu werden.
Sorge bereiten André Kuper die zuletzt geringen Wahlbeteiligungen. Um dem entgegenzuwirken, plädiert er dafür, verstärkt den Kontakt zu suchen, aber auch die unterschiedlichen Meinungen der Bürger mitzunehmen. Dies sei vor allem während der Corona-Pandemie verlorengegangen. Damals hätten schnelle Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden müssen, ohne in den Dialog mit den Bürgern eintreten zu können: „Das Recht auf Meinungsfreiheit bedeutet auch, andere Meinungen auszuhalten, auch wenn es weh tut.“ Viele hätten das Gefühl, sie dürften nicht mehr frei sagen, was sie wollten wegen der Reaktionen in den sozialen Netzwerken: „Meinungsfreiheit ist wichtig, sie darf aber nicht persönlich werden.“
„Abbild der Gesellschaft“
Trotz CDU-Parteibuch gilt André Kuper in seiner Funktion als Landtagspräsident als überparteilicher Repräsentant aller politischen Parteien im Landtag. Da komme ihm seine langjährige Erfahrung als Bürgermeister zugute, da es in der Kommunalpolitik vor allem um Sachthemen und weniger um politische Zugehörigkeiten gehe. Für Kuper ist der Landtag das „Abbild der Gesellschaft“. Das, was draußen vor Ort die Bürger belaste, müsse im Landtag debattiert werden. Dabei sei der Ton in den vergangenen Jahren durchaus rauer geworden, er selbst sieht sich daher oft wie ein Schiedsrichter beim Fußball, der auch schon mal Gelbe oder Roten Karten verteile müssen, um den ein oder anderen zur Ordnung zu rufen.
Die von Dominik Pinsdorf ins Leben gerufene Reihe der Ortsgespräche wird fortgesetzt: 2024 werden am 4. März der Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi (Die Linke) und am 24. April die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur (Grüne), erwartet. Schirmherr der Reihe ist Bornheims Bürgermeister Christoph Becker.
