Der Menschenrechtler Raúl Aguayo-Krauthausen hat in Bornheim den Preis "Bornheimer" entgegengenommen.
Fixstern für SolidaritätRaúl Krauthausen erhält Ehrenpreis aus Bornheim

Das Schulmaskottchen "Borni" (r.) trug zur unterhaltsamen Preisverleihung mit moderatorin und dem Preisträger Raúl Aguayo-Krauthausen bei
Copyright: Meike Böschemeyer
„Ich hoffe, ihr habt mich auch eingeladen, um den Finger in die Wunde zu legen, und nicht nur, um Danke zu sagen.“ Raúl Aguayo-Krauthausen nahm kein Blatt vor den Mund, als er am Mittwochabend in der Aula der Europaschule den pädagogischen Ehrenpreis „Bornheimer“ in Empfang nahm. Der 42-Jährige leidet von Geburt an an der Glasknochenkrankheit, ist kleinwüchsig und auf einen Rollstuhl angewiesen.
Einen Namen machte sich Krauthausen, der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert hat, als Aktivist, TV-Moderator, Autor und Podcaster, der sich für verschiedene soziale Projekte und für eine barrierefreie Gesellschaft einsetzt. Krauthausen war eigens aus seiner Wahlheimat Berlin zur Preisverleihung ins Vorgebirge gereist. „Ihm geht es darum, die Gesellschaft so zu verändern, dass auch Menschen mit einer Behinderung teilhaben können“, betonte Schulleiter Eike Brandt in seinem Grußwort.
Bornheims Bürgermeister Christoph Becker und Brandts Vorgänger als Europaschulleiter würdigte Krauthausen als „Fixstern für den Geist der Solidarität“. Becker hob auch die „Strahlkraft der bisherigen Preisträger über die Stadtgrenzen Bornheims hinaus“ hervor. Durch den Abend führten die Schülerinnen Paula Kuhn und Hannah Look.
Zunächst wurden in einem eingespielten Film die „Eubo-News“ präsentiert. Darin beschreiben Schülerinnen und Schüler, wie sie sich im Rahmen einer Projektwoche mit dem Thema Inklusion und dem Preisträger auseinandergesetzt haben. Anschließend spielten die Schüler das bekannte ARD-Quiz „Gefragt – Gejagt“ nach, gemeinsam mit dem Publikum.
Spannend wurde es, als Raúl Krauthausen von Schülern vorher formulierte „Fragen aus dem Hut“ beantwortete. Die Moderatorinnen zogen Zettel mit den Fragen nach dem Zufallsprinzip aus einem Hut. Gefragt wurde Krauthausen beispielsweise, was er als erstes machen würde, wenn er Bundeskanzler wäre? Seine Antwort: Er würde Orte der Begegnung schaffen, damit sich unterschiedliche Menschen mit und ohne Behinderung kennenlernen könnten, das könnten Cafés oder Schulen sein. „Inklusion bedeutet nicht, dass ich einen Behinderten irgendwo in eine Klasse stecke“, sagte Krauthausen.
Inklusion bedeutet, dass auch nicht behinderte Menschen ein Recht darauf haben, mit behinderten Menschen zusammenzuleben. Wenn die Teilgabe genauso so selbstverständlich ist wie die Teilhabe, dann sind wir in einer inklusiven Gesellschaft angekommen.
Krauthausen machte dies an einem prägnanten Beispiel deutlich: „Meine Vision ist es, dass es bis 2025 selbstverständlich ist, dass Menschen mit einer Behinderung in einem Doppeldeckerbus oben sitzen.“
Die Laudatio hielten die Oberstufenschüler Senta Schmahl und Moritz Schwechheimer gemeinsam mit ihrem Fachlehrer und dem Inklusionsbeauftragten der Europaschule, Philipp Michel. Er ist auch Gründer des ersten inklusiven Bornheimer Sportvereins „Sporteinander“.

Mit Mütze und Brille ist der aktuelle Preisträger Raúl Aguayo-Krauthausen zwischen seinen Vorgängern in der Bildergalerie gut zu erkennen.
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„Raúl Krauthausen sensibilisiert Menschen in ganz alltäglichen Situationen nicht nur für die Themen Inklusion und Barrierefreiheit, sondern auch für Respekt und Aktivismus. Vieles geht bei ihm über die Sprache“, so Michel. Formulierungen wie „an den Rollstuhl gefesselt“ oder „der behinderte Mensch“ seien laut Krauthausen nicht besonders förderlich oder mit Krauthausens Worten gesprochen: „Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden.“
Moritz Schwechheimer beschrieb die Europaschule als einen „Ort der Vielfalt“, an dem seit Jahrzehnten Inklusion gelebt wird. Ein Beispiel von vielen sei der kürzlich eröffnete barrierefreie Neubau. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Big Band der Europaschule und der Schulchor.
„Bornheimer“
Seit 1990 verleiht die Europaschule alle zwei Jahre den pädagogischen Ehrenpreis, den „Bornheimer“, an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um pädagogische Themen bemüht haben und sowohl Schülern als auch Lehrern für ihre eigene Arbeit an der Schule neue Impulse geben.
Bestimmt werden die Preisträger von einer Jury aus Schülern, Eltern und Lehrern. Der Preis ist eine kleine Bronzeplastik, die eine größere Figur zeigt, die zu einer kleineren Figur schaut. Eine Brücke schafft die Verbindung zu den beiden. Als Vorbild diente ein Wachsentwurf des britischen Künstlers David Thorn.
Zu den bisherigen Preisträgern zählen der Pantomime Samy Molcho, Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, der Violinist und Dirigent Lord Yehudi Menuhin, die Redaktion der „Sendung mit der Maus“, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, der Mitbegründer von „Cap Anamur“, Rupert Neudeck.
Zuletzt wurde der Preis 2018 an die Redaktion der Kindernachrichtensendung „logo“ von ARD und ZDF verliehen. Ehrenpreisträger ist der ehemalige Europaschulleiter, der Anfang des Jahres verstorbene Klaus Breil, der den „Bornheimer“ ins Leben rief.
